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KOLUMBIEN


Tauchen im Land des "Kaffees"

Ein Reisebericht von Erich Rohaczek


Vielleicht hätte ich diese Reise ohne ortskundige Bekannte nie unternommen, aber es hatte sich durch meinen Tauchkollegen Gerhard sowie seiner lieben Frau Fabiola, welche "Kolumbianerin" ist, zum Glück so ergeben:

Freundlichst werden wir am Flughafen von Bogotá , welcher auf einer Höhe von fast 2.700 m liegt, empfangen. Unser Tauch-Equipment haben wir natürlich mit, denn geborgte Sachen sind nicht immer im besten Zustand. Der Aufenthalt in der Hauptstadt Kolumbiens ist nur vorübergehend, da die Möglichkeit eines Direktfluges nach "Santa Marta" unseres eigentlichen Zieles nicht möglich war. Beim Besuch von Verwandten, wird mir das erstemal bewusst, in einem nicht ganz ungefährlichen Land zu sein. Vergitterte Fenster, ein Wächter mit scharfen Hund sowie eine Alarmanlage, sind in den noblen Wohngegenden Standard. In der Stadt sind am Abend bewaffnete Polizisten mit scharfen Hunden präsent. Ich bin froh in Begleitung von Ortskundigen zu sein, welche bewusst bestimmte Stadtviertel meiden. Besonders um den Süden der Metropole befindet sich ein ständig wachsender Gürtel aus Slums, hingegen im Norden eher die Reichen wohnen.

Beim Anblick einiger bettelnder Kinder vor den noblen Geschäften, wird einem die große Kluft zwischen Arm und Reich voll bewusst. Wir besuchen den geschichtlich bedeutsamen Platz "Plaza Bolivar" wo sich das Rathaus, die Kathedrale sowie der Justizpalast (welcher bei einem Guerillaangriff zerstört wurde), befinden. Die Fahrt ins "Centro Internacional" mit einem Bus erweist sicher als sehr praktisch, da man zum stoppen des Busses nur einen Knopf über der Tür zu betätigen braucht. Nach dem Besuch vom Geschäftsviertel sowie des sehr interessanten Archäologischen Museums, nutzten wir die letzten Tage um nach "Zipaquira" ca. 42 m nördlich von Bogotá zu kommen. Die eigentliche Attraktion ist hier das Salzbergwerk in welchem eine Kathedrale aus Salz gehauen wurde. Den vorletzten Tag nutzen wir noch um den kleinen See von "Guatavita" in der Nähe des Stausees von Tominè zu besuchen. Dieser See ist auf Grund einer Legende des "El Dorado" (Goldener Mann) berühmt geworden. Auf dem Grund dieses kreisrunden Sees, soll sich angeblich ein wertvoller Schatz befinden.

Der Mythos berichtet von einem Häuptling, welcher sich mit harzigem Öl einreiben und mit purem Goldstaub bedecken lies, danach auf einem Floß in die Mitte dieses Kratersees fuhr, und dann den Goldstaub wider abwusch. Seither wurde oftmals versucht diesen vermeintlichen Schatz zu heben, doch ohne Erfolg. 1912 wurde der See von Engländern sogar abgepumpt, wodurch jedoch der schlammige Untergrund zu einer zementartigen Masse erstarrte, und die Kosten den Fundwert um ein vielfaches überstiegen. Der Krater füllte sich bald wieder mit Wasser und das Geheimnis blieb im See verborgen.

Die Sicht war gut, als wir bei schönstem Flugwetter das Gebirgsmassiv der Sierra Nevada de Santa Marta überquerten. Mächtig zeichnet sich die Spitze des 5.775 Meter hohen Berges "Pico Cristóbal Colón" ab, und kurze Zeit später schwenkt der Flieger über das strahlend tiefblaue Karibische Meer hinaus, um zum Landeanflug in "Santa Mata" anzusetzen. Warmfeuchte Luft empfängt uns, was ich nach den kühlen Tagen in Bogotá als äußerst angenehm empfinde. Am Abend treffen wir "Nemo" einen Tauchlehrer und Freund der Familie, in seinem kleinem Haus am Rande der Stadt zu einem "Briefing" . Dabei handelt es sich um eine Vorbesprechung des Tauchganges für den nächsten Tag. Die Wand im Hintergrund ziert das mächtiges Gebiss eines Tigerhaies, welcher angeblich die respektable Länge von 8 Meter hatte. Laut Nemo hätte er ihn gleich in Strandnähe im Nahbereich des Flughafen gefangen. Nach systematischer Absprache der Tauchgänge, wird auch die Möglichkeit eines Wracktauchganges als Abschluss besprochen.

Ein letzter Check der Ausrüstung - Regler, Tauchcomputer sowie den Druck der Pressluftflaschen "210 bar" - alles OK. Wir fahren mit einem kleinen Motorboot zur Bucht von "Gairaca". Eine Muräne und ein Kugelfisch sind ersten Meeresbewohner die wir erblicken. 25 Meter Tiefe, klare Sicht und keine Komplikationen somit ein perfekter Tauchgang. Nach einer Tauchpause von 2 Stunden, welche wir auf einem wunderschönen Sandstrand verbringen, starten wir zum zweiten Tauchgang. Da wir diesen etwas außerhalb der Bucht absolvieren, kommt es nun zu einem sehr starken Wellengang. Das Boot beginnt sich mit Wasser zu füllen und die ersten Anzeichen einer Seekrankheit machen sich bei einigen bemerkbar. Als ich abtauche ist nicht das Geringste von der unruhigen See ober mir zu merken, faszinierend. Der Tiefenmesser zeigt auf 21 Meter, da bemerke ich eine Trompetenfisch welcher lustig durch die Strömung treibt. Unter mir sehe ich Ermann den Bruder Fabiolas welcher gerade eine Languste entdeckt, und diese mit seiner Harpune jagt. Mich fasziniert jedoch nicht die Jagd, sondern diese eigene Welt in ihren prächtigen Farben zu fotografieren. Im Licht einer starken Lampe erstrahlen Korallen und Fische ihn ihrer Farbenpracht.

Das Finimeter zeigt 60 bar, es ist Zeit aufzutauchen und diese faszinierende Welt wieder zu verlassen. Am Abend haben wird das Vergnügen den Meeresbiologen und Autor zahlreicher Bücher "M. Buhla" zu besuchen, welcher ein guter Freund der Familien ist. Er erzählt uns von seinen abenteuerlichen Tauchgängen sowie von einem Tauchunfall, welchen er fast mit seinem Leben bezahlt hätte. Bei einer Fotoreportage für ein Buch, tauchte er einmal stark am Limit (d.h. knapp über der erlaubten Tauchzeit). Beim Aufstieg suchte er die Reserveflaschen welche in einer tiefe von 5 Meter hängen, diese braucht er für die Dekompressionsphase - zum Abbau der Stickstoffanreicherung im Blut. Er konnten sie jedoch nicht finden, da er auf Grund einer Strömung zu weit abgetrieben war. So musste er vorzeitig auftauchen, was bei ihm kurze Zeit später die berühmte Taucherkrankheit auslöste, auf Grund der Stickstoffanreicherung. Obwohl er sofort behandelt wurde, zeigten sich bereits Lähmungserscheinungen welche erst nach einem halben Jahr wieder besser wurden. Das oberste Gebot beim Tauchen ist die Sicherheit, dass sollte einem immer bewusst sein. Nach weiteren zwei wundervollen Tauchtagen machte uns Fabiola den Vorschlag die Kaffeeplantage ihrer Eltern zu besuchen. Mit einem Jeep geht die Fahrt zuerst auf Asphaltstraßen, danach auf holprigen unbefestigten Wegen bergauf. Wir kommen durch einen kleinen Ort mit wild aussehenden Häusern und verlassen danach die Zivilisation.

Die Temperatur klettert auf 35 Grad plus - endlich auf 900 Höhenmeter, nachdem wir einen Fluss über einer Hängebrücke überqueren, erreichen wir endlich die Farm (Plantage). Etwa 10 - 14 Personen sind das ganze Jahr über auf der Farm, wenn jedoch die Erntezeit beginnt kommen noch ca. 100 Saisonarbeitern dazu. Einige Meter höher liegt das Herrschaftshaus das zu dieser Zeit unbewohnt ist, es wird uns jedoch geraten hier nicht zu übernachten, denn Überfälle sowie Entführungen von Guerillas (Partisanen) sind keine Seltenheit. So bleibt uns wenig Zeit, denn die Kaffeeplantage selbst liegt noch 600 Meter höher. Neben einem feuchten Bachbeet finden wir eine Schlangenhaut sowie einige größere Spinnenarten. Eine scheue Korallenschlange sowie einen winzigen Kolibri können wir ebenfalls beobachten. Der Weg wird steiler und große farbenprächtige Schmetterlinge begleiten uns, wobei manche sogar kurz auf unserer salzhaltigen Haut landen. Endlich die ersten Kaffeebäume zeigen sich am Wegesrand, wir sind da. Ein Kaffeebaum trägt nach etwa fünf Jahren die erste volle Ernte und produziert danach regelmäßig 15 bis 20 Jahre lang Früchte. Die Bohnen werden von Hand geerntet dann in einem Wasserbad aufgeweicht, um danach ihr Fruchtfleisch zu entfernen. Bis zur röstfrischen Bohne ist es jedoch noch ein weiter Weg, wie uns der Aufseher der Farm erklärt. Die Dämmerung bricht langsam herein und so verabschieden wir uns von den freundlichen Leuten und machen uns auf die Rückreise.

Als Abschluss unserer Tauchreise planten wir noch einen Wracktauchgang zur Inkainka, ein Wrack welches in 30 Meter Tiefe in Hafennähe von Santa Marta liegt. Die Gefährlichkeit beim Wracktauchen liegt dabei, sich im Wrack zu verirren oder irgendwo hänge zu bleiben, und dadurch die vorgegeben Tauchzeit zu überschreiten. Bei schönstem Wetter tuckern wir mit einem kleinen Boot hinaus das "GBS" ortet die Position und an einer Ankerkette welche sich am Wrack verhakt wird dann abgetaucht. 10 Meter, 18 Meter Tiefe es wird dunkler, plötzlich zeichnen sich verschwommen die Umrisse des Wracks ab - 80 Meter Länge und eine Höhe von fast 8 Meter. Beeindruckt schwimmen ich zu einem Bullauge und leuchte hinein, ein Schwarm Fische schwimmt verschreckt davon. Die Bordwände sind bereits teilweise mit Korallen bewachsen welche rötlich im Schein der Lampe leuchten. Der schlangenartige Kopf einer Muräne taucht plötzlich neugierig aus einer Spalte, sie hat anscheinend sowie ein Kofferfisch der verschreckt davonschwimmt, hier ihr zu Hause gefunden. Ein Blick auf den Tauchcomputer sagt mir, es wird Zeit aufzutauchen , denn je tiefer umso kürzer ist die verbleibende Tauchzeit.

Langsam beginnen wir an der Ankerkette aufzutauchen, wobei in 5 Meter tiefe ein Sicherheitsstopp eingehalten wird. Plötzlich bemerke ich einen Schatten neben mir, als ich mich umdrehe sehe ich einen riesigen Barrakuda fast 2 Meter groß blitzschnell wegschwimmen. Anscheinend wurde er durch das glitzern der Taucherlampe angelockt. Diese einsamen Jäger sind dafür bekannt andere Fische blitzschnell anzugreifen, ein Stück herauszureißen und danach wider genauso schnell wegzuschwimmen, deshalb werden sie auch von Schwimmer sehr gefürchtet. Dieses Verhalten zeigen jedoch nur die großen Einzelgänger, hingen die kleineren Pfeilhechte - wie sie auch genannte werden, eher nur in Schwärmen mit weniger Angriffslust auftreten.

Beim Verlassen Kolumbiens, sagte einer meiner Freunde noch, dass dieses Land doch nicht so gefährlich wäre, wie man immer sagte. Ein Jahr später wurde der Bruder Fabiolas entführt und erst nach Bezahlung von Lösegeld wieder freigelassen. Etwa zwei Jahre später wurden die Nachbarn der Kaffeeplantage ihrer Eltern von Guerillas erschossen, welche auch am Drogengeschäft Kolumbiens beteiligt sind. Heute bin ich sehr dankbar, das Land des Kaffees mit Hilfe Fabiolas und Ihrer Familie, näher kennen gelernt zu haben.

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  • 11 2018 / Kolumbien

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