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Bei den Sonnentöchtern von Machu Picchu


Text und Fotos: Fred Vnoucek


Peru - Cuzco. Beinahe vier Stunden dauert die Bahnfahrt mit der ‚Ferrocarril' von hier nach Aguas Calientes und Puente Ruinas. Von dort bringt einen ein klappriger Bus über eine acht Kilometer lange Serpentinenstraße in die Höhe. Man macht damit beinahe wieder die Höhenmeter gut, die man seit der Abfahrt aus Cuzco verloren hat. Cuzco liegt dreitausendvierhundert Metern über dem Meer, Machu Picchu einige hundert Meter tiefer. Der Bus hält vor dem Hotel ‚Ruinas', der zur Zeit einzigen Herberge direkt bei den Ausgrabungen.

die verlassene Stadt MACHU PICCHUWenige Schritte sind es von dort bis zu einer der größten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten: der verlassen Stadt der Inkas und möglichen Fluchtburg der Sonnentöchter: MACHU PICCHU.

Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts vom Amerikaner Hiram Bingham entdeckt, ist Machu Picchu heute Fixpunkt jeder Reise nach Peru oder Südamerika, einer der Punkte weltweit, die man als Globetrotter einfach gesehen haben muss. ‚Alter Gipfel' - das bedeutet der Name in Quechua, der alten Sprache der Inkas - ist in einem Atemzug zu nennen mit dem Taj Mahal, dem Ayer's Rock oder den Pyramiden von Gizeh.

Viele der Besucher sind nur Tagesgäste, zum Teil am Morgen aus Cuzco kommend und bereits am Nachmittag wieder auf dem Rückweg. Vieles vom Zauber und der Mystik dieses Ortes bleibt diesen Leuten verborgen. Man sollte zumindest eine Nacht im Hotel bei den Ruinen verbringen, eine frühzeitige Reservierung ist dazu notwendig.

Ich plane diese Reise bereits seit vielen Monaten, und will gleich fünf Tage hier verbringen und nicht nur die Ruinen, sondern auch die Umgebung eingehend erforschen. die Ruinen

Das Wetter ist etwas wechselhaft in diesen Tagen, was sich für Fotografen aber positiv auswirkt. Kurze Regenschauer wechseln sich ab mit Sonnenschein und blauem Himmel, manchmal innerhalb einer Stunde. Dann umhüllen Wolken die ganze Szenerie, nur vereinzelte Sonnenstrahlen brechen durch und kreieren so eine mystische Stimmung.

Mittags kann man sich am Buffet stärken, das Essen ist gut, jedoch herrscht ein Trubel wie in einem Bahnhofsrestaurant. Etwas gemütlicher ist es Abends, wenn die Hotelgäste ‚unter sich' sind. Im Restaurant kann man ein Menü bestellen oder ausgezeichnet a la carte essen. Die Zimmer sind einfach, der Blick auf das Urubamba-Tal und die Ausgrabungen sensationell. Ich kann es nicht erwarten, loszuziehen. So schlinge ich das Mittagessen hinunter und auf geht's zu den Ruinen der alten Inkafestung. Die Gebühr ist pro Tag zu zahlen (bei meinem Besuch waren es 10 Dollar), ab dem 2. Tag wird es billiger, wenn man die Originaleintrittskarte aufbewahrt und vorweist. Mittelpunkt der Anlage ist der Hauptplatz ‚Plaza Principal', umgeben von anderen Bauwerken mit den malerischen Namen ‚Tor der Schlangen', El Torreon oder Tumba Real, um nur einige zu nennen. Beim ersten Rundgang bin ich überwältigt und froh, einiges an Zeit zu Verfügung zu haben. Es dauert ein bißchen, zu realisieren das man nun inmitten der vergessenen Stadt der Inkas steht. Lange Zeit verschollen, von den Bewohnern aus unbekannten Gründen verlassen und perfekt erhalten. Eines der vielen ungelösten Rätsel von Machu Picchu.

die Mauern von Machu Picchu Die Mauern, fugenlos und ohne Mörtel, sehen aus wie eben erst erbaut.

Wenn zwischen den Bauwerken die Lamas auftauchen und grasen, ist die Idylle perfekt. Nach dem Besuch des ‚Tempels der drei Fenster' und der ‚Plaza Sagrada' beginnt die Sonne ihre Reise hinter den Horizont. In wenigen Minuten schließt die Ausgrabungsstätte und ich beeile mich zum Ausgang. Verwundert stelle ich fest, das ich keine einzige Aufnahme gemacht habe, zu tief war der Eindruck und das Empfinden dieser ersten Begegnung . Am frühen Morgen mache ich mich auf dem Weg zum Sonnentor. Lange geht es über einen Steinweg bergauf. Von oben hat man dann einen Blick auf die gesamte Stätte und den dahinter liegenden Huayna Picchu. Ein Bild, wie man es aus unzähligen Reiseprospekten und Dokumentationen kennt. Den Nachmittag verbringe ich wieder in der Anlage, diesmal leistet die Kamera einiges an Arbeit. Ich habe vor, den Tag etwas früher zu beenden, am nächsten Tag werde ich versuchen, den Gipfel des Huayna Picchu über einen alten, gefährlichen Inkapfad zu besteigen.

Fast vierhundert Höhenmeter sind zu bewältigen, ehe man die gigantische Aussicht am ‚jungen Gipfel' genießen kann. Zum Teil über glitschige Steine und steile Stufen führt der Weg aufwärts. Knapp vor dem Ziel hat man die Wahl: entweder durch eine feuchte Höhle oder in schwindelnder Höhe über einen steilen Aufschwung. Dann ist man oben. Man überblickt die Terrassen und Bauwerke, die Schneeriesen der Kordilleren und das tief eingeschnittene Tal tief unten. Man sieht das Hotel ‚Ruinas' und die Menschen in Ameisengröße. Ausgerechnet jetzt beginnt es zu regnen. Zum Glück sind die Aufnahmen ‚im Kasten', gerne hätte ich mehr Zeit hier oben verbracht. So aber mache ich mich an den Abstieg, den ich vorsichtig aber zügig bewältige. Als ich unten ankomme, scheint bereits wieder die Sonne, der Gipfel des Huayna Picchu ist jedoch von dunklen Wolken umgeben. Wahrscheinlich war es doch ganz gut, nicht zugewartet zu haben. So begebe ich mich wieder zu ‚meinen' Lamas, wo die Stunden verrinnen und auch dieser Tag zu Ende geht. Der Entdecker, Hiram Bingham, hat auf dem ‚Huayna' 140 Mumien gefunden, überwiegend von jungen Frauen von außergewöhnlicher Schönheit. Vielleicht war es der Ort der ausgewählten Sonnentöchter des Inti-Kults, Rätsel über Rätsel ....

Auch wenn ich hier keine Antworten gefunden habe und eher die Fragen mehr geworden sind, war es ein besonderes und tiefgehendes Erlebnis. Mit nichts zu vergleichen. Wieder zurück beim Hotel, oder dann in Aguas Calientes, meint man, eine andere Welt zu betreten. Zwischen den Souvenirläden suche ich den Weg zum Hubschrauber-Landeplatz. Den Rückweg nach Cuzco bewältige ich diesmal in zwanzig Minuten. Meine Hoffnung, eine Sonnentochter kennenzulernen, hat sich nicht erfüllt. Was soll's, ich komme auf jeden Fall wieder und dann wird es klappen.

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