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AMAZONAS


Abenteuer im brasilianischen Regenwald

Reisebericht von Erich Rohaczek und Fred Vnoucek


Ein Lichtermeer empfängt uns beim Landeanflug auf Rio de Janeiro. Nicht umsonst wird Rio unter die schönsten Städte der Welt gereiht. Wir besuchen Sehenswürdigkeiten wie den Corcovado, den Zuckerhut sowie das größte Fussballstadion der Erde: das Maracana - Stadion. Ein Spaziergang am berühmten Copacabana-Strand bildet den Abschluß unseres Kurzbesuches. Schon sitzen wir wieder im Flugzeug, am Weg zum Dreiländereck der Staaten Paraguay, Argentinien und Brasilien.

Dort liegen die weltberühmten Iguassu-Wasserfälle, in einem Atemzug zu nennen mit den Victoria Fällen in Afrika und den Niagara-Fällen in Nordamerika. Eine Übernachtung im berühmten Hotel "Das Cataratas", direkt bei den Fällen gelegen, sowie der Besuch der gewaltigen Wasserfälle bleiben unvergeßlich. Wir erforschen sowohl die brasilianische als auch die argentinische Seite des Parana-Flusses. Während eines Marsches durch den Dschungel hat das "Adlerauge" unseres einheimischen Führers einen Tucan entdeckt, welcher am obersten Ast eines Baumes in diesem Moment seine Flügel ausbreitet und mit seinem langen Schnabel einen eigenartigen Anblick bietet. Auf Erkundungstour in der Nähe der Wasserfälle mit einem Boot entdecken wir im Uferbereich die Spuren eines Jaguars. Es gibt sie also doch noch, aber durch ihre große Scheu bekommt man kaum je eine der großen Raubkatzen zu Gesicht. Die Wasserfälle selbst sind ein Erlebnis für sich, wir haben alle drei Möglichkeiten der Besichtigung ausgekostet. Zu Fuß auf Brücken und Stegen, mit dem Helikopter aus der Luft, sowie mit dem Boot auf dem Wasser. Der letzte Tag endet mit einer Besichtigung des größten Wasserkraftwerkes der Erde – Itaipu. Das ist ein Indianerwort und bedeutet "Singender Stein".

Unser Abenteuer beginnt dann so richtig bei der Landung an unserem eigentlichen Ziel - in Manaus, der Hauptstadt des Amazonasgebietes. Nach mehreren Stunden Flugzeit blicke ich aus dem Fenster und erkenne nichts - nur Nebel. Ich beginne die Höhe zu schätzen, denn nach Flugplan müßten wir jeden Moment landen. Meine Reisekameraden schlafen, plötzlich ein Krachen, es drückt uns in die Sitze, alle sind plötzlich wach und wir sehen uns erschrocken an. Das war die Landung, so hoffen alle. Und dass es das Fahrwerk ohne Schaden überstanden hat. Nachdem wir gelandet waren, wurde der Flughafen Manaus für den Rest des Tages gesperrt. Nebel sowie über 90% Luftfeuchtigkeit sind in dieser Gegend keine Seltenheit. Wir fahren mit Pedro, unserem Chauffeur, in einem alten Bus in die Hauptstadt. Die Häuser von Manaus sind großteils Pfahlbauten, da der unberechenbare Fluß zur Regenzeit immer wieder an Breite zunimmt, stellenweise bis zu dreizehn Kilometer, und somit dem überschwemmten Land ein neues Aussehen gibt. Die erste Nacht verbringen wir im Hotel Tropical. Der dazugehörende Tierpark gibt einen ersten Eindruck über die Vielfalt der Tierwelt am Amazonas. Die Zeit im April ist gut für eine Reise am Fluß, da jetzt der Wasserstand noch ziemlich hoch ist und somit die Möglichkeit besteht, mit einem Boot an entlegene Stellen zu kommen. Unser Gepäck deponieren wir in einer bewachten Station, denn Diebstahl ist leider keine Seltenheit und Vorsicht somit oberstes Gebot.

Die Zeit erlaubt uns noch eine Besichtigung des berühmten Opernhauses „Teatro Amazonas“, welches 1896 der Pariser Oper nachgebaut wurde. Man fühlt sich bei diesem Anblick zurückversetzt in die Zeit der Kautschukbarone, wo sich dieses Land noch gewissen Luxus leisten konnte. Wir fahren an alten Villen, welche teilweise von reichen Geschäftsleuten bewohnt werden, vorbei. In diesem Moment wird uns die große Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land einmal mehr bewußt. Die teilweise baufälligen Holzpfahlbauten, wo Wäsche zum Trocknen davor hängt und die Kinder verschmutzt auf der Straße spielen, das ist die ‚andere‘ Seite. Wir kommen am Hafen an, nun geht es wirklich los. Ein kleines überdachtes Boot soll uns auf einem Seitenarm des Amazonas zu einer Dschungellodge bringen. Der Bootsmann zeigt uns seine brasilianische Gleichgültigkeit und läßt einen unserer kleinen Gruppe, der ein Schiffahrtspatent besitzt, ans Steuer. Er weist noch die Richtung, setzt sich in einen Winkel des Bootes, zieht seinen Hut in die Stirn und sagt ein kleines Schläfchen an. Nach einer Stunde wecken wir ihn wieder, wir kommen zum Zusammenfluß des Rio Negro mit dem Rio Solimos, eigentlich erst ab dort heisst der Fluß Amazonas. Die verschiedenen Farben des Wassers der beiden Flüsse, gelb und braun, scheinen sich eine Zeitlang nicht zu vermischen, wir sind hier beim sogenannten ‚Meeting of the waters‘. Plötzlich taucht ein rosafarbener Amazonas-Delphin mit einem Sprung aus den Fluten. Für ein Foto war er leider zu schnell, denn das trübe Wasser läßt keine Umrisse erkennen.

Der Himmel verfinstert sich durch dunkle Regenwolken, wir beginnen das Boot mit Planen seitlich vom Dach herab zu verdecken. Innerhalb kürzester Zeit bricht ein wolkenbruchartiger Schauer über uns herein. Die Wassermassen eines tropischen Gewitters übersteigen jede Vorstellungskraft. Jedoch, so schnell wie das Gewitter gekommen ist, ist es auch wieder weg. Die Sonne bricht durch die Wolkendecke und zeigt sofort ihre Kräfte. Wir steuern nun einen weiteren Seitenarm des Amazonas an, dieser Abzweiger den wir jetzt befahren, wird in einigen Wochen nicht mehr vorhanden sein. Das Überschwemmungsgebiet zeigt uns hier sein Gesicht, von Baumriesen ist meist nur die Hälfte zu sehen und von kleineren Bäumen sind manchmal nur mehr die Wipfel sichtbar. Ich schaue über mich, und entdecke in den Ästen die kunstvoll herabhängenden Nester von Webervögeln. Ein Geier startet in diesem Moment von einem Baum und beginnt seine Kreise über uns zu ziehen. Der Dschungel wir nun immer dichter und uns wird bewußt, daß wir hier normalerweise zu Fuß unterwegs sein müßten, und nur das Hochwasser eine Befahrung möglich macht. Der Landesteg kommt in Sicht, zugleich beginnt es auch wieder zu regnen. Wer bis jetzt nicht naß wurde ist es nun endgültig. Der Weg ist morastig und eng, aber glücklicherweise taucht bereits nach fünf Minuten hinter Baumriesen die Amazon-Lodge auf. Wir werden von zwei bunten Aras und einem Tucan empfangen, welcher mit seinem großen Schnabel zur Inspektion um uns herum spaziert. Nach einem Caipirinha (ein sehr alkoholischer Zuckerrohrschnaps) als Begrüßungsdrink, bekommen wir unsere Schlafunterkunft zugewiesen. Ein Holzpfahlbau mit Fliegengittern versehen, bietet gewisse Sicherheit vor Schlangen und Moskitos. Elektrischen Strom gibt es keinen, Karbid- und Taschenlampen geben Licht. Eine alte Gießkanne dient als Dusche. Die Geräusche des nächtlichen Dschungels bringen mich bald in den wohlverdienten Schlaf.

Nach einem kräftigen Frühstück begeben wir uns auf die erste Erkundungstour. Ich besteige das Boot und traue meinen Augen nicht, als plötzlich eine Schlange über das Wasser schwimmt. Rico, unser Guide, beruhigt mich, er meint das sei nur eine ungiftige Boa und hier keine Seltenheit. Schlangen kann man hier ebenso wie Vogelspinnen überall begegnen. Eine Spinne wurde uns in einem Glasbehälter gezeigt und danach wieder freigelassen. Sie war hinter einer Flasche Whisky in der Hausbar versteckt. Die Giftschlangen, die rund um die Lodge gefangen wurden, sind fein säuberlich in Reagenzgläsern, ungefähr zwanzig Stück an der Zahl, hinter der Bar aufgestellt.

Rico führt uns mit dem Boot zu einer Stelle, von der aus man gut in den Dschungel vordringen kann. Ein schmaler Weg, teilweise verwachsen, aber mit einer Machete voran kein Problem, bringt uns in entlegene Regionen. Rico zeigt uns, wie man notfalls ohne Proviant überleben könnte, mit Dingen die einem der Dschungel bietet. Ein Palmenherz wird mit einigen gekonnten Hieben der Machete freigelegt und an uns zum Essen verteilt. Es schmeckt wirklich nicht schlecht ! Die Flüssigkeit dazu gibt es aus einem Bambusrohr, welches abgeschlagen wird, und mit einiger Geduld tropfenweise Flüssigkeit abgibt. Im Spalt eines alten Baumes entdecken wir etwas haariges, das sich noch dazu bewegt. Rico nimmt ein kleines Stück Holz und beginnt vorsichtig in den Spalt zu stochern. Es ist eine Vogelspinne die sich gestört in Angriffsstellung begibt. Vorsicht ist nun geboten, denn kleinere Distanzen könnte sie springend überwinden, ihre Haare an den Beinen können nesseln und zu Infektionen führen. Andere Tiere zu entdecken ist hier wirklich schwer, da die meisten relativ klein und sehr scheu sind. Von ungefähr zweihundert bekannten Schlangenarten sind die meisten giftig, deshalb verhalten wir uns nicht zu leise, um keine plötzlich zu überraschen. Doch Schlangen nehmen schon kleinste Vibrationen war und flüchten rechtzeitig, deshalb ist die Gefahr einer Begegnung eher gering. Beim Anblick der riesigen Urwaldbäume wird uns wieder bewußt, da wir uns hier im größten zusammenhängenden Waldgebiet der Erde befinden. Rico erzählt uns von den rücksichtslosen Rodungen der Urwaldriesen, seit der Siedlungsoffensive 1970 fallen jährlich Millionen Bäume auf einem Gebiet von hunderttausend Quadratkilometern zum Opfer.

Wieder auf unserem Boot angelangt, fahren wir nun zu einem ganz besonderen Erlebnis: auf Besuch in ein Indianerdorf. Die meist lächelnden Leute nehmen uns gastfreundlich auf, und bieten uns Früchte sowie einen speziellen weißen alkoholischen Drink an. Die Kinder freuen sich besonders über kleine bescheiden Geschenke wie Jo-Jo oder Kugelschreiber. Die Zufriedenheit die diese Menschen ausstrahlen ist faszinierend, man merkt mit welch einfachen Dingen man auch zufrieden sein kann. Die Dämmerung setzt ein, wir machen uns auf die Rückreise zu unserer Lodge. Ein imposantes Schauspiel zeigt sich uns, als die Sonne als roter Ball am Horizont des Flusses versinkt, ein weiterer unvergeßlicher Augenblick.

Am nächsten Morgen hat Rico eine Überraschung für uns. Wir werden zum Angeln eingeladen. Die Beute sollen Piranhas sein, die berüchtigten Raubfische des Amazonas. Wir steuern unser Boot in einen dicht bewachsenen Uferbereich des Flusses. Unsere Angelschnur besteht aus Stahldraht, alles andere würde dem Gebiß der Piranhas nicht stand halten. Wir befestigten kleine Fleischstücke am Haken. Schon hängen unsere improvisierten Angeln im Wasser. Bereits nach kurzer Zeit zupft es leicht an der Schnur. Zu unserer Verwunderung ist das Fleisch bereits vom Haken gefressen. Unser Bootsmann hat als erster Glück und zieht mit gekonntem Ruck einen um sich zappelnden Piranha heraus. Der Fisch wird in eine Wasserwanne im Bootsboden gelegt. Es wird uns erklärt, daß der Piranha einige Zeit auch außerhalb des Wassers leben kann, deshalb ist beim Transport Vorsicht angeraten. So manche Hand hat schon schlimme Verletzungen von den rasiermesserscharfen Zähnen davongetragen. Nachdem wir fünf Stück gefangen haben ist das Mittagessen gerettet. Der Piranha zählt in Brasilien als delikater Speisefisch, wir können das nun bestätigen. Überraschenderweise nahm Rico in der Nähe des Fangplatzes noch ein Bad, und demonstrierte uns damit, daß die Gefährlichkeit bei richtigen Verhalten nicht so hoch ist, wie in Schauerfilmen im allgemeinen dargestellt wird.

Dieser Tag sollte am Abend jedoch noch nicht zu Ende sein, ein besonderes nächtliches Erlebnis wir uns diesmal geboten. Wir fahren mit dem Boot in die Finsternis hinaus und Rico zeigt mit dem Strahl seiner Taschenlampe auf eine Stelle in der Dunkelheit. Wir sehen zwei leuchtende Punkte. Es sind die Augen einer Schlange, die auf einem Ast verweilt. Als wir in die Nähe kommen, verschwindet sie jedoch schnell im Wasser. Die Sterne leuchten über uns, vor uns sehen wir mehrere rötliche Lichtpunkte über das Wasser wandern. Das Leuchten der Augen wird durch Reflexionen des Lichtes auf der Netzhaut bewirkt. Diesmal sind es die Augen von Krokodilen, brasilianischen Kaimanen. Ganz leise und vorsichtig nähern wir uns einem Augenpaar. Blitzschnell greift Rico mit seiner Hand ins Wasser und hält plötzlich einen kleineren Kaiman am Nacken fest. Dieser, erklärt er uns, kann auch schon sehr gefährlich sein, denn seine Zähne sind äußerst scharf und im Wasser ist er sehr schnell. Aus dem Wasser genommen, verharrt das Tier jedoch in einem reglosem Zustand. Der Kaiman hatte im gleichen Moment, als in Rico gepackt hat, seinerseits einen Frosch gefangen. Diesen hält er im Maul. Wir machen einige Fotos und danach wird er wieder im Wasser ausgesetzt, wir sind keine Jäger, höchstens mit der Kamera! Außerdem hat auch ein Kaiman Anspruch auf ein ungestörtes Abendessen! Für die meisten der Urwaldtiere beginnt nun erst die Jagdzeit. Begleitet von den Geräuschen des nächtlichen Urwaldes, um die relative Sicherheit der Lodge wissend, schlafen wir bald ein. Jeder von uns träumt von den Tieren und der ungebändigten Natur am Amazonasfluß.

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  • 16.05. - 30.05.2018 / Wunderbares Brasilien

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