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Isfahan - die "Häfte der Welt" / "Spiegel des Paradieses“

Text © Prof. Hans Först

Was für ein Platz! 500 m lang und 150 m breit, 7x so groß wie der Markusplatz, auf allen Seiten von einheitlichen doppelstöckigen Arkadenhäusern umgeben, in der Mitte Wasserbecken, Rasen und Blumen. In den Himmelsrichtungen je ein beherrschendes Gebäude, das alles andere überragt:

im Norden das Portal zum ehemals kaiserlichen Bazar Quaisariye;

im Westen der Ali Kapu-Palast, von dessen großer, von 18 schlanken Holzsäulen getragener Terrasse die Herrscher Umzüge, Turniere und vor allem Polowettbewerbe beobachteten;

gegenüber im Osten die Masjid-i Lotfollah, benannt nach einem berühmten Gelehrten, das wahrscheinlich schönste und harmonischste Bauwerk des Iran: ornamentübersäte Wände, Arabesken und heilige Texte in weißen Kalligraphien, eine Pracht in Blau, Ocker, Türkis, Gelb;

und im Süden noch eine Steigerung, jedenfalls, was die Größe betrifft, die Masjid-e Shah, jetzt Masjid-e Imam. 50 m sind ihre Minarette hoch, 54 m mißt die Kuppel im Durchmesser, 18 Millionen Ziegel wurden verbraucht und 500 000 siebenfarbig glasierte Kacheln verwendet. Man weiß nicht, wohin man zuerst blicken soll, so verschwenderisch ist die Pracht der Fayencekacheln, so vielfältig sind die Ornamente, Gewölbestalaktiten und Lichtstimmungen. Der Gläubige soll, sobald er die Moschee betritt, eine Vorahnung von dem bekommen, was ihn beim Eintritt ins Paradies erwartet.

Der Meidan-e Shah, nach der Revolution zum Meidan-i Imam umbenannt, ist ein einmaliges Ensemble, einer der schönsten Plätze, die jemals geschaffen wurden, ein Platz, der mit Recht in die Liste der Weltkulturdenkmäler der UNESCO aufgenommen worden ist.

Die Pracht, denen Isfahan die Beinamen "Spiegel des Paradieses", "Perle Persiens" oder "Hälfte der Welt" verdankt, erhielt diese weitläufige Oase in der Wüste erst im 16. Jhdt., als Shah Abbas I, der bedeutendste aller Safawidenherrscher, seine Residenz an das Ufer der Zayande-Rud, des "lebensspendenden Flusses" verlegte, wo einst schon die Seldschukensultane regiert hatten. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten entstand eine weitläufige, sorgfältig geplante, märchenhaft schöne Stadt, ein architektonisches Gesamtkunstwerk.

Shah Abbas förderte Kaufleute und Handwerker, Wissenschaftler und Künstler, persische Kultur blühte wie nie zuvor. Fanatismus war diesem Shah fremd. Er holte militärische Berater aus Europa, ließ christliche Kaufleute, Engländer und Holländer, ins Land. Weil die christlichen Armenier bekannt für ihr handwerkliches Können, ihre Kunstfertigkeit und Geschäftstüchtigkeit waren, siedelte er 30 000 von ihnen aus Djolfa, heute an der Nordwestgrenze des Iran zur Republik Asarbeidschan, in Isfahan an. Das armenische Viertel am Südufer des Zayande-Rud trägt seitdem diesen Namen.

Abbas ließ die Viertel um die ehrwürdige Freitagsmoschee aus der Seldschukenzeit unangetastet. Auf der anderen Seite des Flusses um den Meidan-e Shah entstand eine Neustadt mit breiten, großzügig dimensionierten Straßen und Prachtbauten. Die Chahar Bagh-Allee, die "Straße der vier Gärten", führte vom Fluß zur Palastanlage, eine Prunkstraße mit einem Wasserkanal in der Mitte, auf beiden Seiten von prachtvollen Gärten und Gebäuden gerahmt. Der Nachtigallen Park mit dem Palast Hasht Behest, die Medrese Chahar Bagh und Chehel Sotun, der "Palast der 40 Säulen", erinnern noch an die vergangenen Zeiten.

150 Moscheen, an die 50 religiöse Schulen, zahlreiche Karawansereien und etwa 200 öffentliche Bäder beeindruckten die zeitgenössischen Reisenden; Shah Abbas erhielt den Beinamen "der Große".

Wer von Isfahan spricht, denkt auch an seine Brücken, die mehr sind als nur Straßen über den Fluß, an die Allah Verdi Khan z.B. mit ihren 33 Bögen oder die Pol-e Chubi, über die in safawidischer Zeit ein Kanal führte, der die königlichen Parkanlagen mit Wasser versorgte. Die architektonisch schönste und beliebteste jedoch ist die Khadju-Brücke mit ihren zweigeschossigen Bogennischen und den Arkadengängen, deren Bögen mit geometrischem Fliesendekor verziert sind.

Mehr als irgendeine andere Stadt im Iran hat Isfahan einen Abglanz seiner früheren Schönheit bewahrt und blieb ein Ort wie aus Tausendundeiner Nacht. Trotz seiner heute mehr als zwei Millionen Einwohner fehlen im Zentrum Hochhäuser. Die Palastanlagen wurden liebevoll restauriert, die Grünflächen sind gepflegt, die Chahar Bagh-Allee mit ihren Pappeln und Ahornbäumen ist noch immer der beliebteste Treffpunkt und Promenierplatz der Isfahani.

Auch heute noch schlägt das Herz Isfahans im Bazar. In den etwa 5 km langen, mit Ziegelgewölben und Pappelstämmen gedeckten Gassen tummeln sich Kebabköche, Fladenbrotbäcker, Händler, Handwerker wie Schmiede, Samowar- und Wasserpfeifenmacher, Brokat- und Teppichweber, Schuhmacher, Färber, Stoffdrucker und - seit der Tourismus zugenommen hat - Miniaturmaler, Souvenir- und Antiquitätenhändler.

Anders als viele Städte des Iran strahlt Isfahan Lebensfreude aus, es ist die einzige Stadt, in der man leben möchte. Hier ist nichts von dem Druck und der Uniformität zu spüren, die so charakteristisch sind für den heutigen Iran. Farben beherrschen das Stadtbild. Die Teehäuser unter den Brücken sind voll, fröhliche Menschen auf den Grünflächen und bis spät in die Nacht auf den beleuchteten Brücken. Die Isfahani sind offener und kommunikationsfreudiger als die übrigen Iraner. Sie sprechen die Fremden an, sind begierig zu erfahren, woher sie kommen und wie es ihnen im Land gefällt, stolz wird für Fotos posiert.

Noch zwei Tips: Wenn Sie nach Isfahan reisen, übernachten Sie im Abbasi-Hotel, einer ehemaligen, als Vier-Iwan-Bau errichteten Karawanserei. Die Räume sind zweigeschossig mit Spitzbogennischen um den quadratischen Innenhof mit Wasserbecken und prachtvollen Blumenbeeten angeordnet. Blumen und Wasser wie überall als Symbol des Paradieses.

Und Tee mit einem der schönsten Panoramen der Welt trinken Sie an der Nordseite des Meidan-e Imam. Links vom Eingang zum Bazar führt eine enge Treppe auf die Ziegelkuppeln. Dort liegt Ihnen die "Hälfte der Welt" zu Füßen.

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