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Südkorea-Reise

vom 3. bis 15. Mai 2007

Ein Reisebericht von Hans Jürgen Arnold

Unsere erste bewusste und beeindruckende Begegnung mit der koreanischen Kultur war eine Ausstellung in San Francisco im August 1979. Es war sicher eine der ersten großen Ausstellungen koreanischer Kunst in der westlichen Welt. Eine zweite Ausstellung 1985 in Köln vertiefte die Eindrücke. Seither hat uns das fernöstliche Land immer wieder interessiert, was in der Anschaffung einer ganzen Reihe von Büchern seinen Niederschlag fand, doch hat es 28 Jahre gedauert, bis eine Reise dorthin endlich zustande kam. Der Tag vor der Abreise in die Ferne versetzt einen noch immer in eine besondere Stimmung, auch wenn äußerlich alles mit oft genug erprobter Routine und Organisation abläuft. Es ist doch immer eine Zäsur, wenn man sich vom Alltag trennt und man alles danach ordnet, was noch zu tun ist und was bis nach der Reise warten muss, was mit muss und was hier bleibt. Der Traum in der Nacht vor dem Start ist ein wildes Kaleidoskop aus Fantasien und Bildern von vergangenen Reisen. Was werden wir erleben, wen werden wir kennen lernen, wie werden wir alles wiederfinden, Gedanken, die schnell verflogen sind, sobald es endlich losgeht.

Auf Umwegen erreichen wir den Frankfurter Flughafen. Nach dem Einchecken bummeln wir noch einige Zeit in der riesigen Anlage. Am Gate warten neue Tickets auf uns, wir haben ein upgrading in die business class, ohne dass wir wissen, welchem Umstand wir das verdanken. Später hören wir, das die economy class überbucht war, und man daher die erste Klasse aufgefüllt hat. So kommen wir in den Genuss der neuesten Ausstattung der business class des Airbus 340 / 600, der 345 Passagiere befördern kann, davon 66 in der Vorzugsklasse. Die zwei Meter langen Supersitze, die dreimal so viel Platz brauchen wie die Holzklasse, lassen sich per Knopfdruck bis in die Waagerechte ausfahren, bei Langstreckenflügen ein gewaltiger Vorteil für die alten Knochen.

Vor dem Einschlafen wird noch ein köstliches Abendessen zelebriert, ich wähle bibimbap, eine koreanische Köstlichkeit, die man sich aus fünf Gemüsen, zwei Gewürzen und Reis selbst durcheinander mischen muss. Bei der Seetangsuppe genügen dagegen zwei Löffel, um die Bekanntschaft zu beenden. Den Abschluss bildet ein Cocktail von viererlei Melonen sowie dreierlei Käsesorten, jeder Gang auf Tischtüchern und weißem Porzellan serviert, dazu Weine aus Chile und Südaustralien.

Nach elf Stunden Flug und sieben Stunden Zeitverschiebung kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages in Korea an. Der 2002 erbaute neue Flughafen Incheon liegt 70 Kilometer vom Stadtzentrum von Seoul entfernt auf einer Insel im Meer, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Hier treffen wir auf Frau Ko, unsere koreanische Reisebegleiterin, die jünger wirkt als sie ist und die uns immer wieder mit ihrem eigenwilligen und für uns doch so wichtigen Deutsch erfreut. Sie ergänzt sich bestens mit dem erfahrenen österreichischen Reiseleiter Johann Hauser, für den diese erstmals von Joe Far veranstaltete Tour natürlich auch Neuland bedeutet.

Im Krieg mit Nordkorea vor 55 Jahren mehrfach von beiden Seiten erobert und völlig zerstört, ist Seoul heute die zweitgrößte Stadt der Welt und eine der modernsten dazu. Hier ist die Bevölkerungsdichte doppelt so groß wie in New York. Früher nur auf die Nordseite des Han - Flusses beschränkt, erstreckt es sich jetzt auf beiden Ufern gleich weit. Die überall angegebene Einwohnerzahl von 11 Millionen wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Natürlich kann die Stadt auf ihrer ursprünglichen Fläche nicht mehr weiterwachsen, doch die Agglomeration liegt heute laut der neuesten Statistik bei 23,3 Millionen. Wir kreuzen den Han - Fluss, der hier eine Insel bildet, auf zwei großen Brücken, bis wir die Vabien II Suites im Westen der Innenstadt erreichen, die uns für die nächsten drei Nächte beherbergen werden.

Die Anfänge der Stadt gehen auf König Munjong zurück, der sich hier 1068 einen Sommerpalast bauen ließ. Die Stadtmauer aus den Gründerjahren umschloss ein Oval mit Stadttoren in den vier Himmelsrichtungen, von denen Namdaemun, das Südtor, als einziges bedeutendes Zeitzeugnis erhalten ist. General Yi, als König Teajo Gründer der Yi - Dynastie, macht sie 1394 zu seiner neuen Hauptstadt, die erst seit 1945 offiziell diesen Namen trägt, der nichts anderes als Hauptstadt heißt.

Nach einer Stunde Verschnaufpause fahren wir am Nachmittag auf extrem steil angelegten Straßen hinauf zum Seoul Tower auf dem 260 Meter hohen Hausberg Namsan, den Südberg, früher die Stadtgrenze, heute ein bewaldeter Hügel im Zentrum, von dem man bei gutem Wetter einen weiten Panoramablick über die Hauptstadt hat. Heute ist es aber leider so diesig, dass wir nur einen kleinen Teil davon sehen. Auf dem Hügel hat man einen 100 Meter hohen Aussichtsturm mit Lift erbaut, den man stolz zu den zehn höchsten Türmen der Welt zählt und neben die in Kanada, Sydney, Tokio, Mexico City, Paris, Berlin, Kuala Lumpur und Taipeh stellt, dabei aber mogelt, indem man hier die Höhe vom Meeresspiegel aus misst und dadurch mit 360 Metern im Vorderfeld ist, wer merkt das schon.

Seoul besticht durch seine schmucken Hochhäuser, seine Sauberkeit und die fröhliche Buntheit seiner Straßen. Wie schon auf der Fahrt in die Stadt fällt der überall anzutreffende Blumenschmuck und die gekonnte Anordnung von Natur-steinen an Mauern und Wegrändern ins Auge. Für den morgigen Kindertag werden überall dröhnende Verstärkeranlagen installiert, vor allem die Jugend wirkt in Kleidung und Musik stark amerikanisiert. Doch muss man dafür wohl Verständnis haben. Vom Meer umgeben und vom Norden abgeriegelt wie auf einer Insel isoliert, mit den großen Nachbarn China und Japan nach Jahrhunderte langer Unterdrückung traditionell verfeindet und vom unbekannten Europa 10 000 Kilometer entfernt, war das Land vom ersten Tag seiner Selbständigkeit auf Amerika als einzigen Freund und Verbündeten angewiesen und hat dessen Kultur als das Neue schlechthin ohne Alternativen zu kennen begeistert übernommen.

Itaewon ist ein Viertel der Antiquitäten - und Kuriositätenhändler, durch das wir nach dem Südberg noch ein wenig bummeln, bevor wir im Kalbi Restaurant zu einem Bulgoki - Abendessen einkehren. Kurz nach 19 Uhr sind wir wieder im Hotel und sinken todmüde in die Betten.

Nach dem Frühstück im Hotel - Buffet geht es als erstes zu dem neben dem Kyongbok Palast gelegenen Volkskunde - Museum. Auf dem Fußweg dorthin sind überlebensgroße Dorfgeister aus Holz aufgestellt, die man früher in den Dörfern als Beschützer anbetete, sowie als Großvaterfiguren titulierte Steinfiguren mit dicken Nasen, die nur auf der Insel Cheju vorkommen, daneben ein steinerner Tumulus. Links vor dem Museumsgebäude die merkwürdigen zwölf Tierkreiszeichen in Menschengestalt mit den jeweiligen charakteristischen Tierköpfen, was bei einigen, besonders bei Schlange, Hahn und Drachen, unfreiwillig komisch aussieht.

Im Museum viele schöne Panoramabilder vom Dorfleben in alter Zeit, vom Alltag der Adligen und der Bürger, Handwerkertätigkeiten, Marktszenen, Trachtengruppen und diverse Häuserformen, ich fotografiere so eifrig, dass ich den Anschluss zur Gruppe verliere. Unvergesslich bleibt die “Sommerfrau“ der koreanischen Bauern. Bei 45 Grad selbst in der Nacht wird die angestammte Ehefrau im Sommer ausquartiert und der Mann schläft stattdessen mit der “Sommerfrau“, einer mannsgroßen, locker geflochtenen Bambuspuppe, in die man etwas Wärme abstrahlen und doch das Gefühl haben kann, nicht ganz allein zu sein. Unterwegs werden derartige Bettgenossinnen noch verschiedentlich angeboten. Auch kleine Messer werden gezeigt, die brave junge Mädchen stets mit sich tragen mussten, um sich umbringen zu können, wenn ihre Tugend in Gefahr geriet. Das Messer gegen den Mann einzusetzen, der ihr Gewalt antun wollte, kam nicht in Frage, was einmal mehr die Fremdartigkeit koreanischer Sitten deutlich macht.

Zu Fuß gehen wir zum Kyongbok Palast, dem Palast der strahlenden Glück-seligkeit, in dem die koreanischen Könige bis 1907 in völliger Abgeschiedenheit von ihrem Volk residierten. Hier begeistert den Besucher bei den tempelartigen Palästen die Liebe zum Detail, auch wenn es sich nur um einen Wiederaufbau aus dem 19. Jahrhundert handelt. Der ursprüngliche Palast von 1396 wurde 1592 während der japanischen Invasion völlig zerstört. Wir sehen die zweistöckige Thron - und Audienzhalle Kunjong jon, der Bankettpavillon Kyonghoeru in der Mitte eines Teiches und die Residenz der Königin - Mutter.

Um 11 Uhr 30 beginnt ein historisches Schauspiel, das jedes Jahr nur einmal aufgeführt wird, auf dem großen Platz vor dem Kyongbokkung Palast und das mit mehreren hundert höfisch gekleideten Mitwirkenden in Dutzenden von historischen Festuniformen die Krönungszeremonie des dritten Yi - Königs Sejong (1418 - 1450) wiedergeben soll, die sich in strahlender Sonne über mehr als eine Stunde hinzieht. Immer wieder werfen sich die Laienschauspieler, die Hofbeamte, Militärs, Gelehrte und Priester darstellen und in Reih und Glied den ganzen Platz ausfüllen, auf Kommando vor dem neuen Herrscher auf den Boden, bunte Fahnen und Standarten umrahmen das Bild. Für uns zufällig anwesende Besucher ist es ein einmaliges farbenprächtiges Schauspiel, für die Koreaner ist es gelebte Tradition.

Mittags gibt es im Kaesong Traditional Restaurant am Tisch gegarte Nudeltaschen, die man sich aus dem Sud angelt. Danach bummeln wir eine halbe Stunde über die Mary Street in Insa dong, auf der sich am Samstag Nachmittag die Menschen in Scharen drängen. Insa dong ist mit seinen Läden und Galerien mit Antiquitäten und Kunsthandwerk, seinen Musikanten, Händlern und Gauklern eines der lebendigsten Viertel der Stadt. Weiter geht es zum Chogyesa (sa = Tempel), dem buddhistischen Haupttempel und Zentrum des Chogye - Mönchsordens, dem 80 Prozent aller Buddhisten Koreas angehören. Neben dem Tempel findet als Kontrastprogramm ein Volksfest statt. Der Himmel vor dem Tempel ist mit bunten Girlanden völlig zugedeckt, drinnen beten die Gläubigen, draußen jubeln die Kinder - es ist ja der Tag der Kinder heute - einem Zauberkünstler im weißen Frack zu, der die bekannten Kunststücke perfekt beherrscht. Vor dem Tempel bewundern wir eine ehrwürdige 500 Jahre alte chinesische Weißrinden - Kiefer neben einer ebenso alten kleinen Pagode und einem neuen kleinen dicken Buddha davor.

Als Zusatzprogramm besichtigen wir dankenswerterweise noch das erst im November 2005 eröffnete neue Nationalmuseum im Süden in einer Schleife des Han - Flusses gelegen, ein 400 Meter langer Bau, der schon von der Architektur von außen wie von innen einen schier überwältigenden Eindruck macht. Es hat das alte Museum in dem von den Japanern errichteten ehemaligen Kapitolgebäude ersetzt und wird sicher dem Nationalstolz der Koreaner Genüge leisten. Innen haben die Schätze des Landes ein würdiges Zuhause gefunden. Wir beginnen im dritten Stock mit dem im 7. Jahrhundert im Paekche - Reich entstandenen Maitreya, dem kostbarsten Stück des Hauses. Auf einem Thron sitzend, ruht der rechte Fuß des Buddha auf dem linken Oberschenkel, gedankenvoll sinnend stützt er den Kopf mit sanftem Lächeln auf seinen Finger der rechten Hand. Im zweiten Stock asiatische Bilddarstellungen und von Spendern gestiftete Sammlungen, die neben vielem Schönen auch Zweitklassiges zeigen. Unten schließlich die herrlichen goldenen Königskronen aus der Silla - Zeit des 6. Jahrhunderts, die mit ihren stilisierten Bäumen und geweihartigen Flügeln mehr durch ihre spirituelle Kraft als durch künstlerische Schönheit wirken, und mancher andere Goldschmuck, insgesamt ein begeisterndes Ensemble, in dem man einen ganzen Tag verbringen könnte.

Während 1-2 Stunden nehmen wir auf dem Zimmer einen Imbiss ein - wir sind mit Küche und Geschirr komplett eingerichtet - und rüsten uns zum Besuch des Chongdong Theaters, in dem nationale koreanische Folklore geboten wird. Den Auftakt bildet eine Kapelle von acht Musikern mit der uns so fremden asiatischen Musik. Es folgt eine gesungene Legende von Liebe und Treue, von der wir natürlich kein Wort verstehen, dann eine schmissige Show von sieben Mädchen, die in perfekter Formation jeweils fünf Trommeln bedienen und später noch einmal mit einem entzückenden Fächertanz begeistern. Absolute Spitze sind fünf junge Männer, die virtuos fünf verschiedene Trommeln und Gongs in rasenden Rhythmus versetzen und dazu noch akrobatische Einlagen bieten und mit an den Köpfen befestigten Bändern wilde Kreise schlagen, ein aufrüttelnder Abschluss eines übervollen Reisetages.

Im Jongmyo Ahnenschrein im Changyongwon Palast, der zum Unesco Weltkulturerbe der UNESCO zählt, findet nur am ersten Sonntag im Mai, also heute, das königliche Ahnenritual statt. Im Jongmyo befinden sich 49 Gedenktafeln von 16 Königen und ihren Frauen in Schreinen, die nur einmal im Jahr geöffnet werden, um mit den Geistern der Toten in feierlicher Zeremonie zu kommunizieren. Auf dem Weg dorthin durch den Park stehen Damen in verschiedenfarbigen Festgewändern und bewachen den Steinweg, der den Geistern der Ahnen vorbehalten ist.

Auf dem Hof des Tempels sind schon Tausende von Zuschauern versammelt, die, wenn überhaupt, die Akteure nur von hinten zu sehen bekommen. An der Zeremonie selbst nehmen nur Angehörige der Yi - Dynastie in schwarzen Festgewändern teil, von denen es aber eine stattliche Anzahl zu geben scheint, einige von ihnen stehen selbst schon den Ahnen sehr nahe und haben größte Schwierigkeiten, mit den Knieen auf den Boden zu kommen und sich lang hinzustrecken. Daneben Hunderte von Musikern und Sängern in bunter Kleidung. Zielstrebig arbeite ich mich langsam und unauffällig an der rechten Seite nach vorn, um eine ordentliche Fotoposition zu erlangen. Als sich die Umgebung an mich gewöhnt hat, wage ich den Aufschwung auf die obere Plattform, einer der Festordner ist mir sogar beim Erklimmen der Empore rührend behilflich, ich sitze direkt vor der Lautsprecheranlage, habe einen hervorragenden Arbeitsplatz und einen perfekten Überblick über das Geschehen, das Tele bringt die Zeremonie in unmittelbare Nähe, ich bin hell begeistert. Auch wenn man wenig von dem Geschehen versteht, die höfische Tradition und das konfuzianische Ritual beeindrucken auch ohne Worte. Gegen Ende gelingt mir noch ein Portrait von dem Nachfahren, der die Rolle des Königs zu spielen hatte, als er sich in einem kleinen, nur für ihn errichteten Zelt ausruht, ich verneige mich vor ihm und er lächelt huldvoll, ohne seinen quadratischen Hut mit den Perlenschnüren hinten und vorn zu bewegen, die Bilder würden jeder Reportage zur Ehre gereichen.

Die zweite Station dieses Vormittags ist der 1405 unter König Taejong erbaute und Anfang des 17. Jahrhunderts nach der japanischen Invasion restaurierte Changdok Palast, dem Palast der erlauchten Tugend, gleichfalls Unesco - Weltkulturerbe, der besterhaltene der fünf Paläste Seouls, eine architektonisch wunderbare und hervorragend gepflegte weitläufige Anlage, die nur in Führungen besucht werden darf, was den Vorteil hat, das einem keine Touristen im Bild stehen. Man betritt die Anlage über die gewölbte Kumchongyo Steinbrücke, die älteste Brücke Seouls, und durch ein Tor. Wieder schwelgt das Auge in Bildern einer perfekten Harmonie von Palastbauten und Gärten. Die Paläste in Korea - wie auch die großen Klöster - bestehen aus einem Ensemble meist einstöckiger verschieden großer Bauwerke - oft 30 bis 40 an der Zahl -, die durch ineinander übergehende freie Räume verbunden sind, sodass sie auf einen Blick eigentlich nur aus der Luft erfasst werden könnten. Wir sehen die Audienzhalle Injongjon, die Festhalle Sonjongjon, die Schlafgemächer Daejojon, den Teich Aeryonji und viele andere versteckte Schönheiten. Hinter den Palastbauten liegt Huwon, der Bezirk der ausgedehnten geheimen Gärten mit dem malerischen Pujong - Teich, den man auf dem Rückweg durchquert. Beim Park-ausgang fällt ein riesiges, derzeit trockenes ausbetoniertes Flussbett auf, das in der Regenzeit gebraucht wird, wenn im Juni/Juli 50 Prozent der jährlichen Nieder-schlagsmenge herunter gehen. Mittags kehren wir in einem traditionellen Restaurant zum shabu shabu ein, in Brühe mit Gemüse kurz gekochte hauchdünne Rindfleischscheiben, eine weitere koreanische Spezialität.

Das Nachmittagsprogramm führt uns zur Festungsanlage Hwaseong in Suwon aus dem späten 18. Jahrhundert, das dritte Unesco Weltkulturerbe des Tages, auch das ein zweifellos kaum zu überbietender Rekord. Es handelt sich um einen riesigen Mauerkomplex, der sich mit zahlreichen Bastionen, Türmen und Wasserschleusen über 5,8 Kilometer erstreckt, die voll zu umlaufen keiner mehr Lust hat. Die Anlage hat manche schöne Partien, ist aber als Ganzes nicht zu überschauen und fügt sich nur schwer zu einem Bilde, zumal sie an vielen Stellen von den Straßen der modernen Stadt durchbrochen ist, als Weltkulturerbe hatte man sich etwas mehr davon versprochen, man ist aber vielleicht auch schon von dem vorhergehenden übersättigt. Auch eine Rundfahrt durch die Stadt mit einem verfallenen Königspalast im Hintergrund und die story von einem Königssohn, den sein misstrauischer Vater in einen Reiskasten sperren und dort verhungern ließ, vermögen uns für Hwaseong nicht mehr zu begeistern.

Zurück in Seoul besuchen wir Namdaemun, das große Südtor aus dem 14. Jahr-hundert, den letzten Zeugen aus der Gründungszeit und Nationalschatz Nr.1, heute zwischen spiegelnden Wolkenkratzern fast erdrückt. Danach bummeln wir über den Namdaemun - Markt mit einer Fülle farbenfroher Bilder, auf dem es bei aller Enge doch recht wohlgeordnet zugeht. Nach elf Stunden sind wir wieder im Hotel, haben einen weiteren intensiven Tag hinter uns und strapazieren den Geist noch mit Postkarten schreiben.

Nach einem guten Frühstück im Vabien geht es um 9 Uhr auf die Strecke. Ziel ist der Songnisan Nationalpark, den wir über Autobahn und Landstraße nach 180 Kilometern gegen 12 Uhr 30 erreichen. Die insgesamt 20 Nationalparks, von denen wir fünf kennen lernen werden, haben für Korea große Bedeutung, sie bedecken immerhin 3,7 Prozent der Landesfläche. Unterwegs fahren wir an koreanischen Bussen vorbei, in denen die Gäste in den Gängen tanzen. Karaoke ist der große Schrei im ganzen Land, jeder Bus ist mit einer aufwendigen Ton - und Video - Anlage ausgestattet. Klar, dass auch wir die in unserem Bus etablierte Anlage zum fröhlichen Klingen bringen, was jedoch einer einzelnen Teilnehmerin missfällt und von ihr vehement gestört wird. Sie erweist sich zum Glück als die einzige Fehlbesetzung in der ansonsten sehr harmonischen Gruppe und hat sich durch ihr Verhalten selbst isoliert. Das Mittagessen besteht aus 28 Schüsselchen mit mehrheitlich undefinierbarem Inhalt, die alle kaum auf jedem Vierertisch Platz haben, sie enthalten marinierte Gemüse und Wildkräuter aus den Bergen, Pilze, winzig kleine Fische, Seetang und anderes, bei vielem weiß man auch hinterher genau so wenig, was es war, aber jedenfalls ist es ein kulinarisches Erlebnis.

Das einige hundert Meter entfernte Popjusa Kloster, das auf das Jahr 553 zurückgeht, liegt von bewaldeten Bergen umgeben, in malerischer Landschaft auf einer weiträumigen Fläche im 254 Quadratkilometer großen Songnisan Nationalpark, der zu den acht nationalen Naturdenkmälern Koreas zählt. Das Prachtstück des früher 3000 Mönche beherbergenden Klosters war eine 27 Meter hohe Buddhastatue aus Stein mit quadratischem Hut, die in den Sechziger Jahren irreparabel in sich zusammen gefallen ist und durch einen 33 Meter hohen vergoldeten stehenden Buddha Maitreya aus dem 20. Jahrhundert aus Bronze ersetzt wurde, der mit 80 Kilogramm Gold bedeckt sein soll. Zentralpunkt des Popjusa ist die beeindruckende fünfstufige Holzpagode Palsangjon aus dem Gründungsjahr mit acht Wandmalereien, die im 17. Jahrhundert wiedererrichtet wurde. Im hinteren Bereich zwei 23 und 19 Meter hohe Tempelhallen mit drei sitzenden Buddhafiguren. Eine Steinlaterne von 720, von zwei gegeneinander stehenden Löwen getragen, wird als Nationalschatz Nr. 5 gezählt, ein Weihwasserkessel aus Stein und ein Reiskessel aus Eisen mit 2,30 Meter Durchmesser sind weitere Sehenswürdigkeiten der Klosteranlage, die in ihrer schlichten Ruhe jeden Besucher für sich einnimmt.

Eine anfangs größere, am Ende auf sieben Personen reduzierte Gruppe macht noch eine Wanderung durch die herrliche Bergwaldlandschaft, bei der wir nach einigen Kilometern in der Einsiedelei Talgolam landen, ein moderner Ort der Meditation an der Stelle eines Klosters aus dem 7. Jahrhundert, in dem sich zurzeit nur eine einsame Nonne von etwa 25 Jahren aufhält. Als wir ihr unser ursprüngliches Wanderziel nennen, erklärt sie sich überraschend bereit, uns per Auto dorthin zu bringen und holt einen geräumigen Landrover aus der Garage, in dem wir alle acht Platz haben. Gemeinsam geht es bergab und längere Zeit an einem Bachbett entlang. Als der Weg wieder ansteigt, verlässt sie der Mut, sie fühlt sich offenbar nur auf ihrer Hausstrecke sicher, wahrscheinlich hat sie keinen Führerschein, im abgelegenen Wald gibt es wohl auch niemanden, der ihn ihr abnehmen könnte. Für uns wird die Zeit zu knapp, das Ziel zu Fuß weiter zu verfolgen, denn um 18 Uhr beginnt die abendliche Tempelzeremonie im Popjusa, zu der wir nach einem Geschwindmarsch gerade noch rechtzeitig kommen. Die graugewandeten Mönche - außerhalb des Klosters tragen sie zu ihrer grauen Kutte noch einen breitkrempigen gelben runden Strohhut - schlagen abwechselnd die große Trommel in schnellem Rhythmus, lassen die große Glocke mittels eines Holzbalkens erdröhnen und füllen dann die große Halle mit ihrem Gesang, wie sehr sich doch die Rituale der verschiedenen Religionen ähneln. Ein anrührend freundliches Bild sind die im Flussbett, das sich vor dem Tempel hinzieht, zu Tausenden aufgeschichteten Steinmännchen. Die nächste Regenzeit wird sie alle wieder wegreißen, aber davon lässt sich hier niemand entmutigen. Ein abendlicher Bummel durch den zurzeit an Gästemangel leidenden Ort schließt den Tag ab, das Lake Hills Hotel sorgt für eine angenehme Nachtruhe im schönen Park.

Durch der Mitte der Halbinsel geht die Fahrt von Nord nach Süd über 180 Kilometer vom Songnisan zum Kayasan Nationalpark, der tief in den in den Bergen liegt. Das Mittagessen ähnelt dem gestrigen, die Koreaner lieben die vielen kleinen Schüsselchen, aus denen man sich gemeinsam zu viert bedient, auch das Sitzen auf dem Boden gelingt uns von Tag zu Tag besser. Zum Haein Tempel hinauf nehmen wir diesmal zu viert ein Taxi und sparen uns die Kräfte für die Besichtigung. Der Haeinsa ist einer der vier bedeutendsten der 7000 Tempel des Landes, in den neben Buddha auch noch immer die San shin, die Geister der Berge verehrt werden. Hier wird der Tripitaka Koreana aufbewahrt, der wiederum zum Weltkulturerbe der Unesco zählt, eine Sammlung von 81 258 beidseitig beschnitzten Druckstöcken aus dem 13. Jahrhundert, jeweils 70 Zentimeter lang und auf jedem Stock 6 444 Buchstaben. Nachdem die erste Tripitaka - Sammlung bei dem Mongoleneinfall von 1232 zerstört worden war, wurde sie von 200 fleißigen Mönchen in 16 Jahre währender Arbeit ein zweites Mal geschnitzt. Sie stellt einen der größten Kulturschätze des Landes dar.

Schon das Eingangstor Iljumin überzeugt mit seiner Position am Ende eines langen Treppenaufgangs. Das Innere eines jeden Eingangstors beherrschen die vier Himmelskönige in bunten Gewändern mit ihren typischen Attributen und grimmigen Gesichtszügen. Gleich neben dem Eingang der Trommelturm mit den vier Geräten Trommel, Glocke, Gong und Karpfen, der mit einem Schlegel zum Klingen gebracht wird. Leider wird der Tempel gerade in Teilen renoviert, da einige der alten Hallen vom Holzwurm befreit werden müssen, außerdem sind in Vorbereitung von Buddhas Geburtstag, in diesem Jahr am 25. Mai, überall Drähte zum Aufhängen von Lampions gespannt, was dem Fotografen einige Hindernisse in den Weg stellt, dennoch gelingen wunderschöne Aufnahmen. Die Halle des großen Lichts strahlt ihre Würde aus und die Atmosphäre des heiligen Ortes geht auf uns über. Beschaulich ist der Rückweg zu zweit über drei Kilometer größtenteils bergab zum Haeinsa Tourist Hotel, ein paar Einkäufe in dem verschlafenen Städtchen und ein geruhsames Aufarbeiten des Erlebten in unserem Hotelzimmer beenden den Tag.

Wir beantragen, den gestern abend von uns herausgefundenen Pomo Tempel nördlich von Pusan zusätzlich in das Programm aufzunehmen, die Reiseleiter sind einverstanden. Bei einer sogenannten technischen Pause fällt uns auf, dass an jeder Autobahnraststätte in einem durchsichtigen Verschlag aus Kunststoff ein Kinderwagen, ein Rollstuhl und zwei Krücken für jeden gratis bereit stehen, ein toller sozialer Service. Und die blitzsauberen Toilettenanlagen bieten 40 Männern nebeneinander Stehplätze an. Lange führt die Autobahn an der drittgrößten Stadt des Landes, Taegu, vorbei, die eine beträchtliche Ausdehnung hat. Ganze Häuserblöcke werden hier gleichzeitig nebeneinander hochgezogen. Taegu hat zwei Dutzend Universitäten und war seit jeher ein Handelszentrum. Bescheidenheit scheint hier fremd zu sein. Eine Tae Yang Electronic Company nennt sich schlicht und einfach Global Leader.

Um 12 Uhr 30 sind wir im Pomosa - neuerdings schreibt man ihn Beomeosa - , dem Tempel des “Fisches aus dem Nirwana“, und suchen zunächst den Speisesaal des Klosters auf, wo jeder, der will, ein reichliches Mittagessen für umsonst bekommt, eine Spende ist freigestellt, ein Euro ist üblich, wir sind überrascht über eine so großzügige Bewirtung. Vier Tore führen über steile Treppen hoch hinauf zum Kloster, das kleiner ist als die beiden vorigen. Es stammt aus dem 9. Jahrhundert, wurde überwiegend im 18. Jahrhundert erneuert und strahlt eine wunderbare Stimmung aus. Immer wieder verlocken die Tempel zu Aufnahmen innen und außen. Die dreistufige Steinpagode stammt noch aus dem 9. Jahrhundert. Nur schwer können wir uns von dem heiligen Ort wieder lösen.

Im Norden Pusans biegen wir an die Küste im Osten ab, wo die Strände Haeundae und Gwangalli im Sommer Millionen sonnenhungriger Gäste anlocken. An letzterem ist unser Homers Hotel, wo wir von unserem Zimmer im 12. Stock einen herrlichen Blick über die Bucht und die über sie in weitem Bogen hinweg führende sieben Kilometer lange zweispurige Autobahn über dem Wasser haben, ein ungewöhnlicher Anblick. Um 15 Uhr 30 geht es nach Süden in die Stadt hinein, der Fahrer hat einen harten Tag. Pusan ist eine lärmende, geschäftige, turbulente Hafenstadt mit 3,75 Millionen Einwohnern. Der Jagalchi Fischmarkt von Pusan in einem supermodernen Neubau ist einer der modernsten der Welt. Millionen von Meeresbewohnern aller Größen und Arten warten hier auf ihr Ende in irgendeinem Kochtopf oder Grill, die meisten noch lebend in riesigen Becken mit fließendem Wasser, auch nicht der Hauch eines üblen Geruchs schwebt über dem Ganzen. Bei aller Modernität aber auch eine makabre Szenerie, doch ist das übervölkerte Korea auf Seafood dringend angewiesen und die Meere rundherum bieten genug davon.

Nächste Station ist der Taejongdae Park auf der Halbinsel Yongdo sieben Kilometer weiter vom Meer umgeben. Man hat aus dem Südteil der Halbinsel einen Vergnügungspark gemacht, der mit einem halbstündlich verkehrenden Chu Chu Train befahren werden kann, man kann die drei Kilometer lange Strecke auch laufen, aber nicht vom vorgegebenen Weg abweichen, da die Felsen fast senkrecht nach oben und unten gehen, oder aber einen Zug überspringen und von einer Haltestelle zur nächsten gehen, was wir tun. Das Ganze ist ein eher kindliches Vergnügen, die Enkel wären sicher begeistert, wenn sie dabei wären, aber auch hier wieder ist es wie alles, was wir im Land bisher gesehen haben, perfekt organisiert. Gegen Abend setzt erstmals, seit wir da sind, leichter Regen ein. Zum Abschluss des Tages kehren wir wieder im Fischmarkt ein, dessen obere Etage ein riesiges Restaurant mit der Atmosphäre eines Bierzelts darstellt. Wir sitzen koreanisch mit unbeschuhten Füßen, die Beine lang unter die niedrigen Tischchen gestreckt und lassen uns von den vielen Meeresspezialitäten überraschen, die allerdings nicht immer so richtig Freude aufkommen lassen. Aber ein paar Gläschen Soju - Schnaps steigern die Stimmung, und man möchte, wenn man ans Hochkommen denkt, am liebsten gar nicht mehr aufstehen. Die Heimfahrt zieht sich lang durch die bunt beleuchtete Stadt.

Heute dauert es mit dem Frühstück, wir kommen erst mit Verspätung los. Kurz nach 10 Uhr sind wir in Tongdosa, 30 Kilometer nördlich von Pusan, einem 646 gegründeten Kloster, das als heilige Reliquie einen Knochen Buddhas verwahrt. Tongdosa ist der größte buddhistische Tempel des Landes und gilt - neben Pulgugsa, Haeinsa und Songgwang (südöstlich von Kwangju) - als eines der vier bedeutendsten kostbaren Heiligtümer im Land. Trotz vieler Besucher ist es ein Ort der Ruhe, in die wir eintauchen. Die 35 Hallen und Schreine stammen zumeist aus dem 17. Jahrhundert und sind von erhabener Schönheit. In mehreren finden gleichzeitig Zeremonien statt, herrliche Fotomotive drängen sich förmlich auf, alle sind voller Begeisterung, als wir nach fast zwei Stunden weiter fahren.

Kyongju, die einstige Hauptstadt des Silla - Reiches war Residenz von 56 Königen und wurde als Ganzes zum Unesco Weltkulturerbe und darüber hinaus zu den 10 bedeutendsten historischen Stätten der Welt erklärt. Wir halten bei den Tumuli - Hügeln der frühen Silla -Könige, von denen 20 in einer gepflegten Waldlandschaft liegen. Kyongju wird auch als das “Rom“ Koreas bezeichnet, doch tragen solche Vergleiche mehr zur Vernebelung der Begriffe als zur Erläuterung bei. Aus den freigelegten Gräbern wurden kostbare Funde geborgen. Die grasbewachsenen Grabhügel mit Höhen bis zu 34 Metern und Durchmessern von 110 Metern sind 1500 Jahre alt und haben aufgrund ihrer Anlageform die Grabbeigaben gut über die Zeiten bewahrt. Die Goldfunde sind einmalig für Ostasien und nur mit denen der Skythen in Südrussland vergleichbar. Der einzige noch begehbare Tumulus, das Grab des himmlischen Pferdes, gibt einen Einblick in die Konstruktion und ist mit Repliken als kleines Museum eingerichtet. Hier greift Korea auf die ältesten Spuren seiner Geschichte zurück.

Zu Mittag verzehren wir den Kuchen, den uns das Hotel in Pusan als Kompensation und Versöhnungsgeschenk für das verspätete Frühstück mitgegeben hatte. Dann geht es zu Fuß zum flaschenförmigen, neun Meter hohen Chomsongtae Observatorium von 640, das zunächst wie ein Ziegelei - Brennofen aussieht, dann aber nach und nach seine symmetrische Anordnung offenbart. 30 Steinreihen übereinander symbolisieren die Mondumläufe, zwölf Steine in einer Reihe die Monate, sodass jeder Stein einem Tag im Jahr entspricht, alles ist voll magischer Bedeutung und diente nicht optischer Sternbeobachtung, sondern kultischen Zeremonien, die auf der obersten Plattform stattfanden.

Der nächste Besuch gilt dem Nationalmuseum von Kyongju mit der 25 Tonnen schweren Glocke mit dem Namen Emille davor, der größten je gegossenen, deren Guss erst gelang, als ein Mädchen dafür geopfert wurde, um die Erdgeister zu versöhnen. Die modernen Museumsbauten liegen in einer ausgedehnten Anlage und sind von höchstem Niveau. In der Anapji - Halle sind Funde aus dem vorübergehend trocken gelegten See eines zerstörten Palastbezirks ausgestellt, im Hauptgebäude die Schätze aus der goldenen Zeit des Silla - Reiches. Abschließend schlendern wir noch durch die stimmungsvollen königlichen Gärten beim Anapji Pond, wo rund um den Teich drei Pavillons wieder errichtet wurden, ein harmonischer Abschluss eines mit viel Historie angefüllten Tages. Nach dem Einchecken im erstklassigen im Kolon Hotel fahren wir nach einer guten Stunde zu einem koreanischen Abendessen in fröhlicher Stimmung.

Nach einem vorzüglichen Frühstück im Kolon Hotel fahren wir zum nahe gelegenen Pulguk Kloster (Land des Glücks) an den Hängen der Tohamsan Berge. Man nähert sich den 80 Tempeln und Hallen über sanft geschwungene Kieswege und steinerne Brücken, schließlich durch ein schön geschnitztes Tor, Pulguksa ist gleichzeitig ein Museum und eine Stätte religiöser Verehrung. Leider leidet die Ruhe doch sehr unter dem Ansturm von Schulklassen. Dennoch gelingt es mit etwas Geduld, die beiden berühmten zierlichen Pagoden Sokkatap und Tapotap im ersten Innenhof und viele andere schöne Details gut aufs Bild zu bekommen. Sie stehen als Kleinodien der koreanischen Kunst sie auf Platz 20 und 21 auf der Liste der Kunstschätze des Landes. Auch die fünfte der sechs großen Sakralanlagen Koreas ist ein Juwel und ein echtes Erlebnis.

Danach besuchen wir eine Töpferei, die im alten Silla - Stil arbeitet und schauen dem Entstehen einer Vase zu, bis sie zum Brennen fertig ist. Hier lassen wir uns zum Kauf von zwei Teetassen im Stil der Koryo - Zeit verführen. In einem einfachen Selbstbedienungs - Restaurant gibt es zu Mittag eine unglaubliche Auswahl an Gerichten, schon allein das Auswählen macht einen Riesenspaß.

Sechs Kilometer weiter der Sokkuram Grottentempel auf dem heiligen Toham - Berg in 600 Metern Höhe in schöner Bergwelt gelegen, zusammen mit dem Pulguksa Weltkulturerbe. Vom Parkplatz wandert man auf einem beschaulichen Weg auf gleicher Höhe etwa 10 Minuten und anschließend etwas mühsam über viele Stufen von Natursteinen, bis man abrupt vor dem Allerheiligsten steht, einer 3,26 Meter hohen Buddha - Statue aus weißem Granit aus dem 8. Jahrhundert von bezwingender Ausstrahlung und mit einem Lächeln, das nicht von dieser Welt ist. Zuweilen soll ein Sonnenstrahl das Juwel auf seiner Stirn zum Erleuchten bringen. Leider wird man von dem Kunstwerk durch eine Glasscheibe auf 10 Meter Abstand gehalten, sodass man kaum etwas von den umgebenden Skulpturen sehen kann. Ein Zerberus wacht darüber, dass man auch ohne Blitz nicht durch die Glassscheibe fotografiert.

Gegen vier Uhr nachmittags kommen wir im Kloster Golgulsa an, in dem wir die Nacht verbringen werden. Das Kloster geht auf das 6. Jahrhundert zurück, war jedoch abgebrannt und in Vergessenheit geraten und ist erst vor einiger Zeit von einem Meister der Sunmodo - Kunst wieder ins Leben gerufen. Sunmodo, die Kampfkunst des Zen - Buddhismus, ist die koreanische Version des inzwischen sehr popularisierten japanischen Taekwondo, und wird in einigen Klöstern der Chogye als “meditation in motion“ praktiziert. Das Kloster liegt steil aufwärts führend in einem engen Tal. Die Männer haben zu fünft einen kahlen Schlafraum mit geheiztem Fußboden, auf dem man auf einer dünnen Matte, damit die von unten kommende Wärme nicht verdeckt wird, Schlaf zu finden versuchen soll. Die Damen haben ihren Schlafraum im Stockwerk darüber, eine Verbindungstreppe existiert nicht, das Schlafen bleibt wie das Essen streng vegetarisch. Letzteres findet schweigend in einem Raum mit vier niedrigen Tischen statt, vor denen man auf dem Boden sitzt, die Kost ist von karger Einfachheit. Zuvor steigen wir noch zur obersten Halle empor und lassen uns die Anlage von einem jungen Norweger auf Englisch erklären. Allein klettere ich noch zu dem aus dem Felsen herausgehauenen Maya Thatagata Buddha herauf, dem einzigen Überrest des alten Klosters. Um 19 Uhr ist ein Meeting in der Sporthalle, in der Männlein und Weiblein in zwei Gruppen durch den Mittelgang getrennt zunächst mit leichten Entspannungsübungen beginnen. Bei den anstrengender werdenden Aufgaben wird die Zahl der Teilnehmenden immer kleiner, bis am Schluss nur noch die angehenden Meister des Sunmodo in wilden Sprüngen durch die Halle toben, die Körperbeherrschung bei diesen Aktiven ist frappierend, und dabei haben sie erst die unteren Ränge ihrer Kampfkunst erreicht.

Den Weckruf um 4 Uhr morgens überhöre ich und schlafe bis 7 Uhr weiter. Evelyn hatte aus gesundheitlichen Gründen das einzige Bett des Klosters bekommen, doch brauchte man sie darum nicht zu beneiden, denn es handelte sich nur um eine Pritsche im Krankenzimmer, die so schmal war, dass man bei jeder Drehung befürchten musste, herunter zu fallen, temple stay ist halt Komfortverzicht. Nach dem schweigsamen Frühstück haben wir noch einen Tee - Empfang bei dem 53 - jährigen Abt und Klostergründer Seol Jeog Un. Wir erfahren von ihm manches Interessante über die Besonderheiten des koreanischen Buddhismus und die zölibatäre Chogye - Sekte, die in der in diesem Kloster gepflegten Variante das harte körperliche Training auf dem Weg zur Erleuchtung gleichwertig neben das geistige stellt und nicht dem Dalai Lama untersteht. Um 9 Uhr kommen wir vom Kloster los, das man als Erlebnis eigener Art nicht missen, aber auch nicht wiederholen möchte. Unterwegs erläutert Johann noch einiges über die zweieinhalbtausendjährige Entwicklung des Buddhismus, der den Keim zur Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit auf dem Weg zur Erleuchtung schon von Anfang an in sich begründet hat.

Gegen Mittag sind wir in Hahoe, einem Dorf bei Andong, wo wir zunächst eine Manufaktur besichtigen, die Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes in archaischer Produktionsweise herstellt. So mittelalterlich die Arbeitsabläufe sind, so erstaunlich ist die Vielfalt der dabei entstehenden Produkte, die bis zu ganzen Möbelstücken reichen. Schon während der Fahrt hatte Regen eingesetzt, der sich während der Betriebsbesichtigung fortsetzt, aber aufhört, als wir mit dem Besuch des traditionellen Dorfes Hahoe beginnen, in dem etwa 100 Häuser verschiedenster Funktionen, die bis zu 400 Jahre alt sind, zur Schau gestellt werden. Vor dem Dorf sind wieder die hölzernen Dorfgeister mit zum Teil drastischen Fruchtbarkeits-symbolen versammelt.

Um 15 Uhr beginnen die berühmten Maskentänze in der kleinen übervollen Rundhalle. Eine Kapelle aus sieben Schlaginstrumenten uns einer Trompete macht eine herzzerreißende Musik, dann treten die ersten Tänzer auf. Der auf den Schultern eines Mannes herumgetragenen Dorfgöttin folgen zwei Löwen, dann treten ein Stier und ein Metzger auf, ein altes Weib und ein Mönch, der sich für eine schöne Frau interessiert, ein Edelmann und ein Gelehrter, die sie ihm abspenstig machen wollen, und schließlich alle zusammen, ein buntes Treiben mit derben Späßen und ebensolcher Sprache, die vom Publikum mit offensichtlicher Freude aufgenommen werden, von der wir natürlich kein Wort verstehen.

Kurz nach 16 Uhr müssen wir weiter, heute ist mit einer Strecke von 350 Kilometern unser längster Fahrttag von der südöstlichen Mitte in den äußersten Norden des Landes. Als wir die Autobahn verlassen, setzt wieder Regen ein. In der kleinen Stadt Inje essen wir vorzüglich und reichlich zu Abend, und das spontan ohne Voranmeldung, weil es für das ursprünglich gedachte Restaurant zu spät geworden wäre. Es ist kurz nach 22 Uhr, als wir das wieder feudale Sorak Park Hotel im Soraksan Nationalpark erreichen, wo wir zwei Nächte bleiben werden. Der Soraksan Nationalpark mit dem Mount Sorak ist ein Weltnaturerbe der Unesco.

Nach dem Frühstück erreicht uns eine gute und eine schlechte Nachricht: die schlechte, dass die Drahtseilbahn ins Sorak - Massiv wegen des starken Windes nicht fährt, die gute, dass wir zur nordkoreanischen Grenze an den nördlichsten Punkt Südkoreas fahren, was ursprünglich nicht auf dem Programm war. Auf dem Weg dorthin sehen wir naiv anmutende primitive Drahtzäune mit Stacheldraht obendrauf. Die Kriegstechnik ist heute auf einem anderen Niveau, aber die Angst beherrscht weiter die Gemüter und die Zeit scheint in den Köpfen der Verantwortlichen stehen geblieben zu sein. Ginseng - Schnaps aus dem Land im Norden hat dennoch bereits auf verschlungenen Pfaden seinen Weg in die Regale des letzten Supermarkts vor der Grenze gefunden.

Am nördlichsten Punkt steht auf einer Anhöhe eine Anlage mit dem mehr als merkwürdigen Namen Unifikation Observatorium, zu dem wir über viele Stufen hinauf klettern. Wir schauen in die DMZ hinein, die demilitarisierte Zone von je zwei Kilometern auf beiden Seiten, heute ein Refugium für ungestört lebende Tier- und Pflanzenarten, und dazwischen in der Mitte die eigentliche Grenze. Auf der anderen Seite steht ein nordkoreanisches Gegenstück als Beobachtungspunkt nach Süden, daneben das Diamantengebirge. Vor dem Haus sind ein alter Panzer und ein altes Flugzeug aufgestellt, sie erinnern wie mittelalterliche Rüstungen an das Kriegsgeschehen früherer Zeiten, eine unwirkliche Welt das Ganze. Und wenige Tage später hören wir daheim, dass der erste Zug genau an diesem Punkt die Grenze überquert hat.

Ein paar Kilometer weiter südlich schlendern wir über den Strand des Ostmeers. Sokcho, mit 90 000 Einwohnern die nördlichste Stadt Südkoreas, lebt vom Fischfang. Der Korso ist bunt, Fischverkauf und Restaurants gehen unter aufgespannten Planen unmittelbar ineinander über, wir bummeln auf und ab und erfreuen uns an den farbenfrohen Bildern. In einem kleinen Restaurant zwängen wir die Beine unter die niedrigen Tischchen und lassen uns mit frisch gefangenem Fisch bedienen, alles ist blitzsauber und trotzdem eine so andere Welt.

Nach dem Essen kommt die Nachricht - die Bahn fährt. So schnell wie möglich fährt der Bus zur Talstation der Bergbahn und von dort die 700 Höhenmeter hinauf in die herrliche Bergwelt, ins Weltnaturerbe. Die beiden Reiseführer, 52 und 47, die 25 jährige Katja und ich erklettern die Bergspitze. Nach vielen Stufen und befestigten Wegen sind die letzten 200 Meter nackter Fels mit einer Kletterei der leichteren Sorte, doch immerhin ist man wieder einmal auf einem Gipfel - ob es wohl mein letzter sein wird, mit 75 kommen einem solche Gedanken.

Nach dem Abstieg von der Bergeshöhe und mit der Seilbahn abwärts wandern wir vorbei an einem imposanten neuzeitlichen Bronze - Buddha zum Zen Kloster Sinhungsa, das auf das Jahr 652 zurückgeht, einem friedlichen und freundlichen Ort mit schön geschmückten Tempelwänden. Die heutigen Bauten stammen aus dem 18. Jahrhundert. Mittlerweile ist es 17 Uhr 30 geworden. Eine Gruppe von Unentwegten - den vier Bergsteigern schließen sich noch Lisl und Andreas an - möchten noch die Wanderung zu den Wasserfällen Yuktam Piryong und Towangsong machen. Zunächst am steinreichen Flussbett entlang führt der Weg bald in die Höhe hinauf, Treppenstufen und eiserne Pfade mit Geländer wechseln sich ab mit Wegen über Stock und Stein, bis wir nach einer Stunde den obersten Fall erreichen, der sich in einen kleinen See ergießt. Der Rückweg bis zum Ausgangs-punkt der Wanderung vollzieht sich in 40 Minuten, doch bis zum Hotel sind es noch weitere stramme 40 Minuten, alles in allem also ganz schön viel Bewegung für einen Tag. Zu zweit vespern wir noch unsere Vorräte auf und schreiben Tagebuch.

Entlang an der Ostküste südwärts und dann über die Autobahn Richtung Seoul nach Westen kommen wir in den Odjesan Nationalpark, in dem das Kloster Wolchongsa liegt, das 645 gegründet, aber bis auf die 15 - stöckige Pagode aus dem 10. Jahrhundert im Krieg völlig zerstört und erst in den Sechziger Jahren liebevoll im alten Stil wieder aufgebaut wurde. Ein prächtiger Trommelturm, zwei schöne Hallen und ein interessantes Museum bilden ein sehenswertes Ensemble, mit dem wir Abschied nehmen von den Kulturschätzen Koreas, die uns in den letzten Tagen immer wieder begeistert haben. Auf der Weiterfahrt unterhalte ich die Reisefreunde mit weiteren 17 Limericks, die mir unterwegs wieder eingefallen sind, anschließend kramen wir die ältesten Witze aus den untersten Schubladen unserer Gedächtnisse, eine ausgelassene Stimmung breitet sich im Bus auf dem letzten Streckenabschnitt aus. Nach der Ankunft im Hotel Vabien Suites, wo wir diesmal eine große Suite mit drei Zimmern, zwei Bädern und einer Küche bekommen, starten wir zwei noch nach Insa dong, wo wir zu Beginn der Reise einen interessanten Buddha gesehen hatten. Per Metro und zu Fuß finden wir unser Ziel und per Taxi kommen wir rechtzeitig zum Hotel zurück, bereichert um einen 80 Jahre alten koreanischen Buddha, der gut in unsere Sammlung passen wird. Das gemeinsame Abendessen ist wieder koreanisch in einem Restaurant gleich neben dem Hotel. Die Stimmung ist fröhlich, das Essen reichlich, Evelyn hat Geburtstag und spendiert zwei Flaschen Soju, gegen 10 Uhr findet der letzte Reisetag sein Ende.

Mit dem Vormittag kann man nicht mehr viel anfangen, wir machen noch ein paar Aufnahmen rund um das Hotel und um 11 Uhr besteigen wir zum letzten Mal gemeinsam den Bus zum Flughafen, um 14 Uhr soll der Flieger nach Frankfurt starten. Der Flug verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse, die Verabschiedung von den österreichischen Reisefreunden ist sehr herzlich und die Heimkehr von Frankfurt nach Nordhausen schnell und sicher. Eine schöne Reise liegt hinter uns.

Korea ist ein sympathisches Land, klein, traditionsbewusst, erfolgreich und voll von verborgenen Schätzen einer alten eigenständigen Kultur. Die Menschen sind fleißig und freundlich, legen außerordentlichen Wert auf Sauberkeit, lieben die Geselligkeit und können dabei recht lustig werden, Vaterlandsliebe ist bei ihnen noch kein Fremdwort, die Großfamilie steht noch immer im Mittelpunkt ihres Lebens und bei allem fühlen sie sich noch einer Moral verpflichtet, wie sie bei uns kaum noch anzutreffen ist - natürlich sind ihnen auch Korruption, politische Intrigen und Skandale nicht unbekannt, doch davon bekommt man als Gast nichts zu spüren - kurzum, man kann sich bei ihnen wohl fühlen. Schade, dass es bei uns so wenig bekannt ist - und dabei ist es nur elf Flugstunden nonstop von uns entfernt. Das Land hat öfter als andere Fremdherrschaften und Zerstörungen seiner Tempel und Paläste hinnehmen müssen, sich aber seine Traditionen nicht zerstören lassen, sondern sie immer wieder aufgebaut.

Die Reise war gut geplant und bestens organisiert, verlief ohne die geringste Panne und war dabei nicht sonderlich anstrengend, keinen Tag sind wir vor 9 Uhr morgens gestartet und nur einmal nach längerer Fahrt später als 19 Uhr in unserem Hotel angekommen.

Und was haben wir dabei alles gesehen und erlebt
1600 Kilometer sind wir auf ordentlichen Straßen durch das Land gefahren,
die beiden größten Millionenstädte in Ansätzen kennen gelernt,
auf unserer Strecke fünf der neun Provinzen berührt,
fünf der sechs bedeutendsten Klöster des Landes
und noch vier weitere besucht, in einem davon sogar übernachtet,
sechs Stätten des Weltkulturerbes und eine des Weltnaturerbes erlebt,
fünf der zwanzig Nationalparks besucht,
die drei bedeutendsten Museen des Landes besichtigt
an zwei nur einmal jährlich stattfindenden königlichen Zeremonien teilgenommen zwei Folkloreveranstaltungen angeschaut,
auf zwei Wanderungen ein Stück Natur erlebt und einen Berg bestiegen,
in elf landestypischen Restaurants die koreanische Küche erprobt
und immer erstklassige Hotels zur Verfügung gehabt -
und das alles in zwölf Tagen -
mehr kann man von einer Reise in ein fernes Land wohl kaum erwarten.

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