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Australien

Kontinent der Superlative

Text und Fotos von Fred Vnoucek
Teil 2


Viele hundert Kilometer Fahrt liegen hinter mir, als ich im tropischen Norden ankomme. Ich lasse die touristisch erschlossenen Punkte wie die Katherine Gorge und den Kakadu-Nationalpark "links" liegen und fahre weiter in die Kimberley's, ein Felsplateau, das bereits in Westaustralien liegt.

Die Fahrt führt über die Gibb River Road weiter nach Norden, bis zum unzugänglichen Mitchellplateau. Von dort kann man mittels einer längeren Wanderung oder mittels eines kurzen Helikopterfluges die beeindruckenden Mitchell Falls erreichen. Sie haben richtig gelesen, praktisch "am Ende der Welt" ist ein Hubschrauber stationiert, der gegen Bezahlung Touristen zu einem besonders interessanten Punkt bringt. Der Pilot wohnt in einem von Treibstoffässern umgebenen Zelt. Der Flug führt bis an die Küste, häufig sind träge Leistenkrokodile am Sandstrand zu sehen.



Weiter führt die abenteuerliche Fahrt zu zwei der für mich interessantesten und beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten des Kontinents: dem Tunnel Creek und der Wyndjana Gorge. Vorher jedoch mühe ich mich mit einem Reifenwechsel ab. Wie befürchtet hat die schwierige Strecke ihren Tribut gefordert und ich habe einen herrlichen Platten im linken Hinterreifen. Auch eines der Erlebnisse, die im australischen Hinterland einfach dazugehören.

Tunnel Creek ist ein unterirdischer Flusslauf, der durch einen Berg führt und zu Fuß zu begehen ist. Die Durchquerung dauert ungefähr zwanzig Minuten. Dabei watet man oft brusttief durch das kalte Wasser. Unbedingt erforderlich: eine gute Taschenlampe. Ein etwas eigenartiges Gefühl, wenn man in wenigen Metern Entfernung die Augen der Süsswasserkrokodile im Strahl der Taschenlampe rot leuchten sieht. Die Wyndjana Gorge erreicht man durch einen einige Meter langen Felsspalt. Der Durchgang ist wie der Eingang in den Garten Eden. Wenn man aus der Spalte tritt, wird man von üppiger Vegetation und dem Gekreische unzähliger Kakadus empfangen. In den Büschen tummeln sich meterlange Warane, am Ufer des Flusses sonnen sich Krokodile. So ähnlich stellt man sich das Paradies vor, ist einer meiner ersten Gedanken. Die Stunden in der Wyndjana Schlucht verrinnen und ich beschließe, in der Nähe zu übernachten. Wieder einmal bewährt sich die Schlafmöglichkeit im Fahrzeug. Viele Unternehmungen wären nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ohne die Erfindung des "Bushcampers" . Als ich dann weiterfahre, erreiche ich das erste Mal seit längerer Zeit eine Asphaltstrasse. Ich komme nun zügig voran zu meinem nächsten Ziel, den Bungle Bungles Nationalpark im Landesinneren. Verwöhnt von einigen hundert Kilometern auf guter Straße stelle ich nur aus alter Gewohnheit meinen Wagen auf 'Geländebetrieb' um, als ich die Hauptstrasse verlasse. Ich weiss zu Beginn der fünfzig Kilometer langen Route zu den "Bungles" nicht, dass mich hier eine "Offroad" Piste erwartet, die es in sich hat. Es dauert vier Stunden, um diese Distanz zu bewältigen. Nun bereits weniger überraschend, wartet am Ende des Tracks ein Hubschrauber. Auch hier kann man - inmitten der Wildnis - Helikopterrundflüge buchen. Unter einem weit ausladenden Baum schlage ich das Lager für die nächsten Tage auf. Bald prasselt ein Feuer und die vor kurzem eingekauften Steaks schmoren vor sich hin. Es gibt nichts schöneres, als nach einem anstrengenden Tag am Lagerfeuer zu sitzen und Steak mit Kartoffel zuzubereiten und in einer Hand eine Dose gutes australisches Bier. Nebenbei, es gibt hier beinahe ein Dutzend verschiedener Biersorten, alle vergleichbar mit unseren Europäischen Produkten und ausnahmslos empfehlenswert. Bier ist ein australisches Nationalgetränk.



Nach einem Rundflug mit dem Helikopter zur ersten Orientierung mache ich mich auf, diese Landschaft der "Bienenkörbe" (so sehen die Felserhebungen aus) zu erforschen. Dabei ist es wichtig, immer genug Wasser mitzuführen. Man kann sich leicht verlaufen in dieser Wildnis. Wieder zurück auf der Hauptstrasse bin ich um ein eindrucksvolles Erlebnis reicher. Ich mache mich an die weite Fahrt nach Norden. In Darwin gebe ich meinen Geländewagen bei der Vermietung ab.

Die nächste Etappe führt mit dem Flugzeug nach Perth an der australischen Westküste. Eine Tagestour führt zum Waverock, welcher einige hundert Kilometer im Landesinneren liegt. Eine Formation, die wie eine versteinerte Riesenwelle mehrere Meter aus der Landschaft ragt. Im September blühen die Wildblumen, ein Augenschmaus nicht nur für Blumenfreunde. Schuppenechsen von fast einem halben Meter Länge kriechen über die Strasse. Ich fahre nun Richtung Südwesten und erreiche nach mehreren Stunden wieder die Küste. Mit etwas Glück kann man von den Klippen aus Wale beobachten. Manch netten Abend mit gutem Essen und ausgezeichnetem australischen Wein kann man in den Lokalen der Küstenorte verbringen. Über die Stadt Fremantle erreiche ich wieder Perth, ehe mein Weg wieder nach Norden führt. Nächstes Ziel sind die Pinnacles, Steinformationen im Nambung Nationalpark. Besonders morgens oder am Abend entfalten diese pilz- oder nadelförmigen Sandsteingebilde ihren Zauber. Der Kontrast zwischen gelbem Stein und tiefblauem Himmel zieht nicht nur Fotografen in ihren Bann. Im nicht weit entfernten Kalbarri Nationalpark erreicht man wieder das Meer. Hier gibt es Steinformationen und Blaslöcher, durch die Gischt gegen den Himmel zischt.

Viele Autostunden weiter im Norden liegt auf einer Halbinsel der Ort Monkey Mia. Weltbekannt wegen der regelmässig an den Strand kommenden wilden Delphine. Bis zu den Oberschenkeln im Wasser stehend, hat man eventuell sogar die Möglichkeit, die zutraulichen Tiere zu berühren. Falls es die Delphine oder auch die jederzeit anwesenden Parkranger erlauben. Monkey Mia ist ein Schutzgebiet, geschaffen zum Schutz der wilden Delphine. Weiter draußen im Meer liegt das Ningaloo Riff, den Seebären und Tauchern vorbehalten. Während der Korallenblüte ist Ningaloo die Heimat der Walhaie, des größten bekannten Fisches unserer Meere. Ich erinnere mich, das mein Freund Erich Pröll hier einen Dokumentarfilm zu diesem Thema gedreht hat. Für mich jedoch ist es zu spät, die Saison für Walhaie ist längst vorbei. Also gebe ich mich mit den possierlichen Delphinen zufrieden und genieße die Tage an der rauhen Westküste des Australischen Kontinents. Weiter die Küste entlang nach Norden erreicht man Broome, das Zentrum der Perlentaucher. Hier schliesst sich der Kreis, die Kimberley's und in weiterer Folge das Zentrum Australiens liegen wieder vor mir.

Doch mein nächstes Ziel ist der hohe Norden des Kontinents - das Cape York.

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