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WEST-KANADA


Erlebnisreise von den Rocky Mountains zur Pazifikküste

Ein Bericht und Fotos von Fred Vnoucek


Der Höhenmesser zeigt beinahe 3000 Meter an. Wir erreichen die Eisgrenze, wo man selbst im Sommer neben den Überresten der Gletscher auch Altschneefelder findet. Zwei anstrengende Trekkingtage liegen bereits hinter mir und meinem Reisekameraden Erich. Frühmorgens sind wir aufgebrochen, dabei haben wir unser Wohnmobil und damit die Annehmlichkeiten des täglichen Lebens zurückgelassen. Mit Backcountry-Permits der Rangerstation im Rucksack sind wir unterwegs in den kanadischen Rocky Mountains.

Die Anreise hat uns von Calgary in Alberta über Banff zum Lake Louise geführt. Von dort war es nicht mehr weit zu unserem ersten Ziel - Yoho, einem kleinen Nationalpark im südlichen Teil der Rocky's, an der Grenze der Bundesstaaten Alberta und British Columbia. Auf einem Campingplatz haben wir unser Fahrzeug abgestellt, die Rucksäcke gepackt und die Wanderschuhe geschnürt.

Bärenwarnung Nun liegen bereits viele Höhenmeter und eine Nacht in der Wildnis hinter uns - und eine Hinweistafel 'Achtung - Grizzly Bären' vor uns. Es gibt nur einen halbwegs brauchbaren Weg, der führt genau auf dieses Schild zu. Also gehen wir - nunmehr fröhlich pfeifend - weiter und stehen nach der nächsten Kurve vor zwei Schneeziegen.

Wahrscheinlich Mutter und Kind. Beeindruckend die spitzen, auf uns gerichteten Hörner von Mama Schneeziege. In respektvollem Halbkreis umgehen wir die Tiere und hoffen, nach der nächsten Kurve nicht gleich dem angekündigten Bären zu begegnen. Grizzly von vorn - spitze Hörner von hinten, Begegnungen der kanadischen Art, wie es nur hier vorkommen kann. Aber so war es dann doch nicht, unbehindert ziehen wir dahin und geniessen die einmalige Berglandschaft, die Wasserfälle und Wälder unter uns. Müde vom langen Marsch, errichten wir unser Camp auf einer Lichtung. Auf dem Feuer kocht bereits der Tee mit Rum und die mitgeschleppten Steaks schmecken besonders gut. Trotz leichter Erschöpfung (nicht nur vom Essen) reinigen wir unser Ess- und Kochgeschirr sehr sorgfältig. Die wenigen Speisereste vergraben wir ein Stück von unserem Lagerplatz entfernt, die Vorräte hängen wir in die Bäume, alles Sicherheitsvorkehrungen wegen der Bären. Nach einer weiteren Nacht im Daunenschlafsack und einigen Stunden Wanderung erreichen wir unseren Ausgangspunkt und freuen uns auf eine heiße Dusche in unserem mobilen Heim.  Während der Fahrt zum Emerald See, unserem Ziel für die kommende Nacht, halten wir bei der Naturbrücke.

Schwarzbär Am nächsten Tag fahren wir auf dem Gletscher-Highway nach Norden. Nach dem obligaten Aufenthalt am Columbia Eisfeld und beim Athabasca-Gletscher erreichen wir Jasper, einen Ort mit ausgeprägter touristischer Infrastruktur. Die Rocky's von der Nachmittagssonne in Szene gesetzt, bewirken emotionelle Ausbrüche. Nach einem Abstecher in den Mount Robson Nationalpark beginnt es dann am nächsten Tag zu regnen, wir beschliessen den Highway wieder zurückzufahren, anstelle die Route durch British Columbia ('B.C.') nach Südwesten zu wählen. Wir wollen noch in den Revelstoke Nationalpark, wo neben landschaftlichen Höhepunkten wieder Schwarz- und Grizzlybären zahlreich vertreten sein sollen. Wir kommen spät an und verbringen die Nacht in einer kleinen Blockhütte. Bereits vor Sonnenaufgang sitzen wir vor der Hütte und warten. Doch diesmal ist das Glück nicht auf unserer Seite, trotz vieler Fährten in der Umgebung verirrt sich kein Tier in unsere Nähe. So brechen wir zur nächsten Station unserer Reise auf, dem Hell's Gate des Frazer River. Hier fliesst der Fluß durch eine enge Schlucht und erschwert den Lachsen ihre jährliche Wanderung flußaufwärts zu den Laichplätzen. Mit künstlichen 'Lachstreppen' wurde nachgeholfen, mehr Tieren die Reise zu ermöglichen. Mit einer Gondel kann man den Höllenschlund überqueren, um nach dem Nervenkitzel der Überfahrt den Souvenirshop und das interessante Informationszentrum zu erreichen.

Wir kommen nach Vancouver, der kanadischen Metropole an der Westküste. Die Landschaft hat sich völlig verändert. Nach dem Felsengebirge begrüßen uns hier die Felsküste und der bewegte Pazifik. Buckel-, Grau- und Killerwale ziehen im Sommer vorbei. Doch ehe wir die Fähre nach Vancouver Island betreten, sehen wir uns in der modernen Stadt um, vor allem die Altstadt hat es uns angetan. Nach den Tagen in den Bergen geniesst man die große Auswahl an Restaurants und Pub's. Noch ein Foto bei den Totempfählen im Stanley Park und wir fahren mit unserem Wagen auf die Fähre, welche uns in wenigen Stunden auf die große Insel bringen wird.

Orca Eine gute Strasse führt quer über Vancouver Island bis in den Pacific Rim Nationalpark, einer mystisch wirkenden, fast unwirklichen Küstenlandschaft. Eine mehrtägige Trekkingtour, der Pacific Rim Trekk, lockt alljährlich Extremwanderer aus aller Welt hierher.Der Ort Tofino ist bestens geeignet, eine Expedition zu den Walen zu unternehmen. Eine halbtägige Bootstour führt uns nahe an die gigantischen Meeressäuger heran. Danach chartern wir einen kleinen Wasserflieger, um die Sache auch 'von oben' genießen zu können. Seehunde liegen auf den unzähligen, wildzerklüfteten Felseninselchen. Dazwischen, aus der Luft gut erkennbar, ziehen die Wale ihre Bahnen durch das Meer. Da wir noch eine Fähre gebucht haben, drängt nun etwas die Zeit. Nur kurz währt der Besuch des Strathcona-Nationalparks, man würde schon mehrere Wochen brauchen, um alles zu erleben und genießen zu können. Wir wollen nun in den nördlichsten Zipfel der Insel, zum entlegenen und unwirtlichen Cape Scott Nationalpark. Nur die eigenen Füße bringen einen dort weiter, man wandert durch urweltlichen Küstenregenwald, manchmal direkt am Meer entlang. Dabei muss man besonders auf die Gezeiten achten, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Rasch wäre man bei einbrechender Flut vom Festland abgeschnitten, sollte man sich zu weit hinaus wagen. Der Cape Scott - N.P. ist die Heimat der Pumas und der Schwarzbären - ein Geheimtip für alle Naturliebhaber. Da es keine Unterkunftsmöglichkeiten gibt, bleibt nur die Nächtigung im Zelt oder die Einschränkung auf Tagestouren. Es regnet jeden Tag hier, dazwischen kommt es im Sommer zu kurzen sonnigen Phasen. Den Großteil des Jahres jedoch ist dieser Nationalpark eine eher abweisende Gegend, vorbehalten den Tieren und den abenteuerlustigen Reisenden.

Kurz ist die Fahrt nach Port Hardy, dem nördlichen Fährhafen auf Vancouver Island. Hier liegt der Ausgangspunkt für eine der beeindruckendsten Schiffsreisen, die es gibt - die Inside Passage. Die riesige Fähre braucht einen Tag, um Prince Rupert, fast schon an der Grenze zu Alaska gelegen, zu erreichen. Die Fahrt führt vorbei an kleinen und großen Inseln, immer entlang der zerklüfteten Küste. Häufig wird das Schiff von Walen begleitet. Am Abend erreicht man den Bestimmungsort, durch die nördliche Lage ist es hier im Sommer bereits sehr lange hell. Von Prince Rupert aus kann man Touren mit Wasserflugzeugen buchen, die zu entlegenen Inseln, manche davon bereits in Alaska gelegen, führen.

Auf der Straße könnte man durch das Land zurück nach Vancouver fahren, über den Alaska Highway durchquert man das Yukon Gebiet, ehe man den nördlichsten Bundesstaat der USA erreicht. Über Prince George könnte man von hier aus wieder die Rocky Mountains erreichen, wo unsere Reise ihren Anfang genommen hat. Wie wir uns entschieden haben, ist vielleicht in einer anderen Erzählung nachzulesen ....

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  • 25.09. - 18.10.2018 / Kanada und Neuengland (Privatgruppe)

Fotoalben aus dieser Region:

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Die Eisbären von Churchill II
Indian Summer in Ostkanada 2011

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