zu den Studienreisen zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Tauchreisen zu den Special Event Reisen

« zurück zu den Reiseberichten

Burma: Vollmond auf der Shwe Dagon


Text und Fotos: Prof. Hans Först


Die höchsten Bauwerke Burmas, das seit 1989 Myanmar heißt, sind Pagoden. Eine überragt alle anderen und wird mehr verehrt als alle anderen: die Shwe Dagon in Yangon. Sie ist ohne Zweifel der absolute Höhepunkt einer Burmareise. "Sie ist," so meinte 1586 der englische Reisende Peter Fitch, "der schönste Ort auf Erden." Rudyard Kipling schreibt vom "goldenen Wunder am Horizont" und Somerset Maugham nennt sie "eine plötzliche Hoffnung der Seele in dunkler Nacht."

Beim Klang von tausenden goldenen und silbernen vom Wind bewegten Glöckchen wandern die Gläubigen barfuß auf den von der Sonne aufgeheizten Marmorplatten im Uhrzeigersinn um den 91 m hohen goldglänzenden Stupa. Asiens ältester, prachtvollster und heiligster Stupa erhebt sich aus dem Wirrwarr von Pagoden, Tempeln, Schreinen und Hallen. Im Glanz der Sonne erstrahlen Gold und Marmor zu jeder Tageszeit in einem anderen Licht. Doch immer strahlt dieses einmalige Gesamtkunstwerk eine zeitlose, vollkommene Schönheit und Ruhe aus, die einem den Atem nimmt und die man nur an wenigen Plätzen dieser Erde findet.

Jahrtausendelange Gläubigkeit ließ das Heiligtum zu einer Kostbarkeit werden, an der sich mehr Gold als in der Bank von England befinden soll und das in einem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört. Allein die 13 000 Goldplatten, mit denen der Stupa ab den Lotosblättern verkleidet ist, werden auf 60 t geschätzt. Ein wahrer Schatz befindet sich oben an der Spitze am typisch burmesischen Schirm aus purem Gold: 1090 Diamanten, 2317 Rubine und Saphire. Auf einer hohlen Goldgugel an der Spitze, die mit 4351 Diamanten mit einem Gesamtgewicht von 1800 Karat gefüllt ist, fängt ein 76karätiger Diamant die ersten und letzten Sonnenstrahlen ein. All dieser Reichtum gilt den Reliquien, die sich seit 2000 Jahren im Inneren des Stupa befinden sollen: acht Haare Buddhas.

Die Gläubigen verneigen sich dreimal vor den Statuen, einmal für Buddha, einmal für die Lehre und ein drittes Mal für die Mönchsgemeinschaft. Sie opfern Blumensträuße und farbige Papierschirme, schütten Wasser - einen Becher für jedes Lebensjahr - über die Marmorfiguren ihrer "Wochentagsbuddhas", die von vielen Händen und vom vielen Wasser im Lauf der Jahrhunderte ihre Konturen verloren haben. Andere meditieren mit geschlossenen Augen, ohne die Umgebung wahrzunehmen. Ketten lächelnder Frauen reinigen mit Besen und Eimer die Marmorplatten der "religiösen Verdienste" wegen. Dazwischen das Rot der Mönche, ständiger Hinweis, dass geistiger und materieller Besitz einander ausschließen. Auch Prozessionen mit kleinen Buben, die wie alle Jungen auf einige Zeit ins Kloster gehen, umkreisen das Heiligtum. Sie tragen Kronen und goldbestickte Kleider, da auch Buddha ein Prinz war, bevor er seine weltlichen Güter gegen das gelbe Tuch und die Bettelschale tauschte. Keine Hast, kein Stress.

Auch der Ursprung der Shwe Dagon wird wie vieles andere in Asien von einer Legende erklärt. Zwei Brüder, Kaufleute aus dieser Gegend, sollen vom Buddha acht Haare als Geschenk erhalten haben. Der König ließ sie hier am Singuttara-Hügel, auf dem schon die Reliquien früherer Buddhas verborgen waren, in einer goldenen Schatulle einmauern. Über diesem Schrein wurde ein Stupa aus Gold, Silber, Zinn, Kupfer, Blei und schließlich Ziegeln errichtet.

Am größten ist der Andrang der Pilger an Vollmondtagen, fanden doch alle wichtigen Ereignisse im Leben des historischen Buddha zu Vollmond statt. Wenn die untergehende Sonne den Himmel rot färbt, wechselt die Pagode von strahlendem zu dunklem Gold und dann zu Violett, bevor Scheinwerfer das Gold in dunkler Nacht wieder weithin erstrahlen lassen als Symbol einer fast unglaublichen und berührenden Gläubigkeit.

Dann beginnen Frauen die vorbereiteten, gespendeten Öllampen und Kerzen zu entzünden. Unzählige flackernde Lichter erhellen die Gesichter der Gläubigen und spiegeln sich im Gold der Pagode und im Marmor des Bodens. Dazu das Klingen von 1000en Glöckchen an den Pagodenspitzen, der schwere Duft von Blüten, Räucherstäbchen, Öllampen und Kerzen in der lauen Luft. Jeder, auch der Nichtgläubige wird sich hier der Kraft des Buddhismus bewußt.

Wenige, die davon nicht ergriffen sind und sich nicht in eine stille, dunkle Ecke zurückziehen, um sich dieser einmaligen Stimmung zu öffnen, die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und nach innen zu sehen auf der Suche nach dem eigenen Ich. Die Bilder rufen eine verborgene Sehnsucht wach, die irgendwo tief im Unterbewusstsein schon immer da gewesen ist. Am Ende einer weiten Reise steht die Erfahrung, was in dir ist.

« zurück zu den Reiseberichten


Reisen in diese Region:


Fotoalben aus dieser Region:

Myanmar (Burma)
Myanmar (Burma) II
Myanmar 09 I
Myanmar Manao 09 II
Myanmar - die Chin Stämme
Myanmar spezial 2010
Myanmar Chin Padaung 2013

Alle Reiseberichte aus dieser Region: