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BORNEO
......im Land der Nasenaffen


Ein Reisebericht von Erich Rohaczek


Schon immer wollte ich diese lustigen aussehenden Wesen (Nasalis larvatus) kennen lernen, mit ihren großen Bäuchen und Nasen. Nasenaffen zählen mit dem Orang-Utan zu den faszinierenden Tieren welches dieses überwältigende Land zu bieten hat. Die Möglichkeit sich in Borneo rasch Fortzubewegen besteht nur mit dem Flugzeug, denn die meisten Gebiete sind versumpft und von äußerst dichten Pflanzenwuchs sowie schlechten Straßen welches eine schnelle problemlose Befahrung fast unmöglich macht. Von Kutching der Hauptstadt Sarawaks dem größten Bundesstaat Malaysias sollte unsere Reise ihren Ausgang nehmen. Ein Besuch bei den "Ibans" (oder See-Dayak) einem Stamm welcher in sogenannten Langhäusern lebt sollte zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden. Diese auf Pfählen errichteten Holzhäuser bieten Schutz vor Feinden, Tieren sowie Überschwemmungen. Wir wurden freundlichst mit einem Gläschen "Tuak" (Reiswein) empfangen welcher nicht abgelehnt werden sollte, da dieses einer Beleidigung gleichkommen würde.

Nach ausreichender Mahlzeit welche aus Huhn und Reis sowie guten Soßen bestand, konnte das Fest beginnen. In traditioneller Kleidung beginnt nun Jung und Alt zu tanzen, die Alten schlagen auf ihre Holztrommel und lächeln. tanzender Iban Da wird mir beim Anblick der großen Messer der tanzenden "Iban" bewusst, dass die Alten die Tradition des Köpfen noch miterlebt hatten. Kannibalismus kam einer religiösen Bedeutung gleich, durch die Enthauptung sollte die Kraft des Getöteten auf den Stamm des Siegers übergehen. Der liebliche Anblick einer kleinen Tänzerin, welche in Ihrem prunkvollen Gewand einen kleinen Engel gleich kam, ließ mich jedoch wieder auf andere Gedanken kommen. Frühzeitig am Morgen statten wir dem Nachbardorf noch einen Besuch ab, welches sich 1 Stunde Fußmarsch weit weg befindet. Der Rückweg führte etwas ausgedehnter noch zu einem Wasserfall und danach wieder zum Langhaus der Iban. Nach herzlicher Verabschiedung von ihrem Häuptling und einiger Zeit Fußmarsch sowie Flußfahrt, hat uns die Zivilisation wider. Über Miri und Marudi geht es nun mit dem Flugzeug in den Gunung Mulu National Park, welche durch seine großen Höhlen sehr bekannt ist. Ab hier werden die meisten Unternehmungen von der Lodge aus mit dem Boot bewältigt.

Die Vielfalt der Pflanzen ca. 1.500 Arten sowie der Tiere, alleine über 260 Vogelarten hier ist überwältigend. Der Höhepunkt für mich sind hier jedoch die gewaltigen Höhlensysteme. Ein Besuch der Clearwater Höhle welche zu einem der größten natürlichen unterirdischen Höhlensysteme der Welt gehört bleibt unvergesslich. Die Deer Cave biete eine besondere Sensation, nicht nur der 140 m hohe Wasserfall vom Dach der Höhle, sondern bei Dämmerung kann man das Spektakel der jagenden Fledermäuse beobachten. die gewaltigen Höhlensysteme Zuerst kommen die ersten Erkundungsflieger welche nach einiger Zeit in die Höhle zurückkehren um den gewaltigen Rest zu holen. In einer nicht endend wollenden Linie fliegen sie hintereinander, manchmal auch in klein kreisenden Formationen aus der Höhle. Eine gewaltige Menge von Insekten wird so in einer Nacht vertilgt, womit so wiederum ein wichtiger Beitrag für die Natur geleistet wird. Bei unserer Rückreise mit dem Boot fallen mir am Rande errichtete neue Langhäuser auf, diese wurde von der Regierung aufgestellt um die dort ansässigen Stämme der Punan aus den Wäldern zu locken. Denn so ist die Rodung der Wälder problemlos gewährleistet, eine traurige Seite welche sich auch auf das Weltklima auswirken könnte. Der Schweizer "Bruno Manser" welcher 1984 nach Borneo reiste setzte sich sehr für die Bedürfnisse der Punan ein, und sprach sich strikt gegen die Rodung des Urwaldes aus. Als folge wurde ihm bei einem Verhaftungsversuch der Polizei der Reisepass sowie seine wertvollen Aufzeichnungen über das Leben der Punan entzogen.

Nach einem gewaltigen Regenguss in der Nacht, brechen wir zeitig in der Früh mit unserem Boot zu einer sehr anstrengenden Tour auf. Nach einer Stunde Fahrt auf dem Fluß wird der Motor von unserem Bootsmann ausgebaut und im Gebüsch versteckt, so ist unsere spätere Rückreise abgesichert. Wir durchqueren nun auf engen von Pflanzen verwachsenen Wegen den Dschungel, nach 2 Stunden der erste Regen - Blutegel kommen zum Vorschein zugleich auch meine mitgenommenen Gamaschen, sie halten das schlimmste von der Haut ab. Ich bewundere "Rhanie" unseren Guide welcher barfuß läuft und in gewissen Rhythmus, flink mit der Hand im Gehen die Blutegel abstreift, welche sich gierig nach Blut festsaugen wollen.

Nach 4 - 5 Stunden Fußmarsch erreichen wir eine kleine Holzlodge, nun sind wir beim eigentlichem Ziel, dem Berg "Gunung Api". Mein Freund Fred bekommt in der Nacht erhöhte Temperatur und so breche ich mit Hannes und einem Führer 5 Uhr morgens auf. Mit Stirnlampen leuchten wir uns den glitschig steilen Anstieg aus, ein Sturz hätte schlimme Folgen da aus dem Boden meist kleine Spitzen aus Kalk ragen. Über Leitern kommen wir endlich erschöpft zu unserm Ziel den "Pinnacles". Hiebei handelt es sich um spitze steinige Gebilde, welche utopisch - künstlich aussehend, in einer Senke knapp unterhalb des Berggipfels stehen. Die Mühe hat sich gelohnt ein wahrlich unvergesslicher Eindruck.

Da wir wenig Zeit haben um diese Unwirklichkeit länger zu genießen, machen wir schnell ein paar Fotos und schon geht es die rutschigen Pfade wieder hinab. Die Geräusche des Dschungels (brüllende Affen..) begleiten uns. Erschöpft kommen wir zu unserem Lager, doch keine Zeit die anderen sind bereits auf dem Weg zum Boot. Kunstvoll verpackt "Rhanie" die wichtigsten Sachen in einem Tuch und legt sich das Paket auf den Rücken. Ich bewundere seine unermüdliche Kraft und Ausdauer, in schnellen Schritten folgen wir ihm - es beginnt wieder zu Regnen, die gleiche Prozedur mit den Blutegeln beginnt.

Der Motor wird aus seinem Versteck geholt und eingebaut, wir haben Glück und finden im Regen und der Dunkelheit problemlos zu unserer Lodge zurück. Als Abschluss unserer Reise im Mulu National Park zeigten "Rhanie" und seine Freunde uns eine versteckte vom Tourismus verschonte Höhle. Der Eingang war schon eine kleine Kletterei welche sich als bald lohnend erweisen sollte. Mit Kabitlampen und zusätzliche Lampen sowie Seilen ausgerüstet stiegen wir einen engen Gang hinauf. Plötzlich streifte ich etwas weiches mit der Hand im Schein der Lampe erkannte ich eine Fledermaus welche nun baumelnd an der Decke hängend weiterschlief. Einige Minuten später, eine Höhlenschlange welche unglaublich lang und dünn ist, verschwindet sofort in einer Öffnung. Und da fällt das Licht auf eine gigantische Wand aus Tropfstein welche durch Millionen von Jahren entstand. Eine Höhle wie aus einem Märchen, die Kletterei hatte sich gelohnt. Frühzeitig am nächsten Morgen starten wir zu einer weiteren Attraktion, nämlich nach Turtle Island um Wasserschildkröten bei der Eiablage zu beobachten. Dazu müssen wir zunächst mit dem Flugzeug vom Landesteil Sarawak nach Sabah fliegen. Wir landen in der Hauptstadt Kota Kinabalu verbringen eine Nacht im Hotel. Nächsten Tag fahren wir mit dem Auto nach Sandakana in die ehemalige Hauptstadt Sabahs. Doch zunächst nutzen wir die Gelegenheit um einen Abstecher in die 25 km von der Stadt entfernten Auswilderungsstation Sepilok. Hier versucht man in ein überschaubares Reservat junge Orang-Utans an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen. Bei sogenannten Fütterungsplattformen finden zu regelmäßigen Uhrzeiten Fütterungen statt. Mit der Zeit wird die Entfernung der Plattform zur Station und den Menschen immer größer. In diesem 4.000 ha großen Gelände gib es ca. 450 Baumarten und als wesentliche Vegetationsform den tropischen Regenwald.

junger Orang-Utan Es ist ein Vergnügen den jungen Orang-Utans bei der Nahrungsaufnahme zuzusehen, welche dabei ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Nun ist es so weit, mit einem kleinen Boot legen wir am nächsten Tag Richtung Green Turtle Island oder richtiger "Pulau Selingan" ab. Um den Nationalpark auf der Insel jedoch besuchen zu können, bedarf es eines Permits (Genehmigung), welches nur für eine kleine Gruppe von Personen ausgestellt wird. Die Wasseroberfläche glitzert smaragd-grün als wir an den von Fischern ausgelegten Reusen (für Hummer) vorbeikommen. In der Ferne erkennen wir bereits die erste kleinere vorgelagerte Insel, Selingan Island selbst liegt bereits Nahe der territorialen Grenze zu den philippinischen Inseln. Als erstes erkennen wir davon die wunderschönen Sandstrände welche die Insel umgeben. Tagsüber verbringt man die Zeit mit Baden, Schnorcheln oder Lesen, denn die eigentliche Attraktion ist die Eiablage der Green Turtle. Diese findet jedoch meist sehr spät in der Nacht, an den flachen Sandstränden statt. Frühzeitig in der Morgendämmerung, wenn das Loch bereits ausgehoben ist und die Eier abgelegt wurden, werden diese mit Sand sorgfältig abgedeckt. Langsam und behäbig schleppt sich das Tier mit letzter Kraft zum Strand, um nach getaner Tat, wieder in den Fluten zu verschwinden. Faszinierender Weise kommen manche über Hunderte Kilometer, wie mit einem Ortungssystem immer wieder zum gleichen Platz. Die Eiablage der einzelnen Tiere vollzieht sich alle drei Jahre wieder. Mittlerweile geschieht diese jedoch unter menschlicher Obhut, damit diese wunderbaren Tiere nicht aussterben. Um ein weiteres interessantes Tier nämlich den "Nasenaffen" zu beobachten, müssen wir jedoch in die Mangrovenwälder des Bako-Park und somit wieder nach Sarawak zurück. Dieser 27 qkm große Park liegt auf einer Halbinsel und zählt wegen seiner vielfältigen Natur zu dem interessantesten Park Sarawaks. Nasenaffen zu beobachten ist jedoch mit viel Glück verbunden, da sie sehr scheu sind und in hohen Bäumen leben. Am ersten Morgen begrüßen uns einige hungrige Wildschweine, welche dabei bettelnd sehr Nahe an unser Holzhaus kommen.

Zwei weitere Tage vergehen, doch keine Nasenaffen zu sehen. Der letzte Tag entschädigt uns endlich für unsere hartnäckige Suche. Zuerst kaum auszumachen, entdecken wir am späten Nachmittag in der Astgabel hinter Blättern eines Baumriesen, das lustige Gesicht eines Männchens. Seine große fleischige Nase wirkt fast unecht, die Kinder und Weibchen verstecken sich scheu im Blätterdach. Nur ganz kurz kann man sie erblicken, wenn sie von Ast zu Ast springen. Da sie nur in Borneo beheimatet sind, zählen sie bereits zu einer stark bedrohten Art, angeblich leben nur mehr 1000 Tiere in Sarawak. Ihre große Nase dient beim Männchen als Schallverstärker für die Lautäußerungen, die Malaien sagen auch Orang Belanda (Holländer) zu Ihnen, weil die weiße Nase und die weiße Halskrause in der Kolonialzeit das Symbol für Europäer waren. Es mag Situationen geben, da denk ich mir vielleicht ............, dieser Vergleich sei unumstritten.

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