zu den Studienreisen zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Tauchreisen zu den Special Event Reisen

« zurück zu den Reiseberichten

GALAPAGOS - Kreuzfahrt


Text: Dr.Johannes Reinisch, Fotos: Fred Vnoucek


Als ich vom Schiff ins drei Meter tiefe Wasser sprang um zu schnorcheln, schoß plötzlich ein schwarzer Schatten auf mich zu. Ein Hai dachte ich sofort, und erlebte den ersten Adrenalinstoß am heutigen Tag. Doch als der vermutliche Haifisch knapp vor mir abtauchte, und mich dabei mit runden schwarzen Augen neugierig anstarrte, löste sich meine Anspannung: Es handelte sich um einen einjährigen Seelöwen, der verspielt im Wasser seine Runden zog.

Ich schwamm beruhigt weiter, Richtung Felsenküste und konnte aus nächster Nähe einen amerikanischen Graureiher, einige Blaufußtölpel und nebeneinander auf einem Felsen hockend, drei Galapagos Pinguine beobachten. Später sahen wir andere Vögel auch vom kleinen Beiboot aus und auf den Landgängen, mit Maske und Schnorchel war es jedoch unmittelbarer. Wir waren nun schon 3 Tage auf den "verzauberten Inseln" unterwegs, den Galapagos Inseln. Den exotischen Namen erhielten sie vom amerikanischen Schriftsteller Hermann Melville, der 1841 die Inseln besuchte und neben dem bekannten Werk Moby Dick auch das Buch "The Encantadas" (die Verwunschenen) über die Galapagos Inseln schrieb.

Riesenschildkröte Der heutige Name leitet sich von den dort (noch) lebenden Riesen - Landschildkröten (span.galapagos) ab.

Ansonsten wurde das knapp 8000 Quadratkilometer große Inselarchipel oft von Abenteurern, Walfängern und Wissenschaftern angelaufen. Der bekannteste Wissenschafter war zweifellos Charles Darwin, der als 22-jähriger 5 Wochen auf den Galapagos Inseln verbrachte. Er entdeckte, daß sich Flora und Fauna durch die Isolation vom Festland (die Küste Ecuadors ist 1000 Kilometer entfernt) im Laufe von Jahrmillionen teilweise verändert haben mußte und neue Tier- und Pflanzenarten und -formen entstanden waren. Die auf den Inseln gewonnenen Erkenntnisse waren Grundlage für seine später entwickelte Evolutionstheorie über den ständigen Veränderungs- und Selektionsprozess der Arten.

Die interessanteste Art, die Inseln zu besuchen, ist mit kleinen und mittleren Hochseejachten für 8 - 20 Passagiere. Anreise per Flugzeug erfolgt von der Hafenstadt Guayaquil in Ecuador auf die beiden, mit Flughäfen versehenen Inseln Baltra oder San Christobal. Dort liegen die Schiffe vor Anker und dort beginnen die mehrtägigen bis mehrwöchigen Kreuzfahrten zu den verschiedenen Inseln. Um die Faszination der Tierwelt richtig zu erleben sollte mindestens eine 7-tägige Kreuzfahrt unternommen werden. Gegessen und geschlafen wird am Schiff, doch man hat täglich mindestens zweimal festen Boden unter den Füßen bei den Landgängen. Ein Landgang spielt sich im allgemeinen folgendermaßen ab: Am Vortag wird nach dem Abendessen an Bord bekanntgegeben, welche Inseln am nächsten Tag angelaufen werden, wobei die Gesamtroute bereits vorgegeben ist. Normalerweise ist ein Inselbesuch am Vormittag und einer am Nachmittag geplant, je nach Route. Der Landeplatz wird besprochen, ob es sich um eine "naße" oder um eine "trockene" Landung handelt; das bedeutet entweder vom Beiboot aus barfuß ins seichte Wasser zu springen oder über einen Landungssteg oder Felsen "trockenen Fußes" an Land zu gehen. Außerdem wird erörtert, ob anschließend vom Boot oder vom Strand aus geschwommen oder geschnorchelt wird und welches Schuhwerk beim Landgang verwendet wird. Bei dieser Besprechung wird bereits auf Vegetations- und Tierformen eingegangen. Anschließend schmökern noch die meisten Teilnehmer in ihren eigenen Galapagos Büchern, und so sind alle gut vorbereitet für den nächsten Tag.

Jeder Landgang ist eine kleine Sensation: anfangs bin ich die Furchtlosigkeit der Tiere nicht gewöhnt. Seelöwenweibchen blinzeln träge in der Sonne im Sand, wenn die Jungen an den Zehen der Besucher schnüffeln. Spottdrosseln zupfen mit spitzen Schnäbeln an Fäden der Fototaschen oder setzen sich auf die Hüte der Teilnehmer.

Schwarze Meerechse Schwarze Meerechsen mit Rückenkamm und rötlicher Zeichnung sitzen auf- und übereinander am Felsen und wärmen sich in der Sonne.

Jede Insel hat ihre eigene Tier- und Pflanzenwelt. Da gibt es die bis zu über einen Meter langen Landleguane auf den Inseln Süd Plazas und Santa Fe, die putzigen Rotfuß- und Maskentölpel auf der Insel Genovesa, Binden- und Prachtfregattvögel auf Genovesa und Nord Seymour, die lustigen Albatrosse mit ihren Startrampen über den Klippen und Landebahnen auf der Insel Espanola, rötliche Flamingos, Wellenläufer, Sturmtaucher, Sumpfohreulen, Galapagos-Bussarde, Gabelschwanz- und Lavamöwen, 13 Finkenarten, Goldwaldsänger, im Hochland den blutroten Rubintyrann und viele weitere Arten.

Und da es den Galapagos Nationalpark seit dem Jahre 1959 gibt, und jedes Boot einen ausgebildeten National-Park Guide an Bord hat, der mit den Touristen die Inseln besucht, sehen die Tiere den Menschen nicht als Feind, nicht als Jäger, der sie als Nahrung betrachtet. Daher sind die Tiere furchtlos, aber keineswegs zahm. Das war nicht immer so: von den einst 14 Unterarten der Galapagos Landschildkröten existieren gegenwärtig nur mehr 11 Arten. 3 wurden in den letzten Jahrhunderten vom Menschen ausgerottet. Walfänger und Seefahrer erkannten, daß man die Riesenschildkröten ausgezeichnet als Quelle von Frischfleisch verwenden könnte. Umgedreht, auf dem Panzer liegend, wurden die Tiere tonnenweise in den Laderäumen der Schiffe gestapelt und bei Bedarf geschlachtet. Besonders als man herausfand, daß die Riesenschildkröten monatelang ohne Nahrung und Wasser auskommen konnten. Ähnliches galt auch für die grünen Wasserschildköten, deren Panzer ein begehrtes Handelsobjekt und die "ausgebuddelten" Eier eine begehrte Delikatesse waren.

1986 wurde die Galapagos Marine Resources Reserve gebildet, die die Wasserfläche zwischen den Inseln und eine umgebende 15 Meilen-Zone unter Naturschutz stellte. Ebenso wie auf den Inseln wird versucht, die verschiedenen Interessen wie Artenschutz, Tourismus und Fischerei durch eine spezielle Zonierung zu berücksichtigen.
Seit 1959 existiert auch die Charles Darwin Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz: Sie ist heute die wissenschaftliche Schaltzentrale auf Galapagos. Allg. Wissenschafter, Biologen und Zoologen aus aller Welt arbeiten an der speziellen Problematik des Lebensraumes der Tiere und Pflanzen auf den Inseln. Für Nationalparkführer werden Kurse und Schulungen , für Lehrer und Studenten Seminare abgehalten, wissenschaftliche Berichte werden veröffentlicht und Geldspenden organisiert. Der Forschungsstation ist es ebenfalls gelungen, einige vom Aussterben bedrohten Spezies zu retten, wie dies bei den Landschildkröten und Landleguanen der Fall war. Heute werden die Eier von kleinen Schildkröten-Populationen gesammelt und mittels Inkubatoren ausgebrütet. Die kleinen Schildkröten werden dann ab einer bestimmten Größe und einem Alter wieder auf den Inseln ausgesetzt.

Erfolge auf Galapagos hängen von den vorhandenen Geldmitteln für Forschungsprogramme, vom kontrollierten Tourismusstrom (zuviel würde die Inseln und die Tiere zu sehr belasten, zuwenig würde die Einnahmen - Nationalparkgebühr - reduzieren) und von der Natur (Meeresströmungen, Vulkanausbrüchen, etc. ) ab.
Denn wer die Galapagos Inseln besucht, muß sich bewußt sein, daß nicht der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern Tiere, Vegetation und dramatische Landschaftsformen. Sandstrände, Fels- und Lavaformationen, eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt, die in anderen Erdteilen bereits teilweise ausgestorben ist, kann hier noch auf "natürliche"Weise erlebt werden. Und genauso faszinierend wie die Welt auf Galapagos über Wasser ist, genauso spannend ist sie auch unter Wasser:
Hier einige Eintragungen aus dem Taucher-Tagebuch von Fred Vnoucek, der mit dem Naturfilmer Erich Pröll im Jahre 1995 einen Unterwasserfilm über Galapagos drehte: "...Ich sitze im Beiboot, ein Blick über die Schulter, die Wasseroberfläche ist frei. Ich lasse mich nach hinten fallen und schon schließt sich das Wasser über mir. Der Druckausgleich ist leicht und so kann ich rasch abtauchen. Zehn Kilo Blei um die Hüften erleichtern auch das Sinken beträchtlich. Erst wenige Minuten sind vergangen, der Tiefenmesser zeigt 12 Meter an. Plötzlich sehe ich dunkle Schatten um mich, ich befinde mich direkt in einem Rudel von Hammerhaien. Schemenhaft ziehen diese bis zu vier Meter langen Geschöpfe vorbei, scheinbar darauf bedacht, nicht zu nahe zu kommen. Bereits die durch das Ausatmen entstehenden Luftblasen könnten die Tiere erschrecken oder beunruhigen. Trotz der Schauergeschichten über Angriffe von Hammerhaien auf Taucher weicht sehr bald das beklemmende Gefühl dem der Faszination. Schwerelos ziehen diese Fische mit dem hammerförmigen Kopf ihre Runden. Ansammlungen von Hammerhaien, sogenannte Schulen von zehn bis zu hundert Stück, sind unter vielen anderen Beweggründen einer der Hauptpunkte, in diesen Gewässern rund um Galapagos zu tauchen. Es gibt eigene Spezialboote, die nur für Taucher konzipiert sind und die neben allen für das Tauchen notwendigen Einrichtungen auch Komfort und Erholung bieten.
Der Tiefenmesser pendelt sich bei zwanzig Metern ein; Tauchgänge gehen hier selten tiefer. Dadurch hat man auch wenig Probleme mit der Tauchzeit.

Riesenmanta Hier können Begegnungen mit Haien, Rochen, Wasserschildkröten, weiteren Groß- und Kleinfischen voll ausgeschöpft werden.

Vielleicht sieht man noch zusätzlich Meerechsen bei der Nahrungsaufnahme, oder Riesenmantas vorbeischweben. 45 Minuten sind bald vorüber und die Auftauch-Phase beginnt. Noch ein Sicherheitsstop auf fünf Metern, und die Wasseroberfläche hat mich wieder. Es ist ein gutes Gefühl, nach dem kommenden Landgang wieder eintauchen zu können, in diese faszinierende Welt unter Wasser ....."

Ähnlich wie auf dem Land zeigen die Tiere auch unter Wasser keine Scheu vor dem Menschen. "Close Encounters" mit Robben, Meerechsen, Wasserschildkröten, Rochen, Pinguinen und Haifischen gehören hier zur Tagesordnung. Allerdings sind die Galapagos Inseln keine Destination für den unerfahrenen Taucher. Unterwasserströmungen und schnell wechselnde Sichtverhältnisse erfordern Erfahrung und eine gute Tauchausbildung.
Ursache der Lebensvielfalt über und unter Wasser ist das Zusammentreffen von warmen und kalten Meeresströmungen. Diese Mischung bedingt ein sehr planktonreiches Wasser und schafft ein riesiges Nahrungsangebot für die Meerestiere. Begegnungen mit Haien sind häufig, Angriffe auf Taucher sind bisher ausgeblieben, das "lokale, heimische" Nahrungsangebot genügt ihnen. Auch die Tatsache, daß Haie nicht gejagt werden, trägt sicherlich einiges dazu bei. Schon Schnorchler können mit etwas Glück auf die harmlosen Weißspitzen-, Hundshaie, goldene Rochen, Adlerrochen, und Meeresschildkröten, neben einer Unmenge von anderen Tropenfischen treffen, für viele Anlaß nach dem ersten Galapagos Aufenthalt sich dem Tauchsport intensiver zu widmen.

Die Probleme des Naturschutzgebietes sind vielfältig: Abgesehen von den "Sünden" der Walfänger und Fischer im letzten Jahrhundert, haben die Siedler durch die eingeführten Haustiere vieles zerstört. Ziegen, Esel, Hunde, Katzen, Schweine, Rinder und Landratten konnten, einmal entlaufen oder freigelassen, sich ungehindert vermehren und schränken den Lebensraum einheimischer Tier- und Pflanzenarten immer weiter ein. Mit Abschußkampagnen versucht man die Zahlen einzudämmen oder zumindest zu stabilisieren. Diese Bemühungen kosten Geld für Jäger und Munition, sind mühsam, aufwendig und nicht ungefährlich, und so mancher Mitarbeiter ist in eine Lavaspalte gestürzt oder von einem verwilderten Stier angegriffen worden. Und wie schwierig es ist, durch Gift oder Fallen die eingeschleppten Hausratten zu vernichten, die eine große Gefahr u.a. für die Schildkröteneier bilden, ohne daß gleichzeitig andere Lebewesen zu Schaden kommen, ist evident.
Neben den Hauptinseln San Christobal und Santa Cruz sind auch Isabela und Santa Maria besiedelt. Die meisten Siedler sind Farmer. Auf Grund des Tourismusstromes kommen allerdings viele arbeitslose Festlandsbewohner von Ecuador auf die Inseln, die dann versuchen, im Tourismusgeschäft mitzumischen und sich als Kellner, Reinigungspersonal, Souvenirverkäufer oder Handwerker zu versuchen. Ein Zuzugsverbot existiert noch nicht.

Auch das illegale Fischen von Speisefischen und für den Export nach Japan bestimmte Seegurken bedrohen die natürliche Nahrungskette in den Gewässern rund um die Inseln. Ob allerdings die Verbote mit nur zwei Patrouillenbooten überprüft werden können, bleibt abzuwarten.
Der oft verdammte Tourismus dürfte hauptsächlich der Grund sein, warum es die Galapagos Inseln im gegenwärtigen Zustand noch gibt. Neben der National Park-Gebühr für Ausländer und einheimische Besucher, sind mittlerweile zahlreiche einheimische Fischer und Siedler im Tourismus als Bootsleute bzw. Park-Guides tätig, oder arbeiten im Hotel- und Gastgewerbe. Allerdings mußte die Regierung auf Druck von internationalen Organisationen (und 35.000 naturbegeisterte Besucher jährlich) den Sturm auf Galapagos eindämmen. So werden neue Lizenzen für Schiffe und Jachten nur mehr in Ausnahmefällen erteilt, ein Hotel-Baustop auf den bewohnten Inseln ist in Kraft getreten und es werden weitere Maßnahmen gesetzt, um die jährlichen Besucherzahlen zu stabilisieren. Als beliebtes Reiseziel bringen die "verzauberten Inseln" dem politisch und wirtschaftlich nicht gerade gesegneten Ecuador seit Jahren Devisen und internationales Ansehen.
Die durch den Tourismus entstandenen Probleme sind gering im Vergleich mit den Problemen, die durch Landspekulanten, Zuwanderer und illegale Überfischung auftreten. Die Regierung Ecuadors hat zuwenig Geld und zuviele interne und internationale politische Probleme mit dem starken Nachbarstaat Peru, um sich verstärkt um die Erhaltung einiger Inseln zu kümmern. Mit weltweiter Hilfe alleine könnte der Park, falls man den Appellen einiger Wissenschafter Gehör schenken sollte und ihn für Touristen sperren würde, nicht existieren.
Als eine mit Auflagen reglementierte touristische Exklusiv-Destination haben die Inseln bisher überlebt und werden dies sicherlich auch in Zukunft.

Ich liege am Sonnendeck unseres 12 Mann Bootes, lausche dem Wellenschlag und überlege, ob der Hochzeitstanz der Blaufußtölpel Parallelen zum Debütantentanz des Opernballes aufweist oder nicht.....

« zurück zu den Reiseberichten



Fotoalben aus dieser Region:

Galapagos Inseln

Alle Reiseberichte aus dieser Region: