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Rajasthan - wo Indien am schönsten ist


Text und Bilder: Prof. Hans Först


Seinen Namen erhielt Rajasthan, das "Land der Könige" von den Rajputen. Diese "Söhne der Könige", wahrscheinlich Nachkommen eines altiranischen Volkes, wanderten wie viele vor und nach ihnen dem 6. und 10. Jahrhundert aus Nordwesten ein. Wegen ihres kriegerischen Wesens wurden sie von der Bevölkerung als Herren akzeptiert.

Die einzelnen Sippen trachteten, einander durch ihre Stammbäume, die sich in Legenden verlieren, an Alter und Vornehmheit zu übertrumpfen. So bezeichnen sich z.B. die Sisodias von Udaipur, die Kachhwahas von Amber/Jaipur und die Rathors von Jodhpur als Abkömmlinge der Sonne, die Bhattis von Jaisalmer als Kinder des Mondes und die Chauhanas von Delhi und Ajmer als Nachkommen des Feuergottes. Angesichts der islamischen Bedrohung damals waren die Brahmanen gezwungen, diese Fremdlinge in die zweithöchste Kaste der Kshatryas, der Krieger, aufzunehmen. Und tatsächlich wurden die Rajputen zu den glühendsten Verteidigern des Hinduismus, den islamischen Eroberern gelang es nie, ganz Rajasthan einzunehmen.

Heute noch fallen die Rajputen im bunten Völkergemisch Indiens auf. Sie sind großgewachsen und hager. Ihr hoheitsvoller Gang und ihre riesigen Wickelturbane in leuchtenden Farben unterstreichen die eindrucksvolle Erscheinung. Fast alle heißen Singh, abgeleitet vom Sanskritwort singha - Löwe, das hört sich gut an. Ihre Frauen tragen farbenprächtige Saris und reichen Schmuck im Haar, an der Stirn, an Ohren, Nase, Hals, Armen und Füßen.

Symbole für die große Freiheitsliebe der stolzen Rajputen und erbitterten Kämpfe um den kahlen Boden sind die zahlreichen imposanten Burgen und Forts. Ihr übersteigerter Ehrbegriff führte zur schrecklichen Sitte des Jauhar. Rajputen ergaben sich nie. War die Lage hoffnungslos, legten alle ihre Hochzeitsgewänder und ihren Schmuck an. Frauen und Kinder bestiegen, heilige Verse singend, den bereits vorbereiteten Holzstoß und verbrannten sich. Die Männer öffneten die Festungstore und kämpften, bis der letzte gefallen war. So geschehen dreimal in Chittorgarh. 1535 sollen dort 32 000 Männer und 13 000 Frauen Jauhar begangen haben. Traurig war das Schicksal der Rajputen-Mädchen. War nicht genügend Geld für eine spätere, standesgemäße Aussteuer vorhanden, wurde das Kind gleich nach der Geburt getötet. Starb der Ehemann, mußten die Frauen ihm auf den Scheiterhaufen folgen, sie begingen sati und sicherten sich dadurch eine Wiedergeburt an der Seite ihres Mannes.

Später, im 18. und 19. Jahrhundert verstanden es die Engländer durch Aufrechterhaltung der alten Machtverhältnisse die Maharajas für ihre Interessen zu gewinnen. Sie verzichteten bewußt auf eine formelle Annexion der Fürstentümer und machten die Rajas damit zu loyalen Vasallen der britischen Krone. Nur mit dieser "indirect rule" war es den Engländern möglich, mit verhältnismäßig geringem personellem Aufwand die riesige Kolonie zu verwalten.

Die indischen Fürsten regierten im Auftrag Ihrer Majestät der englischen Königin mit unvorstellbarem Luxus und Aufwand. Die Berichte von den Extravaganzen der Maharajas, ihren Schätzen, den großartigen Tiger- und Leopardenjagden und Festbanketts ließen in Europa die Vorstellung vom märchenhaften Indien entstehen.

Die Maharajas unterstützen die Engländer in den Weltkriegen, selbst für Sold und Ausrüstung der von ihnen gestellten Truppen kamen sie auf. Die Kamelreiter von Bikaner fochten in China und im Nahen Osten, die Lanzenreiter von Jodhpur eroberten im Palästina-Feldzug 1917 Haifa von den Türken, der Maharaja von Jaipur war mit seiner Einheit beim Sturm auf Monte Cassino dabei. 565 Maharajas, Nawabs und Nizams regierten - gleichsam von Londons Gnaden - bis 1947. Indira Gandhi schickte 1970 die entmachteten Feudalherren ins Museum der indischen Geschichte, machte sie zu Privatpersonen und strich ihnen staatliche Renten und Privilegien. Nur ihre Paläste, Forts und Jagdschlösser durften sie behalten. Um sie vor dem Zerfall zu bewahren entstand eine Kette von Heritage-Hotels, Grundlage für einen Tourismusslogan "Lebe wie ein Maharaja". 24 der bislang 31 offiziellen Häuser liegen in Rajasthan.

Heritage-Hotels, das heißt Arkaden, Spiegelsäle, Säulengänge und Gartenanlagen, großzügige Auffahrten, viel Teak, Marmor und Plüsch, schnauzbärtige Turbanmänner, vergilbte Mahraja-Ahnengalerien und Jagdtrophäen. Sogar der abgebrühte Ferntourist spürt hier die Aura einer vergangenen Zeit. Palast-Hotels bedeutet Nostalgie und Atmosphäre, die auch der Einzug von Kreditkarten und Fax nicht zerstören konnte. Palast-Hotels bedeutete aber nicht unbedingt Komfort, wie jeder Reisende nach kurzer Zeit feststellen kann. Ein Kleinod unter den stimmungsvollen Heritage-Hotels ist das Samode Palace, rund 50 km nördlich von Jaipur inmitten der kargen Aravalli-Berge, Kulisse zahlreicher Foto-Sessions und Reportagen von Lifestyle-Magazinen.

Eine besondere Attraktion bietet sicher auch Udaipur im Süden mit den herrlichen Bauten am Picchola See. Wie Bilder einer Märchenopfer spiegeln sich die weiß schimmernden Fassaden des Lake Palace Hotels, eines ehemaligen Sommerpalastes, im See. Königin Elizabeth und Präsident Kennedy zählten zu seinen Gästen.

Erst 1982 eröffnete das jetzige Oberhaupt der Maharajafamilie in einem Flügel seines Stadtpalastes gegenüber dem Lake Palace das exklusivste und teuerste Hotel Indiens, das Shiv Nivas Palace, das dem James Bond Film "Octopussy" als Kulisse diente. Mehr einer Kathedrale ähnelt das von 4000 Arbeitern in 15 Jahren aus rotem Sandstein erbaute Umaid Bhavan Palace Hotel in Jodhpur. Der jetzige Raja Mr. Gaj Singh, von seinen Untergebenen noch immer mit "His Highness" angesprochen, lebt mit seiner Maharani und der "Queen mother" noch immer in einem kleinen Seitenflügel.Gegen harte Dollars stellt er sogar den ehemaligen Salonzug mit Familienwappen Touristen zur Verfügung, meist für eine Fahrt durch die Wüste Thar nach Jaisalmer im Westen. Grund für den Bau von 300 Kilometer Eisenbahnlinie und von asphaltierten Straßen in Rajasthan ist die 800 Kilometer lange Grenze mit dem Erbfeind Pakistan. Der Krieg als Vater der Straßen.

Jaisalmer ist ein unbedingtes Muß einer Rajasthan-Reise. Wie eine Fata Morgana taucht dieses indische Carcassone unvermittelt aus der Wüste auf. Den Beinamen "Goldene" hat sie von der Farbe des Sandsteins, der hier nicht rötlich wie in Jodhpur, sondern von einem blassen Gelb ist und im warmen Licht der Abendsonne den Schimmer von Gold anzunehmen scheint. Wenn man durch die Stadttore in die engen, verwinkelten Gäßchen tritt, fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Daran ändern auch nichts die Migs der indischen Luftwaffe, die vom nahen Stützpunkt häufig über die Stadt donnern. Havelis, das sind palastähnliche Wohnhäuser aus Marmor und Sandstein mit fein ziselierten Balkonen, Türmchen, Erkern und Balustraden, zeugen vom Reichtum, den der Handel mit Europa an diesem alten Karawanenweg durch die Wüste Thar brachte. Europa war für Indien damals ein Entwicklungsland, ein aufnahmefähiger Markt für alle Gewürze, Tee, Rohrzucker, Elfenbein, Edelsteine, Farben, Seide und Baumwolle. Die Verlagerung des Handels von der Wüste zu den Seehäfen, später dann die Teilung des indischen Subkontinents und die damit verbundene Schließung der Grenzen zwischen Indien und Pakistan nahmen Jaisalmer seine Lebensgrundlage. Heute sind die Bauwerke dem Verfall preisgegeben. Das Geld der Touristen soll die bröckelnden Fassaden Jaisalmers stützen.

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  • 11 2018 / Tripura, Manipur und Nagaland zum Hornbillfest

Fotoalben aus dieser Region:

Arunachal Pradesh und Nagaland
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Hornbillfest
Zanskar
Maharaja-Tour Rajasthan II
Garhwal Himal
Spiti-Tour 05
Rajasthan
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Impressionen einer Tigersafari
Maha Kumbh Mela in Haridwar
Südindien
Ladakh 2011: Mangyu
Ladakh 2011: Alchi
Ladakh 2011: Stok
Ladakh 2011: Matho
Spiti 2011
Tabo, Lhalun & Changtang 2011
Nyoma, Alchi & Mangyu 2011
Kinnaur-Spiti
Kinnaur: Ropa - Pooh - Nako
Spiti: Tabo - Lhalun
Zentralindien März 2013
Südindien 2013
Ladakh
Ladakh Leh Festival
Ladakh Sumdo Alchi Mangyu
Hornbill Fest
Orissa Nagaland
Ladakh-Zanskar-Kaschmir, 5. - 21. 7. 2015
Gujarat mit Mewarfest

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