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Burma - das "goldene Land"


Text und Fotos: Prof. Hans Först


Goldene Pagoden, unterdrückte Menschen und eine berührende Gläubigkeit. Glanz und Elend im "Lieblingsland Buddhas", das heute Myanmar heißt.

Rangun, Hauptstadt der "Sozialistischen Republik der Union von Burma" mit inzwischen rund 2 Millionen Einwohnern die bei weitem größte Stadt des Landes, hat schon bessere Tage gesehen. Britische Baumeister verpflanzten vor etwa 100 Jahren London nach Asien. Die Innenstadt, in der die Kolonialherren residierten, sieht aus wie Bombay oder Madras. Aber seit etwa 50 Jahren wurde nichts an den alten Bauten renoviert, der Putz bröckelt ab.

Der Großteil der Bewohner lebt in niedrigen Hütten unter Palmen. Der wirtschaftliche Aufschwung, der Bangkok und Singapur in Weltmetropolen verwandelte, hat in Rangun erst vor wenigen Jahren begonnen. Nicht Hochhäuser sondern Pagoden waren bis vor kurzem die höchsten Gebäude der Stadt.

Farbenprächtig sind die Menschen. Ob Mann oder Frau, alle tragen Plastiksandalen und den Longyi, einen knöchellangen Wickelrock. Modebewußte Damen wählen bunt Gemustertes, die Herren greifen zum Karo. Über diesem luftigen und für die Tropen bestens geeigneten Kleidungsstück tragen die Damen eine Bluse, Herren eine Jacke.

Auffällig und anfangs ungewohnt ist die gelbe Farbe, die die mandeläugigen Mädchen und Frauen in den rundlichen Gesichtern aufgetragen haben. Es ist eine Paste, die man aus der Rinde des Thanaka-Baumes gewinnt. Dieses "Maka-up" schützt vor Sonne und soll die Haut weich machen.

Auf den Straßen herrscht trotz stinkender Bussen, japanischer Pick-ups, Mopeds und Rikschas eine Lebensart, die wir Europäer nicht mehr kennen. Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Probleme sind die Menschen freundlich, sie haben Zeit, denn ihr Leben ist nicht minutiös verplant. Die Religion lehrt sie Genügsamkeit, und die Aussicht auf ein neues, besseres Leben macht sie gelassen. Burma gehört dem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen nach zu den ärmsten Ländern der Welt, aber von Hunger oder Bettlern ist weit und breit nichts zu sehen.

Ganz Burma ist seit vielen Jahrhunderten von einer tiefen, für uns fast unfaßbaren Religiosität geprägt. Schon der berühmte indischen Kaiser Ashoka soll im 3. Jhdt.v.Chr. buddhistische Mönche in das "goldene Land" Suvannabhumi gesandt haben. Die Mission war ein voller Erfolg. Nichts im Leben geschieht ohne Religion. Es gibt z.B. nur wenige Burmesen, die nicht im alter von etwa 6 - 10 Jahren als Novizen in die Mönchsgemeinschaft aufgenommen worden sind. Die zukünftigen kleinen Mönche werden als Prinzen verkleidet und reiten auf prächtig geschmückten Pferden ins nächstgelegene Kloster. Verwandte halten seidene Schirme als Zeichen der Würde über sie. Dies erinnert an den historischen Buddha, der als reicher Königssohn alles herschenkte, um als Asket die Erleuchtung zu erlangen. Die anschließende Shinpyu-Zeremonie, bei der den Knaben die Köpfe geschoren werden und sie Mönchsgewänder und Bettelschalen erhalten, ist einer der wichtigsten Augenblicke im Leben der Burmensen.

Aber auch Erwachsene ziehen sich von Zeit zu Zeit in die Einsamkeit eines Klosters zurück, denn durch Meditation und gute Werke wird das Karma und damit die nächste Wiedergeburt günstig beeinflußt. Für die meisten dauert das Mönchsleben nur wenige Wochen. In ganz Burma gibt es etwa 800 000 Mönche, davon etwa 100 000 für das ganze Leben. Ein sozialistischer Staat aus einem Volk von Mönchen!
Jeden Morgen warten die Frauen vor ihren Häusern auf die safrangelb bis tiefrot gekleideten, kahlgeschorenen Mönche mit ihren schwarzglänzenden Bettelschalen. Aus ihren Töpfen verteilen sie Reis und Gemüse. Die Spender, nicht die Empfänger bedanken sich, denn sie haben dadurch ihr Karma verbessert.
Aber Burmas Buddhismus hat seine eigene Note. Überall im Land werden Nats verehrt, sie sind für alle Wehwehchen des Alltags zuständig. Diese Natur- und Ahnengeister stammen aus vorbuddhistischer Zeit, wurden aber in den Glauben integriert. Die 37 wichtigsten hausen auf dem Popa-Berg, einem erloschenen Vulkankegel.

Der burmesische Alltag ist geprägt von Aberglauben. Die Astrologie kennt 8 Wochentage (Mittwoch wird, damit sich die Rechnung ausgeht, als zwei Halbtage gerechnet) mit 8 Planeten und 8 dazugehörigen Tieren. Der Wochentag, an dem man geboren wurde, spielt eine wichtige Rolle. Eine Hochzeit zwischen Menschen z.B., die an einem Samstag und Donnerstag ihren Geburtstag haben, soll nicht gutgehen, da Ratte und Schlange sich nicht vertragen.

Viele Gebiete in Burma sind "unzugänglich", wie die offizielle Sprachregelung heißt, weil von aufständischen Stämmen kontrolliert. In dem Vielvölkerstaat, etwa achtmal so groß wie Österreich, leben 67 Volksgruppen, die nicht weniger als 242 Sprachen sprechen. Manche dieser Stämme in den Randlagen wollen ihre Unabhängigkeit. Die Rebellen finanzieren ihren Kampf mit dem Schmuggel und durch Rohopium. Im Nordosten, im Bergland der Shan liegt das Gebiet Burmas, das international am bekanntesten ist, nämlich der größte Teil des "Goldenen Dreiecks". Dort gedeiht Schlafmohn, aus dem in Urwaldlabors Opium und Heroin hergestellt werden. Geschätzte 700 Tonnen Rohopium pro Jahr, das sind rund zwei Drittel der illegalen Welt-Opiumproduktion stammen aus Burma. Eine unglaubliche Menge, da für ein Kilo Rohopium ca 20 000 Mohnkapseln notwendig sind.

Erstmals seit der Zeit der Engländer für Ausländer zugänglich ist in diesem Jahr Kengtung, die Hauptstadt des "Goldenen Dreiecks". 3 Tage in diesem ursprünglichem Gebiet ist einer der Höhepunkte einer Burma-Reise mit Joe Far Tours im Oktober dieses Jahres. Ein weiterer die Teilnahme am Pagodenfest am Inlesee, dem farbenprächtigsten Fest des Landes.

Eines der für Touristen schon lange offenen Gebiete ist der Inle See auf dem Shan-Plateau. Taunggyi ist eine der "hill stations" aus der kolonialen Vergangenheit. Hauptattraktion sind die schwimmenden Gärten und Märkte und vor allem die Inthas, die ihre flachen Boote mit einem Bein rudern. Während sie am Heck des Bootes stehen, ein Bein um das Paddel geschlungen, spähen sie nach Fischen. Haben sie einen entdeckt, stoßen sie einen etwa 2 Meter hohen aus Bambus geflochtenen Korb darüber und spießen dann den Fisch mit einer speerähnlichen Bambusstange auf.

Wer nach Pagan fliegt, fliegt in die Vergangenheit. Was hier König Anawrattha und seine Nachfolger in nur 200 Jahren bis zum Einfall der Mongolen im Jahre 1287 in der glühend heißen Ebene erbauen ließen, ist einmalig auf dieser Welt. Auf 47 Quadratkilometer entstanden 13 000 Pagoden, von denen noch rund 2000 erhalten sind, meist ziegelrot, gelegentlich mit einer weißen Spitze, das größte Freilichtmuseum der Welt. Schon Marco Polo berichtete von einem "der großartigsten Anblicke der Welt." Von manchen sieht man nur noch Ruinen, einige haben dicke Risse vom letzten Erdbeben, in anderen zeugen aufgestemmte Löcher von Schatzräubern, in manchen wiederum beten noch heute die frommen Pilger.

Der Tag in Pagan ist sicher der anstrengendste, denn Fotomotive gibt es genug, und die wichtigsten Bauwerke müssen ohne Schuhe und Socken bestiegen werden, denn Burmas Tempel sind alle heilig. Für viele Wohlstandsfüße oft der erste Hautkontakt mit der Erde seit langem!

Von den Plattformen hoch oben bietet sich ein grandioser Ausblick besonders morgens und abends. Soweit das Auge reicht Pagoden, nichts als Pagoden. Die Flächen dazwischen werden von Bauern genutzt. Mit knarrenden Ochsenkarren, die orangefarbene Staubwolken aufwirbeln, transportieren sie Wasser vom Irrawaddy auf die ausgedörrten Felder wie vor tausend Jahren. Läge Pagan nicht im abgelegenen Zentralburma, es wäre längst so überlaufen wie Gizeh oder Machu Picchu.

Mandalay wurde 1857 von König Mindon nach zwei verlorenen Kriegen gegen die Briten gegründet. Diese letzte Hochblüte burmesischer Kultur dauerte nur kurz. 1885 schickten die Engländer die burmesischen Könige ins Exil. 1886 wurde Rangun neue Hauptstadt, und 1945 zerstörten englische und amerikanische Langstreckenbomber das riesige Palastareal, eine Residenz aus vergoldetem Teakholz, die "Goldene Stadt" ging in Flammen auf. Dennoch ist Mandalay für Burmesen heute noch das religiöse und kulturelle Zetrum des Landes.

Mandalay und seine Umgebung, das sind Pagoden und Klöster mit tausenden Mönchen, das ist vor allem die Arakan-Pagode mit der ältesten Buddhastatue des Landes, mehr als 2000 Jahre alt. Tausende und Abertausende haben in gläubiger Verehrung jahrhundertelang ihre Goldplättchen auf die meterhohe Statue geklebt, sie unförmig werden lassen. Mandalay, das sind 1729 schweißtreibende Stufen hinauf zum Mandalay-Hügel (seit wenigen Jahren existiert für eilige oder faule Touristen ein Lift), das sind Männer, die mit schweren Hämmern Gold zu den hauchdünnen Blättchen klopfen, die Gläubige als Opfer auf Buddhas kleben, das sind Märkte, auf denen sich alles an Kunsthandwerk stapelt, was Burma zu bieten hat: Lackwaren, Marionetten, Holzschnitzereien, Bronzefiguren, Palmblattmanuskripte, Zierat aus Papier für Tempel und Feiern, Religiöses und Profanes, Kitsch und Kunst: "Just a look, sir!"

Der absolute Höhepunkt einer Burmareise ist ohne Zweifel die Shwe Dagon in Rangun, die meistverehrte Pagode Burmas, ein Weltwunder Asiens. "Sie ist," so meint 1586 der englische Reisende Peter Fitch, "der schönste Ort auf Erden", Rudyard Kipling schreibt vom "goldenen Wunder am Horizont" und Somerset Maugham nennt sie "eine plötzliche Hoffnung der Seele in dunkler Nacht."

98 Meter hoch ist der goldglänzende Stupa, der sich aus dem Wirrwarr von grellbunten Tempeln und Schreinen erhebt und acht Haupthaare des Gautama Buddha enthalten soll. Ein wahrer Schatz hängt hoch oben an der Spitze am typisch burmesischen Schirm: 1180 Diamenten, der größte von ihnen mit 76 Karat, 2317 Rubine und Saphire.

Die Shwe Dagon sollte man mindestens zweimal besuchen, einmal am Tag und noch einmal in der Zeit der Abenddämmerung, wenn die untergehende Sonne die Farben des Goldes von Minute zu Minute verändert. Beim Klang von tausenden goldenen und silbernen Glöckchen, die der Wind bewegt, wandern die Gläubigen barfuß auf den von der Sonne aufgewärmten Marmorplatten im Uhrzeigersinn um das Heiligtum, verneigen sich vor den Buddhastatuen, opfern Blumensträuße und goldene Papierschirme, schütten Wasser über die Marmorfiguren ihrer "Wochentagsbuddhas, die von vielen Händen und vom vielen Wasser im Laufe der Jahrhundert ihre Konturen verloren haben. Ketten lächelnder Frauen und Männder reinigen mit Besen und Eimer die Marmorplatten der "religiösen Verdienste" wegen. In der Luft der schwere Duft von Blüten, Gewürzen und Räucherstäbchen. All dies läßt auch den andersgläubigen Europäer andächtig werden, jeder, auch der Nichtgläubige, wird sich hier der Kraft des Buddhismus bewußt.

Die lange geübte Isolation und der Tourismus auf Sparflamme haben in Burma, dem "Lieblingsland Buddhas", eine Welt bewahrt, von der man gemeint hat, daß sie schon längst untergegangen ist. Burma ist so faszinierend, so geheimnisvoll asiatisch, so unberührt von westlicher Lebensart, so interessant und bunt wie wahrscheinlich kein anderes Land in Asien.

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