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Wunderwelt Antarktis


Reisebericht und Fotos: Fred Vnoucek


Bereits fünfzig Mal hat er die berüchtigte Drake-Passage überquert, erzählt Sergey, der erste Offizier der Aleksey Maryshev, aber noch selten bei so ruhiger See wie diesmal. Bereits lange vor Erreichen der South Shetland Islands sieht man alle Arten von Seevögel und auch bereits Pinguine im Meer. Ich erinnere mich an meine früheren Überfahrten, wo ich von Ushuaia - der südlichsten Stadt auf Feuerland - bis zur Antarktis kaum an Deck des Schiffes konnte, da die See immer sehr rauh war und immer wieder Gischt über das Deck spritze.

Ungefähr zwölf Flugstunden trennen Europa von der Hauptstadt Argentiniens - Buenos Aires. Von dort sind es noch gut 3 Stunden Weiterflug bis Feuerland, der Südspitze des Südamerikanischen Kontinents. Wenn man urlaubsmässig flexibel ist und Zeit hat. lohnt es sich sehr, eine Kombinationsreise zu buchen, zwei Wochen in Patagonien und Feuerland oder auch andere Kombinationen In Argentinien und Chile bieten sich an, damit reduziert sich auch die lange Anreise nach Ushuaia. Von Ushuaia ist es nur noch eintausend Kilometer bis in die Antarktis, moderne Expeditionsschiffe legen diese Distanz in zwei Tagen zurück. Auch von Hobart (Tasmanien) oder von Christchurch (Neuseeland) starten Expeditionen in die Antarktis, durch die lange Anreise handelt es sich dabei aber um wesentlich kostspieligere Unternehmungen, und man verbringt viel Zeit auf dem offenen Meer mit süssem Nichtstun.

Am morgen des dritten Tages ist es soweit, die erste Landung! Auf Paulet Island wartet nicht nur blauer Himmel und Sonnenschein, sondern auch zweihunderttausend Adelie-Pinguine, und immer wieder über den Kieselstrand verteilt, Weddell-Robben. Es ist Frühling in der Antarktis, Eisberge treiben im Wasser. Manchmal, wenn das Licht richtig drauffällt, leuchtet das Eis dunkelblau. Eine Hütte der Nordenskjöld-Expedition vom Anfang des letzten Jahrhunderts ist erhalten, um hinzugelangen muss man noch eine grössere Kolonie von Shags durchqueren. Die ersten Stunden an Land vergehen wie im Flug, und während der Rückfahrt mit dem Zodiac beginnt man sich bereits auf den nächsten Landgang zu freuen. Erstmal geht es aber den ganzen Nachmittag auf spiegelglatter See durch das nordwestliche Weddell-Meer. Bei strahlend blauen Himmel erreichen wir die Eiskante, mit mehrmaligem Anlauf bricht der Kapitän der Maryshev eine Bresche in das Eis, hier bereits mehr als einen halben Meter dick. Das abendliche BBQ wird unterbroche´n: ein Kaiserpinguin!!! Allerdings zumindest einen Kilometer entfernt, aber klar erkennbar! Aber dann tatsächlich, plötzlich watschelt ein Kaiserpinguin direkt an Backbord am Schiff vorbei, die ersten Fotos sind im Kasten, und die Reise bereits jetzt ein Erfolg! Müde von den Eindrücken des Tages geht es bald in die Koje, und bereits um fünf Uhr morgens geht es wieder los: rotes Licht liegt über der Eislandschaft, Sonnenaufgang in der wolkenlosen Antarktis!

Aufgrund der Verhältnisse plant die Crew was ganz besonderes: eine Landung mit den Zodiac's auf Eis. Das Eis ist bereits durchzogen von Spalten und leuchtet an vielen Stellen im Sonnenschein tiefblau. Ich umrunde einen Eisberg, da ich Spuren von grossen Pinguinen gesehen habe, aber es wäre doch zuviel verlangt vom Glück ... so mache ich erstmal Fotos von einer Krabbenfresser-Robbe, die unter einem anderen Eisberg döst. Plötzlich sehe ich in der Ferne einige dunkle Punkte, und versuche mich still und heimlich etwas von der Meute zu verdrücken. Tatsächlich steuern zwei - ganz offensichtlich von Neugier getriebene - Adelie Pinguine genau auf mich zu. Inzwischen sind auch andere Fotografen eingetroffen und wir liegen voller Erwartung auf dem Bauch am Eis. Die Adelies kommen ganz nahe heran und ziehen eine Show ab. Ich wechsele bald meine Speicherkarte und da sind sie: auf dem Bauch herangerutscht kommen zwei Kaiserpinguine. Offenbar ebenso neugierig wie die kleineren Vettern wandern die beiden Gesellen unbekümmert durch die Gruppe, posieren und stolzieren, ehe sie ihres Weges ziehen. Ich atme erstmal durch, ein kurzes Blick in den Monitor zur Kontrolle, ja es ist im Kasten. Fotos die man sonst nur bei den wesentlich teureren Eisbrecher-Reisen erwarten kann. Ich bin sehr glücklich und froh, alle Antarktis-Kreuzfahrten aufmerksam studiert zu haben und genau die Richtige, die erfolgversprechende Routen in das Wedell-Meer, zum richtigen Termin, herausgepickt zu haben.

Nach einer kleinen Panne mit einem Zodiac und mit der Landungsgangway nimmt die Maryshev Kurs auf Devils Island. Es ist sehr kalt, windig und die See ist nicht mehr spiegelglatt, trotzem noch immer Sonnenschein und blauer Himmel. Nächsten Morgen, während des Besuchs der Argentinischen Antarktis-Station Esperanza (`Hoffnung`) schlägt das Wetter um. Gerade noch Zeit um zu erfahren, dass 55 Menschen jeweils ein Jahr hier verbringen, und ein Besuch in der zum Souvenirshop umfunktionierten Kantine, während der Nieselregen ebenso wie der Wind zunimmt. Ich breche als einer der ersten auf, nur um an der Anlegestelle kein Zodiac vorzufinden, es dauert zehn Minuten ehe sich die Schlauchboote durch die hohen Wellen vom Mutterschiff zum Pier durchgekämpft haben. Die Rückfahrt ist dann eine eher nasskalte Angelegenheit, aber ein nettes Abenteuer dass zu einem Antarktisbesuch einfach dazugehört. Aufgrund der Wetterlage wird das Programm erneut geändert, und die Alexey Maryshev nimmt Kurs auf die Westseite der Antarktischen Halbinsel. Übers offene Meer geht es vorbei an der Astrolab Insel zu einem vorerst unbekannten Ziel. Spätestens am nächsten Morgen werde ich schlauer sein ... die Zeit an Bord vergeht mit Essen, Zeit in der Bar, mit interessanten Vortragen zu verschiedenen interessanten Themen, und mit Lesen und Schlafen. Nachdem die ersten Tage mit schönem Wetter gesegnet waren, verzeihe ich Petrus den heutigen Tag, nicht ohne die bescheidene Bitte auf einige weitere schöne Tage. Nach einer stürmischen Nacht wird mein Wunsch dann am nächsten Morgen erfüllt.

Gleich nach dem Frühstück fährt die Alexey Marishev in den Neumayer Kanal ein, eine spektakuläre Ende der Wasserstrasse, links und rechts von Eiswänden, Abbrüchen und Eisbergen flankiert. Auf einem mittelgrossen Eisberg sehe ich eine grössere Anzahl von Pinguinen, schwarz-weisse Pinguine auf blauem Eis, der Traum jedes Fotografen. Beim Näherkommen des Schiffes stürzen sich die Pinguine in aller Eile von der mehrere Meter hohen Scholle ins Meer. Kurze Zeit später legen wir in der Bucht von Port Lockroy an, einer Britischen Antarktis-Station. Hier gibt es ein Postamt und einen Souvenirshop, und auf Schritt und Tritt Pinguine. Es ist warm und sonnig, wer hätte das gestern noch gedacht. Im ruhigen Wasser des Kanals wird Mittagessen serviert, ehe es weitergeht zur Cuverville Insel, einer winzigen Insel in der spektakulären Gerlache Strasse. In kürzester Zeit ändert sich das Wetter wieder, von glatter See, Windstille und blauem Himmel zu stürmisch und Schneetreiben. Der Kapitän findet einen geschützten Ankerplatz, und die Zodiacs werden zu Wasser gelassen. In der Antarktis muss man eben mit jedem Wetter rechnen, und solange es vertretbar ist, wird gelandet, auch bei widrigen Verhältnissen. Und wer weiss? In einer halben Stunde kann alles wieder ganz anders aussehen .... dieser Landgang ist vor allem durch die Eis- und Gletscherszenerie sehr beeindruckend. Jedoc schneit es immer stärker und die Sicht wird schlecht, also zurück zum Schiff und noch eine kurze Ruhepause vor dem Abendessen. Der Anker wird gelichtet und Kurs Nord-Ost genommen, damit liegt der entfernteste Punkt der Reise endgültig hinter uns.

Der Wettergott ist tatsächlich mit uns, die Half Moon Insel erwartet uns bei sommerlichen Temperaturen, blauem Himmel und windstill. Eine kleine Wanderung führt mich durch eine Kolonie von Chinstrap Pinguinen, auch einige Adelie Pinguine sind darunter. Wellen brechen sich am Kieselstrand, und schieben kleinere und grössere Eisformationen zusammen. An diesem Strand sitze ich eine Weile und beobachte die Pinguine, wenn sie in Scharen ins Wasser stürzen, oder - dann immer einzeln - von der Jagd zurückkehren. Nicht weit von mir sonnt sich eine Weddell Robbe, und ein Stückchen weiter einige See Elefanten, wahre Kolosse! Auch hier verfliegen die Stunden, und bei anhalte3nd schönem Wetter nimmt die Maryshev Kurs auf die Deception Insel, meinem letzten Stop in der Antarktis. Deception ist vulkanischen Ursprungs, und in der Caldera befindet sich nun 'Fosters Harbour', zu erreichen vom offenen Meer nur durch eine enge Zufahrt, 'Neptuns Bellow'. Diesen geschützten Hafen haben sich bereits im 19. Jahrhundert Walfänger zunutze gemacht und hier eine grössere Walfangstation eingerichtet.Der Wind beginnt wieder aufzufrischen und nach einem Besuch der verfallenen Walfängerstation nimmt die Alexey Maryshev endgültig Kurs auf Ushuaia, vor mir liegen wieder 2 Tage Drake - Passage.

Und wieder überrascht die `Drake`mit aussergewöhnlich schönem Wetter, nur die letzte Nacht ist etwas bewegt und unruhig. Ich bekam das allerdings nur erzählt, da ich sehr gut geschlafen habe. Mehrere Stunden im ruhigen Wasser des Beagle Kanals geben die Möglichkeit, zu packen, zu duschen und die letzten Stunden zu geniessen. Pünktlich legt die Alexey Maryshev in Ushuaia an, nach dem Frühstück ist das 'Abenteuer Antarktis' zu Ende, zurück bleiben viele Erinnerungen und schöne Fotos von einzigartigen Erlebnissen.

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