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Erlebnisurlaub in West-Kanada

Reisebericht aus der Kanadischen Provinz British Columbia

Ein Reisebericht von Fred Vnoucek


Als ich im Flugzeug nach Calgary sitze, kenne ich meine eigenen Vorstellungen eines Erlebnisurlaubes im Westen Kanadas, habe aber keine Ahnung was wirklich auf mich "zukommen" wird. Nach der Lektüre des Werbeprospektes erwarte ich ein Blockhaus mit offenem Kamin und Fernblick. Berge, Wald, Tiere, sehr viel Ruhe und einen tiefblauen Himmel, dazu Seen und Flüsse mit vielen Fischen.

Noch weiss ich nicht, dass meine Vorstellungen noch übertroffen werden, dort im Süden der Provinz British Columbia, inmitten der Rocky Mountains und in unmittelbarer Umgebung der großen Nationalparks Banff, Revelstoke und Kootenay - auf der Bull River Guest Ranch.

Calgary habe ich deswegen als Zielflughafen gewählt, weil es von hier weniger als fünf Autostunden bis zur Ranch ist und die Fahrt quer über die Rocky Mountains führt. Also verbinde ich gleich einen Teil meines Besichtigungsprogrammes mit der Anreise, anstelle zu dem der Ranch nächstgelegenen Flugplatz Cranbrook zu fliegen. Dieser wäre nur noch eine Autostunde vom Bull River entfernt. Nach zwei Stunden Fahrt erreiche ich den Ort Banff, ein ganzjähriges Touristenziel. Auch im Winter ist hier Hochbetrieb, dann aber für Schifahrer. Oftmals sind Hirsche oder Elche Gäste im Ort, eine zusätzliche Attraktion für Besucher. Es gibt zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten und Einrichtungen wie Restaurants und Shops.



Am nächsten Tag erreiche ich in weniger als drei Stunden die Ranch, wo ich herzlich empfangen werde. Im Ranch-eigenen Saloon erhalte ich erste Informationen. Das Hauptinteresse gilt dem Reiten, den wilden Tieren und der Erholung. Ich erfahre, dass es um die Ranch herum zahlreiche Bären geben soll: Schwarzbären und manchmal auch Grizzlys. Sogar Pumas kommen teilweise bis ins Tal herunter. Schon schlägt das Herz des begeisterten Tierfotografen einige Takte schneller. So ganz nebenbei erfahre ich, dass der Saloon der Ranch ein "antikes Stück" ist, mehr als hundert Jahre alt und vor Jahren aus dem historischen Fort Steele hierher verpflanzt. Gleich schmeckt das einheimische Kokanee-Bier noch ein bisschen besser. An der Wand hängen verschiedene Trophäen, darunter der Pelz eines Bären. Ich persönlich halte mehr vom Fotografieren. Der Rancher aber schwört "bei seiner Ehre" , er jagt selber nicht, die Trophäen stammen vom Vorbesitzer. Und dieser Bär war zu "vorwitzig" und hat sich durch den Obstgarten bis fast in den Saloon gewagt. Deswegen wurde er erschossen. Na ja, denke ich mir, auch wir in Europa haben unsere Probleme. Ich ziehe mich bald auf die Holzveranda meiner Hütte zurück und als es am Abend abkühlt, entzünde ich ein Feuer im offenen Kamin. Der nächste Tag beginnt mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Früh morgens bin ich bereits aktiv, ganz anders als zu Hause. Holz hacken für den Kamin... wird wohl an der gesunden Luft liegen! Nur wenige Meter von der Hütte entfernt befindet sich ein gemauerter Grill und unter einem Nadelbaum ein gemütlicher Holztisch. Man kann also nicht nur in der Küche der Blockhütte, sondern auch "im Grünen" kochen. Die Dame des Hauses hat wohl nicht viel Vertrauen in meine Angelkünste. Sie hat in Cranbrook eingekauft und den Kühlschrank gut gefüllt. Ich bin etwas vergrämt aufgrund des Mangels an Vertrauen und schultere sofort meine Angelrute. Es gibt etwas zu beweisen! So ziehe ich guter Dinge und optimistisch in Richtung Fluss los. Als ich einige Stunden später zurückkomme, bin ich dankbar für zwei Dinge: das erwartete Spottgelächter bleibt aus und der gut gefüllte Kühlschrank wartet ....

Wahrscheinlich hatte ich "Glück im Unglück" , war doch eine unternehmungslustige Frau bereits Reiten. Sie behauptet, der Muskelkater stammt vom Holzhacken. Ich vermeide Themen wie "Angeln" und "Fische" , lasse mir stattdessen erzählen, wie das Reiten war. Abends hat es dann ein leckeres Steak gegeben.

Ich habe den Eindruck, alleine in der Wildnis zu sein, obwohl die nächste Hütte weniger als fünfzig Meter entfernt ist. Man sieht lediglich den Rauch aus den Kaminen aufsteigen. Nach dem Frühstück erwartet mich ein Pferd. Es gibt Tiere für jede Leistungsgruppe, vom Anfänger bis zum Profi. Unterricht erhält man im 'Roundpen', ehe man sich zu einem ersten Ritt in die Umgebung aufmacht. Eine Reitstunde ist für jedermann Pflicht, ehe man das "Ok" für Ausritte bekommt. Ich genieße diese Stunde, die in lockerer Atmosphäre vorübergeht. Ausbildung, Reitstunden und natürlich Ausritte sind ein tolles Erlebnis; alles findet in der malerischen Umgebung des Bull River Tales statt. Die Tage gehen rasch vorüber. Tages- und Halbtagestouren führen in die nähere und fernere Umgebung der Ranch. Das Gelände ist anspruchsvoll, meistens geht es durch den Wald und über Wiesen. Am vierten Tag ist es dann soweit: Bei einem gemeinsamen Spaziergang laufen wir beinahe in unsere ersten Schwarzbären, offensichtlich Mutter mit Kind. Allesamt erschrecken wir; die Bären nutzen die Schrecksekunde, um auf den nächstgelegenen Baum zu klettern. Eine Sackgasse für Familie Petz! Zum Glück habe ich die Kamera dabei. Aus sicherer Distanz schiesse ich Foto um Foto, ehe wir uns vorsichtig zurückziehen und den Weg freigeben.

Bereits nach kurzer Zeit fühlt man sich im Westernsattel heimisch und hat Spaß an den Ausritten. Ich lasse mich zu einem mehrtägigen Ausritt überreden. Diese werden bei Bedarf organisiert; es sind mehrere Teilnehmer erforderlich. Da ich das "Zünglein an der Waage" bin, bleibt mir keine andere Wahl. Nach dem ersten Tag weiss ich nun, was an "know how" und Arbeit dahintersteckt, um ein solches Unternehmen zu realisieren. Alleine schon das Beladen der Packpferde ist eine eigene Wissenschaft. Wir haben einen erfahrenen Guide dabei und alles ist bestens organisiert. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Die Abende werden am Lagerfeuer und die Nächte im Zelt verbracht; alles in allem ein großes Abenteuer und ein einmaliges Erlebnis. Nach drei Tagen komme ich müde aber zufrieden auf die Ranch zurück. Da ich noch einiges an Besichtigungen geplant habe, kommt der Tag des Abschiedes von den neu gewonnenen Freunden. Ich mache mich auf die Fahrt nach Norden und erreiche nach weniger als drei Stunden den Yoho-Nationalpark. Eine mehrtägige Wanderung führt bis an die Schneegrenze auf über dreitausend Metern Seehöhe. Eine Nacht verbringe ich in der luxuriösen Lodge am Emerald Lake, ehe ich auf dem "Glacier Highway" , vorbei an Gletscherseen, ewigem Eis und einer zerklüfteten Bergkulisse, nach Jasper weiterfahre. Von dort ist es nicht mehr weit zum Mount Robson Nationalpark. Dies alles sind absolute Höhepunkte jeder Reise nach Westkanada. Man sollte diese mehrtägige Fahrt durch die Rocky Mountains keinesfalls versäumen. Mich drängt jedoch die Zeit; mein Flug nach Hause steht bevor. Es sind noch zwei Tage Fahrt bis Vancouver, der Stadt am Pazifik. Von dort startet mein "Jumbo" in Richtung Europa.

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Folgende Reisen in diese Region werden derzeit ausgearbeitet:

  • 25.09. - 18.10.2018 / Kanada und Neuengland (Privatgruppe)

Fotoalben aus dieser Region:

Die Eisbären von Churchill I
Die Eisbären von Churchill II
Indian Summer in Ostkanada 2011

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