zu den Studienreisen zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Tauchreisen zu den Special Event Reisen

« zurück zu den Reiseberichten

Höhlen und Gipfel

Mexico - einmal anders !

Ein Reisebericht von Fred Vnoucek


In der Nähe von Mexico City - bei gutem Wetter von der mexikanischen Hauptstadt aus zu sehen - liegt der Popocatepetl, ein schneebedeckter Vulkankegel. Wenige Stunden Autofahrt führen zu der auf viertausend Metern Seehöhe gelegenen Hütte Tlamacas. Von dort sind es jedoch noch weitere fünfzehnhundert Höhenmeter bis zum Gipfel.

Die Hütte ist anders als man es von unseren Bergen gewohnt ist. Groß, kalt und unpersönlich, aber es ist ein Dach über dem Kopf; in dieser Höhe zur Übernachtung beinahe unerlässlich. Ehe man den Popocatepetl erklimmt, wäre es sinnvoll, am etwas weniger hohen Nachbarberg Ixtachihuatl zu "trainieren" . Man sollte für diese Bergtour topfit sein. In der dünnen Luft über viertausend Meter sind bereits die Auswirkungen einer normalen Erkältung beeindruckend. Der Autor dieser Geschichte, geplagt von einer Verkühlung, schafft es auf knapp 5000 Meter und gibt somit doch weit unter dem Gipfel auf. Solidarisch steigen auch die Weggefährten mit ab und als Alternativprogramm fahren alle in die Silberstadt Taxco, um dort einige Erholungstage einzuschieben. Hier wird die Erkältung auskuriert, die interessante Stadt besichtigt und natürlich eingekauft. Taxco sollte in keinem Reiseprogramm fehlen, ist das einstimmige Urteil der kleinen Gruppe. Mit den zurückkehrenden Kräften wird auch der Gehörsinn wieder geschärft. Ein Reiseteilnehmer schnappt ein Gespräch auf, dass in der Nähe von Taxco in den Bergen eine Höhle quer durch ein Felsmassiv führen soll, zum Teil nur über ein Wildwasser zu begehen und zur Gänze in ewiger Finsternis gelegen. Der mexikanische Guide wird zu weiteren Erkundungen eingesetzt und plötzlich ist die Schwäche der letzten Tage wie weggewischt. Tatsächlich, über zwölf Kilometer soll diese Höhle durch den Berg führen .... und nicht weit von Taxco entfernt liegen.



Am nächsten Morgen bricht das Team auf zu diesem neuen Ziel. Der einheimische Führer Jorge ist bereit, die Gruppe für einhundert Dollar durch die Unterwelt zu lotsen. Zwei Stunden Fußmarsch führen quer durch den Bergwald zur "Einstiegstelle" , einem schäumenden Wildbach, der in einem Loch im Fels verschwindet. Ein beherzter Sprung in das kühle Nass und schon trägt einem die starke Strömung weiter. Nach wenigen Sekunden bereits verschwindet man durch eine Spalte im Berg. Hier verbreitert sich der Bach und strömt träger. Auf einer Sandbank kann man verschnaufen und die Taschenlampen einsatzbereit machen. Das Wissen setzt sich fest, dass es nun wegen der starken Strömung kein Zurück mehr gibt. Die Verlockung, dieses Abenteuer zu bestehen, weicht der Gewissheit, die nächsten Stunden in einem Felslabyrinth verbringen zu dürfen. Die nächsten Stunden in absoluter Dunkelheit vergehen nach dem Motto "raus aus dem Wasser - rein in das Wasser" - die Gruppe hat wasserdichte Kanister mit trockenen Kleidern, Ersatzbatterien und Verpflegung mit dabei. Fast ohne Unterbrechung und Pausen bewegt man sich, teils marschierend oder kletternd, teils schwimmend durch die ewige Finsternis. Nach anstrengenden und aufregenden Stunden erreicht man am anderen Ende der Höhle wieder das Tageslicht. Fünf Stunden hat die Durchquerung gedauert. In Mexico City werden einige Tage zur Erholung eingeschoben, ehe der zweite Versuch zur Ersteigung des Popocatepetl vorbereitet wird.

Es ist knapp vor Mitternacht, der Wagen ist bereits mit der Ausrüstung beladen. Aufgrund der gewonnenen Erfahrung wurde beschlossen, diesmal den Aufstieg auf den Vulkangipfel so rasch als möglich durchzuziehen. Daher parkt das Auto bei Tlamacas und auf eine Nacht zum Akklimatisieren wird verzichtet. Noch in stockdunkler Nacht beginnt der Aufstieg. Schwer lastet der Rucksack auf den Schultern der Bergsteiger, als sie an der Viertausendmeter-Marke vorbei das von Reif bedeckte Lavasandfeld in Angriff nehmen. Es ist still, die Zivilisation liegt weit weg. Es wird nicht geredet, um Atemluft zu sparen. Nur das Klirren der am Rucksack befestigten Steigeisen ist zu hören. So vergehen die einsamen Stunden bis zum Sonnenaufgang.



Bereits mehr als die Hälfte des Weges ist geschafft, als über dem Horizont die Sonne aufgeht. Es wird ausgiebig gerastet und dabei wird dieses unvergleichliche Schauspiel genossen: Logenplätze zur Beobachtung eines Naturwunders. Alle sind gut drauf und nun kann man schon die vergletscherte Flanke erkennen. Sehr weit darunter sind die Ruinen der alten Texalco Hütte zu sehen. Es gibt mehrere Routen auf den Gipfel des Popocatepetl. Obwohl der übliche Weg über Las Cruces führt, beschließt die Gruppe, die Route über den Gletscher zu nehmen. Alle sind geschafft vom Lavasand, wo es oft heisst "ein Schritt vor, zwei Schritte zurück" . Dann schon lieber über den Gletscher. Nun folgt bereits gemischtes Gelände. Felsbrocken, Eis und Lavasand wechseln sich ab. Die Hunde der Tlamacas Lodge, die bis hierher gefolgt sind, bleiben zurück. Nach der eisigen Kälte der Nacht wird die Temperatur nun erträglich, höchstens wenige Grad unter Null. Die Sonne brennt vom Himmel; ohne gute Sonnenbrillen wäre man "aufgeschmissen" . Nun häufen sich auch die kurzen Pausen, um zu Atem zu kommen und zu trinken. Nahe der Fünftausendmetermarke ist es wichtig, dem Körper viel Flüssigkeit zuzuführen. Bei der letzten Rast wurden bereits Seil, Eispickel und Steigeisen zurecht gemacht, um für den Einstieg und die Überquerung des Gletschers gerüstet zu sein. Plötzlich ist der Gipfel nicht mehr zu sehen und die Wolkenmasse nimmt bedrohliche Ausmasse an. Auch der Aufstiegsweg ist nicht mehr klar zu erkennen. Es geht ganz rasch, ohne Vorwarnung und Anzeichen. Noch etwa ein bis zwei Stunden ist der Gipfel (5452 Meter) entfernt. Kaum mehr ist die Hand vor den Augen zu erkennen.

Es wird rasch beschlossen, kein Risiko einzugehen und so kurz vor dem ersehnten Ziel umzukehren. Nach Möglichkeit Sichtkontakt mit dem Vordermann haltend, steigt man rasch ab. Nach kurzer Zeit bessert sich die Sicht; nur der Gletscher unter dem Gipfel ist nach wie vor unsichtbar. Obwohl der Gipfel nicht erreicht wurde, sind alle zufrieden. Es hat sich gezeigt, dass es eine gute Teamarbeit war und unter normalen Umständen ein Gipfelsieg möglich gewesen wäre. Außerdem, der Weg ist das Ziel und es war für alle Beteiligten ein tolles Erlebnis. Noch in der Hütte wird davon geredet, irgendwann zum Popocatepetl zurückzukehren und den Gipfel zu erobern. Leider ist es damit bis heute nichts geworden, da der Vulkan seine Aktivität wieder aufgenommen hat und der Berg nach einigen Unfällen für alle Aktivitäten gesperrt wurde. Nächstes Reiseziel ist Merida auf der Halbinsel Yucatan. Ehe es zu den Höhlen und an die Karibikküste geht, lohnt ein Abstecher zu den kulturellen Highlights der Mayakultur. Chichen Itza und Uxmal sind die Höhepunkte jeder Yucatan-Rundreise und fehlen in keinem Reiseprogramm. Welch Unterschied zum Hochland von Mexico City! Die Halbinsel liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und ist vom Dschungel bedeckt.

Man benötigt mehrere Tage, um die Stadt Merida und die Ruinen der beiden Maya-Städte zu besichtigen. Wenige Stunden Autofahrt sind es bis Cancun, dem Hauptort der mexikanischen Karibikküste. Blendend weisse Sandstrände, blaues Wasser, Sonnenschein und ein reges Nachtleben. Cancun ist das Mekka der Nachtschwärmer und Sonnenanbeter. Jedoch eine Viertelstunde außerhalb der Stadt umfängt einen die Einsamkeit des tropischen Dschungels. Viele Ruinen der Mayas liegen in diesem Dschungel. Aber es gibt noch etwas anderes - die Cenoten, heilige Brunnen der Mayas. Unter der gesamten Halbinsel Yucatan befindet sich ein weitverzweigtes Höhlensystem, das durch diese Brunnen manchmal mit dem Tageslicht verbunden ist. Seit Urzeiten ballt sich das Leben um diese Wasserreservoirs. Es ist das Reich Chacs, des Wassergottes der Maya. Bereits vor den Indianern waren die Cenoten Lebensraum für Säugetiere, Vögel und Reptilien.

Vergessen sind die Strapazen der Bergtour und die Vorfreude auf neue Erlebnisse läßt den Blutdruck steigen. Gar nicht weit von Cancun entfernt sind diese Cenoten, die so malerische Namen wie "Temple of Doom" , Skeleton Cenote oder Mayan Blue tragen. Höhlentauchen ist eine extrem gefährliche Beschäftigung. Es erfordert eine fundierte Ausbildung, gute Nerven und vor allem die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten. Leichtsinn und Selbstüberschätzung könnten hier fatale Folgen haben. Obwohl, es gibt alle Schwierigkeitsgrade, geeignet vom Schnorchler bis zum exzessiven Höhlentaucher. Man klettert vorsichtig ins Wasser und genießt die angenehme Temperatur, während man stetig absteigt in das Dunkel der Kalksteinhöhle. Immer kleiner wird der helle Punkt des Einstieges, denn das Sonnenlicht reicht nicht weit. Das Licht der Lampe reisst Felsformationen aus der ewigen Finsternis, ebenso wie versteinerte Bäume und Stalaktiten. Instinktiv versucht man, immer den Lichtpunkt des Einstieges im Auge zu behalten, während man fasziniert durch diese Unterwasserwelt schwebt. Es wird keine große Tiefe erreicht, deswegen kann man die zur Verfügung stehende Preßluft ausnützen und diese Traumwelt lange erkunden. Unbeschreiblich ist das Gefühl, nach dem Ausflug in das Reich Chacs wieder an die Oberfläche zu kommen und die Sonnenstrahlen im Gesicht zu fühlen.

Zum Erholen kann man die letzten Tage an der Karibikküste verbringen. Der Blick vom Balkon fällt auf die gegenüberliegende Fraueninsel, die "Isla Mujeres" . Angenehme Müdigkeit überfällt die Reisenden, niemand kann sich entscheiden: Soll man nun von der faszinierenden Unterwasserwelt oder von den eisbedeckten Gipfeln Mexikos träumen ?

« zurück zu den Reiseberichten



Fotoalben aus dieser Region:

Mexiko zum Tag der Toten 2011

Alle Reiseberichte aus dieser Region: