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Australien

Kontinent der Superlative

Text und Fotos von Fred Vnoucek
Teil 3


Mit dem Flugzeug mache ich mich auf den Weg zur letzten "Station" meiner Reise durch das weniger bekannte Australien: das im tropischen Norden gelegene, unzugängliche Cape York. In Cairns, einem Badeort an der Küste von Queensland, treffe ich mit zwei Freunden zusammen.

Alleine wäre die Fahrt im Geländewagen in den tropischen Norden doch zu riskant. Es liegen eintausenddreihundert Kilometer Pisten, Urwaldtracks und unzugänglicher Dschungel vor uns. Erich erzählt von dieser letzten Etappe:

Aufgrund der guten Erfahrungen von Fred und um flexibel zu sein, entscheiden wir uns gemeinsam für einen Landcruiser mit Campingausstattung. Tankstellen gibt es auf dieser Route in den Norden nur alle paar hundert Kilometer. Der Doppeltank fasst mehr als einhunderfünfzig Liter, das gibt Sicherheit. Unglücklicherweise "ergattern" wir ein etwas älteres Fahrzeug und verlieren gleich einen Tag mit kleinen Reparaturen. In jedem Fall ist eine genaue Begutachtung des Fahrzeuges bei Übernahme empfehlenswert. Ideal wäre es, auch einige Probekilometer zu fahren. Dies vor allem, wenn man eine anspruchsvolle Route fern der Zivilisation befahren will. Man kann auf diese Art technische Probleme festzustellen, ehe man sich zu weit von der Vermietstation entfernt hat.

Unsere Expedition ist nur in der Trockenzeit zwischen Mai und Oktober möglich. Es warten dutzende Flüsse auf eine Durchquerung. Brücken gibt es kaum. Ein weiterer Grund, die Reise nur mit einem völlig intakten Fahrzeug in Angriff zu nehmen. Wir haben es eilig, um den bereits verlorenen Tag wieder gutzumachen. So nehmen wir die ersten Kilometer der Straße nach Cooktown unter nicht ganz optimalen Vorzeichen "unter die Räder" . Tatsächlich, nach fünfzig Kilometern gibt es Probleme mit dem Vierradantrieb und in weiterer Folge fällt auch noch die Innenbeleuchtung des Fahrzeuges aus. Also, zurück nach Cairns, diesmal in eine Werkstatt. Wir verlieren noch einen wertvollen Tag, den wir mit Billardspielen in einem Pub verbringen. Als am späten Nachmittag der Wagen abholbereit ist, siegt die Abenteuerlust über die durch das Warten entstandene leichte Frustration: wir machen uns erneut auf den Weg. Nördlich von Cairns liegt der mondäne Urlaubsort Port Douglas mit vielen Hotels und anderen touristischen Einrichtungen. Interessant auch das Cape Tribulation, kurz "Cape Trib" genannt. Hier durchfurten wir den breiten, gezeitenabhängigen Bloomfield River. Bei Flut würde man ein U-Boot anstelle eines Wagens benötigen. Man muss also bei schlechtem "Anreise-Timing" bis zu sechs Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Bei Niedrigwasser stellt die Durchquerung kein Problem mehr dar.

Am nächsten Tag treffen wir in Cooktown ein, dem Ort an dem Kapitän James Cook sein Schiff "Endeavour" nach einem Schiffbruch wieder in Schuss gebracht hat. Ebenso wie die Endeavour erweist sich nun auch unser Fahrzeug als tauglich, und wir verlassen endgültig die von Menschen besiedelte Region.

Der Weg nach Norden, die "Old Telegraph Road" , verliert immer mehr jede Ähnlichkeit mit einer Straße. Bereits liegen die ersten Furten hinter uns, alle jedoch noch harmlos. Etwas abseits der Strecke besichtigen wir Felsmalereien der Ureinwohner. Einige Zeit verbringen wir im Ironrange Nationalpark, direkt am Korallenmeer gelegen. Hier lernen wir ein nettes australisches Aussteigerpaar kennen. Die beiden betreiben an der menschenleeren Küste "Captain Blighs" Cafe, wo wir köstliche Meeresfrüchte vorgesetzt bekommen. Ein unerwarteter Genuss in der Wildnis, nachdem unser Speisezettel an diesem Tag lediglich eine von Walter "geerntete" Kokosnuß vorsah... Wir freuen uns über diese unerwartete Stärkung und überlegen, wovon unsere freundlichen "Aussteiger" leben: wir waren die ersten Gäste in dieser Woche. Auf der Weiterfahrt wartet ein größeres Hindernis auf uns, der breite und tiefe Wenlock-River. Spätestens hier ist "Endstation" für Pkws und nicht geländetaugliche fahrbare Untersätze. Wir durchwaten den Fluß zuerst, um die Wassertiefe und die Bodenbeschaffenheit festzustellen. Jetzt bewährt sich die gute Vorbereitung auf diese Tour. Da es wenig Informationsmaterial über das Cape York gibt, haben wir uns bei erfahrenen "Off road" Fahrern informiert. Fred legt den Geländegang ein und fährt zügig durch den Fluß. Das Wasser schwappt teilweise bis über die Windschutzscheibe, doch nach einer halben Minute haben wir wieder trockenen Boden unter den Rädern. Wir machen eine Pause und trinken ein Bier aus der Kühlbox. Bald gehört das Durchwaten und Durchfahren von Flüssen und Bächen zur täglichen Routine. Unglaublich, wie schnell man sich an die anfangs ungewohnten täglichen "Handgriffe" und Routinetätigkeiten gewöhnt. Hand aufs Herz, wer kontrolliert zu Hause täglich den Ölstand des Motors und den Zustand der Reifen? Hier in der Wildnis sind wir auf unser Fahrzeug angewiesen, wir teilen uns die täglichen Arbeiten. Während Fred das Fahrzeug überprüft, bauen Walter und Erich das Camp ab und machen alles abfahrbereit. Da es schließlich eine Urlaubsreise ist, nehmen wir uns ausreichend Zeit für Fotostops und Besichtigungen. Wir machen einen Abstecher in den unzugänglichen Rockeby-Nationalpark im inneren der Cape York Halbinsel. Hier treffen wir auf Krokodile. Als ich beinahe auf eine Giftschlange trete, beschließen wir unser Camp für die Nacht wo anders aufzubauen.

Im Auto befindet sich ein Gaskocher; wir bevorzugen jedoch zumeist das Kochen am Lagerfeuer. Die wenigen Tage, an denen wir an Tankstellen anhalten, werden zum "Feiertag" erklärt. Wir kaufen Frischfleisch, abends gibt's dann Steaks mit Spiegelei und Bohnen. Dazu Australisches Bier. Hin und wieder begegnen wir anderen "Off-roadern" , dann werden Erfahrungen und Geschichten ausgetauscht und manch nette Bekanntschaft wird geschlossen. Bei Australiern ist die Route wohlbekannt und beliebt, wir können uns nun noch weniger erklären, warum so wenig Informationen zu dieser Reise aufzutreiben waren. Eigentlich schade, es ist eine tolle Fahrt, für Erlebnishungrige und Unternehmungslustige mit etwas Abenteurer-Blut bestens geeignet.

Am nächsten Morgen erfordert die Furt am Cannibal Creek höchste Konzentration. Das Flußbett ist sandig, anhalten hätte fatale Folgen. Links und rechts der Furt liegen umgestürzte Bäume, alles ist dicht bewachsen. Wir sind sehr vorsichtig beim nun bereits "rituellen" Durchwaten, da wir hier bereits tief ins "Krokodil-Land" vorgedrungen sind. Das Australische Leistenkrokodil ist der gefährlichste Vertreter seiner Art und kann bis 7 oder 8 Meter lang werden. Die Warnschilder bei Wasserläufen sprechen eine deutliche Sprache. Wir wollen es nicht wie Crocodile-Dundee machen. Lieber ein bisschen feig aber lebendig ist die Devise. Ein weiteres Hindernis müssen wir großräumig umfahren, den Abbruch am Gunshot Creek. Plötzlich ist der Weg verschwunden, einfach weg. Wir steigen aus und stellen fest, nach einem lehmigen Abbruch geht erst fünf Meter tiefer die Spur weiter. Nach einigen Berechnungen und reiflicher Überlegung beschließen wir, lieber einen längeren Umweg in Kauf zu nehmen, als "ungespitzt" in den Boden einzuschlagen. Das Risiko eines beschädigten Fahrzeuges ist zu groß.

Nach weiteren anstrengenden Tagen stehen wir vor dem Jardin River, der letzten Barriere zwischen uns und dem nördlichsten Punkt des Kontinents. Eine Fähre führt über diesen tiefen aber weniger als hundert Meter breiten Fluß. Dafür bezahlen wir den stolzen Preis von zwanzig Dollar pro Person. Typisches Beispiel eines Monopolbetriebes, denken wir. Die Wahl fällt leicht, kann doch der Fluß hier bis zu zwei Meter tief sein. Das wollen wir unserem nun brav seinen Dienst versehenden, aber betagten Geländewagen doch nicht antun. Dann haben wir auch diese Hürde genommen und wir fahren schnurgerade nach Norden. Hier befahren wir wieder eine breite Piste. Wir sind auf der "New Telegraph Road" , die den kleinen Ort Bamaga mit den Bauxit-Abbaugebieten und der Zivilisation verbindet. Nach Bamaga erreichen wir wieder das Meer und kurz darauf stehen wir am nördlichsten Punkt Australiens. Der Blick schweift über die Torres-Strasse, die das Cape York von Neuguinea trennt. Zu dritt sitzen wir an der Tafel, die den "Northernmost Point" kennzeichnet. Als die Sonne als roter Ball im Meer versinkt, sind wir glücklich und zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben über tausend Kilometer gemeistert, großteils ohne erkennbare Straße oder Piste, dabei dutzende Flüsse und Bäche durchquert und manche kritische Situation gemeinsam gemeistert. Dieses gemeinsame Erleben ist für uns genau so wichtig wie das Erreichen des Zieles. Fred ist froh, diese letzte Etappe seiner Reise durch das "Andere Australien" nicht allein gemacht zu haben.

Einige Tage später setzt die Maschine aus Cairns zur Landung an. Ich erkenne die Hafenbrücke und das Opernhaus. Unter mir liegt Sydney und hier schließt sich der Kreis ein weiteres Mal. Tausende Kilometer, ungezählte Erlebnisse und viele Wochen "auf Achse" liegen hinter mir. Natürlich habe ich die Gesamtreise nicht in einem Stück gemacht, das hätte den Rahmen der Urlaubswochen gesprengt. Man sollte für jede Etappe zumindest 3 bis 4 Wochen veranschlagen. Lieber mehr als weniger, da es immer wieder Möglichkeiten für interessante "Abstecher" entlang der Routen gibt. Auf touristisch bekannte Punkte, die in jeder Australien-Reise enthalten sein sollten, bin ich bewußt nicht eingegangen, das ist eine andere Geschichte.

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