zu den Studienreisen zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Natur- und Erlebnisreisen zu den Pilottouren zu den Tauchreisen zu den Special Event Reisen

« zurück zu den Reiseberichten

Sahara

auf den Spuren der Beduinen

Bericht und Fotos von Erich Rohaczek


Elefantenbulle Die Verlässlichkeit unseres gemieteten Geländeautos wird sich in den nächsten drei Wochen unter Beweis stellen, denn ein Gebrechen könnte verheerende Folgen mit sich ziehen. Die Strecke nach Süditalien wird in zwei Tagen und zwei Nächten durch Fahrertausch überbrückt, danach wird die Straße von Messina mittels Fähre überquert.

Sizilien durchqueren wir an einem Tag und verbringen die Nacht in der westlichen Küstenstadt Trapani um am nächsten Tag nach 8-9 Stunden Fahrt mit der Fähre Tunesien zu erreichen. Nach einer anstrengenden nächtlichen Fahrt durch Tunesien, ist es endlich so weit wir erreichen die Grenze nach Algerien in der Nähe des "Chott el Jerid" einem Salzwassersee in Tunesien, der heute bereits teilweise vertrocknet ist. Die Zollformalitäten erweisen sich mit etwas Glück (nur 2,5 Stunden Aufenthalt) als eher harmlos entgegen unserer Annahme, das Abenteuer kann beginnen.

Der Temperaturunterschied gegenüber Europa beginnt sich nun gnadenlos bemerkbar zumachen, wir erreichen jetzt schon Temperaturen bis über 45°C im Auto. Schon nach einer halben Stunde Fahrt begegnen wir schon den ersten Sandverwehungen auf der Straße vor El Qued. Die erste Rast verbringen wir geschützt hinter einer Sanddüne wo wir unsere mitgeführten Dosengerichte zu verzehren beginnen. In einem Notfall würden wir 2 ca. Wochen mit unseren mitgeführten Getränken und Lebensmitteln auskommen. Auf unserer Straße Richtung Südwesten nach Touggourt und Quargla bemerken wir des Öfteren Verkehrsschilder mit "Vorsicht Kamel". Die Begegnung ließ nicht lange warten, ca. 20 Stück wild lebende Wüstenschiffe (Dromedare) kamen langsamen gemächlichen Ganges hinter einer Sanddüne zum Vorschein. Etwas Neugierig jedoch mit vorsichtiger Scheu kommt ein noch junges Kamel einige Schritte näher als wir einige Fotos machen. Noch können sie ihre Freiheit genießen ehe sie von irgendeinem Beduinenstamm gefangen und eventuell deren wichtigster Besitz sein könnten. Die Landschaft sowie die Farbe des Sandes (gelb bis orange) beginnt sich nun langsam zu verändern.

In der Nähe von Ghardaia verbringen wir die erste Nacht. Aus Sicherheitsgründen suchen wir uns meist einen geschützten Platz hinter einer Sanddüne welcher von der Hauptroute nicht einsehbar ist, denn Überfälle sollen angeblich keine Seltenheit sein. Zwei Liegestühle dienen Fred und mir als Schlafstätte unterm freiem Himmelszelt, wobei Mike die Nacht im Auto vorzieht. Vor dem Einschlafen achten wir noch peinlichst darauf, dass die Hände im Schlafsack sind, da Skorpione und Sandvipern meist nicht weit entfernt sind. Bei einer unbedachten Bewegung im Schlaf könnte man daher schnell angegriffen werden. Die gleiche Vorsicht ist auch morgens beim anziehen der Schuhe geboten, denn darin könnte einmal ein nächtlich unerwünschter Besucher seine Behausung gefunden haben. Nach kurzer Fahrt erreichen wir "El-Golea" eine Oasenstadt und zugleich ein kleines Paradies in der Wüste. Tausende Palmen sowie allerlei Arten von Obstbäumen zeichnen diese Oase aus. Nach einem kleinen erholsamen Aufenthalt setzen wir unsere Fahrt Richtung Süden über das "Tademait-Plateau" nach "In Salah" fort.

Die Gegend wird nun immer mehr einer Mondlandschaft ähnlicher und die wenigen Fahrzeuge die uns stündlich begegnen sind meist Lkws deren Fahrer meist Einheimische sind welche dieses heißtrockene Klima besser gewohnt sind. Der Straßenrand ist gesäumt von Gewebestücken zerborstener Reifen oder Autowracks von Pkws - Kleinbussen oder sogar von einem in die Schlucht gestürzten LKW samt Hänger. Plötzlich wird die Sicht zunehmen trüber, ein Sandsturm beginnt sich anzukündigen. In dieser Gegend ist das keine Seltenheit daher sind wir gezwungen unsere Fahrt in Schrittgeschwindigkeit fortzusetzen. Die Sicht beträgt plötzlich kaum mehr als einen Meter und der Sand beginnt von allen Seiten ins Wageninnere einzudringen. Selbst abgedichtete Stellen mittels Klebeband erweisen sich als unzureichend. Da der Geländewagen leider keine Klimaanlage eingebaut hat erreichen die Temperaturen im Fahrgastraum (lt. Anzeiger bei Ende 60° C), nun ein unerträgliches Ausmaß. Wir überlegen die Reise zu unterbrechen und abzuwarten, doch da wir gehört haben das solche Stürme auch mehrere Tage anhalten können, entschließen wir uns doch die Reise in Schrittgeschwindigkeit fortzusetzen. Nur kleine Pausen zum öffnen der Wagentüre bzgl. sandiger Frischluft, unterbrechen die uns endlos erscheinende Höllenfahrt.

Endlich beginnt die Sichtweite wieder zuzunehmen und im glitzern der Sonne beginnt sich der Stadtbogen von "In Salah" abzuzeichnen. Hier zeigt die Wüste ihre ungezügelte Kraft, Häuser am Stadtrand werden ständig von Sand überlagert. Die Menschen schaufeln eine Seite frei, wobei die andere bereits wieder von Sand bedeckt ist. Umgeben von Sanddünen scheint "In Salah" im Sand daher zu ersticken.

Elefantenbulle Unser Interesse gilt einem imposanten alten Gebäude mit Zinnen wo sich gerade die Sonnenstrahlen brechen. Wir machen gerade die ersten Fotos als plötzlich ein altes Geländeauto neben uns hält. Ein Einheimischer der sich als Polizist in Zivil zu erkennen gibt, verlangt plötzlich unsere Filme aus der Kamera, danach müssen wir ihm auf die örtliche Polizeistation folgen. In einem kleinen vergitterten Raum wo wir warten müssen, überkommt uns beim Anblick einer Wandtafel plötzlich leichtes schaudern. Darauf abgebildet erkennt man auf kleinen Fotos die verquollenen Gesichter von Verbrechern welche bereits hingerichtet wurden.
In diesem Moment erscheint der Postenkommandant, er gibt uns freundlich die Hand und klärt uns endlich über unsere missliche Lage auf. Da wir das Pech hatten das einzige militärische Gebäude in der näheren Umgebung zu fotografieren, wurden uns deshalb die Filme abgenommen. Nachdem wir ihm erklären in Hinkunft besser darauf zu achten, dürfen wir ohne eine weitere Strafe den Posten verlassen. Die ersten Sterne zeigen sich bereits und verkünden wieder eine klare Nacht, deshalb können wir wieder im Freien übernachten.

Laut unserer Straßenkarte könnten wir bis Tamanrasset auf einer asphaltierten Straße fahren, jedoch wird diese nun von Kilometer zu Kilometer schlechter. Risse, Löcher und Abbrüche werden zu einem nervenaufreibenden Ab- und Auffahren der Straße. Dann, plötzlich eine tiefe Abbruchskante und die Straße endet im "Nichts". Ab jetzt müssen wir Piste fahren, teilweise auf "Wellblech" welches von den Plattenfedern der LKW-Hinterachsen verursacht wurde. Dabei handelt es sich um wellig zusammengedrückten Sand, welchen man nur mit einer bestimmten Geschwindigkeit - ohne heftiges Rumpeln überbrücken kann. Nach vielen Stunden zermürbender Fahrt, erscheint plötzlich ein Beduine am Pistenrand und winkt mit seinen Armen. Wir halten sofort an, denn oberstes Gebot ist hier, niemanden Hilfe zu verwehren. Seine dunkle Haut ist nur an den Händen zu erkennen, ansonsten ist er bis auf einen engen Schlitz für die Augen komplett verschleiert. In Begleitung befindet sich ein etwa dreizehn- bis fünfzehnjähriger Junge, mit Turban dessen Gesicht nicht verhüllt ist. Sie bitten uns um etwas Wasser und übergeben uns einen Ziegenbalg sowie ein leeres Tongefäß. Da wir über ausreichend Nutzwasser verfügen, können wir ihnen diesen Wunsch leicht erfüllen. Als Gegenleistung dafür dürfen wir Sie fotografieren, und schon nach einigen Worten des Dankes kehren sie wieder zu ihrer Ziegenherde zurück. Augenblicke später lässt die heiße Luft nur mehr flimmernde Konturen Ihrer Gestalt erkennen.

Das Aussteigen aus unserem Geländefahrzeug empfinden wir im ersten Moment meist als angenehme Abkühlung, da die Feuchtigkeit auf der Haut sofort zu verdunsten beginnt. Dieser angenehme Nebeneffekt hält jedoch nicht sehr lange an, und die unerbittliche Hitze trifft einem mit voller Kraft sogleich wieder. Als die Sonne dann langsam am Horizont verschwindet, bereiten wir wieder unser nächtliches Lager vor. Nach unserem üblichen Abend welches meist aus Dosengerichten besteht, trinken wir noch den allabendlichen Tee. Plötzlich tauchen Scheinwerfer in der Ferne auf, welche sich in unserer Richtung zubewegen. Da wir schon von nächtlichen Überfällen gehört haben, beschlossen wir, uns im Ernstfall in alle drei Richtungen aufzuteilen. Als die Scheinwerfer in sicherem Abstand anhielten, bemerkten wir, dass es sich um einen LKW mit Tieflader handelte. Es tauchen nun die Konturen einer verschleierten Person im Lichtkegel auf, welche sich auf Französisch nach unserem Wohlbefinden erkundigt. Vorsichtig erwidern wir, es ist alles in Ordnung und Fred fragt ihn nach seiner Herkunft und seinem Fahrziel. Er erklärt uns das er von Mali kommt und heute noch mindestens 400 km durch die Nacht Richtung "Algier" fährt. Er ist ein Tuareg, welcher sein Fortbewegungsmittel gewechselt hat. Er zeigt uns einige empfindliche Stellen seines Lkws welche bereits schon des Öfteren auf Grund der schlechten Piste gebrochen sind. Wir laden ihn auf einen Schluck warmen Tee ein und er bietet uns "Café" aus seiner Flasche an. Wie sich aber herausstellt schmeckt dieser Kaffee eigenartigerweise nach Rotwein. Es ist es ihm nämlich nach seinem Glauben untersagt Alkohol zu trinken, deshalb bezeichnet er Wein anscheinend als "Café". Nach einer kurzen Plauderei im Schein unserer Lampen, verabschiedete er sich freundlich und beginnt seine nächtliche Fahrt wieder fortzusetzen. Es ist uns heute noch ein Rätsel, wie er sich in absoluter Dunkelheit ohne Navigationsgerät orientieren konnte.

Zeitig in der Früh setzen wir unsere Tour wieder fort, da bemerken wir abseits der Piste einen abgestellten LKW, gleich daneben der Fahrer der uns unmissverständlich zum Anhalten auffordert. Als wir nach seinem Problem fragen, erklärt er uns, dass er den Dieseltank seines Lkws versehentlich völlig leergefahren hat und nun den Vergaser daher entlüften müsste. Treibstoff hätte er dabei, aber leider keinen passenden Schraubenschlüssel. Ich durchstöbere unsere Werkzeugkiste und gebe ihm den passenden Schlüssel, das Problem ist somit in kürzester Zeit gelöst. Er bedankt sich händeschüttelnd und sagt uns, dass er bereits seit gestern hier auf Hilfe gewartet hat. Nach etlichen weiteren staubigen Fahrkilometern erreichen wir endlich "Tadjmout" einen bevorzugten Rastplatz, hier besteht seit langem wieder die Möglichkeit zu baden. Zwischen Palmen und Lehmziegelhütten entdecken wir ein gemauertes mittelgroßes Becken mit trübem Wasser. Nach einer kurzen Diskussion über etwaige Krankheitskeime im Wasser, überwinden wir uns dann doch zu einigen Schwimmbewegungen im kühlen trüben Nass. Paradoxerweise erleben wir kurze Zeit später vor den Arrak-Schluchten das unglaubliche nämlich "es regnet". Regen im April, zu einer ungewöhnlichen Zeit, die Regentropfen sind stark mit Sand angereichert, so dass sich unsere Windschutzscheibe in kürzester Zeit verschmiert.

Wir kommen in eine Region wo, es bereits stark geregnet hatte. Wir müssen durch kleine "Wadis" (Senken mit Wasser) welche wir nur mit Vollgas und eingelegtem Allradantrieb durchfahren können. Diese Rinnsale bilden sich sehr schnell da der harte Untergrund im Boden kaum das viele Wasser aufnehmen kann. Kein Wüstenbewohner wird je sein Nachtlager in einem vertrockneten Flussbett aufschlagen, und das sollten sich auch alle anderen Reisenden zu Herzen nehmen. Wir verlassen nun die schwarzen Felswände der Arrak-Schluchten und kommen nun auf das Plateau der "Moudir-Berge" in ein faszinierendes Gebiet von gelben Sandsteinformationen. Einen extremen Kontrast bieten diese Buckel- und rundgeschliffenen Felsen die der Willkür des Windes ständig ausgesetzt sind. Ein Felsen mit einem kreisrund geschliffenen Loch dient noch als interessantes Fotomotiv. Danach, die schon fast tägliche Reinigung des Luftfilters und weiter geht es entlang der staubigen Piste.

Die fallweisen Wegweiser (leere Blechfässer mit der Aufschrift "TAM" Abkürzung für Tamanrasset) zeigen uns manchmal die Richtung an. Hoffentlich stammen nicht einige von dem ehemaligen Atomversuchsgelände in der Nähe von "In Ekker" bei der "Sonarem-Basis". Denn Warnschilder weisen noch immer auf die Radioaktivität in dieses Gebiet hin. Völlig übermüdet und voller Erleichterung erreichen wir endlich den Stadtbogen von "Tamanrasset". Unser Endziel ist erreicht, "Tamanrasset" ist das Verwaltungszentrum des saharischen Südens und gilt zugleich als Hauptstadt für die Tuareg. Die komplett verschleierte Kleidung der Edlen unter Ihnen, ist nach wie vor die weiße oder indigofarbenen "Gundarah" und der "Litham". Da beide etwas abfärben, gab man Ihnen den daher den Beinamen "die blauen Männer". Sie wohnen in der nähren Umgebung als Nomadengemeinschaften sowie im gesamten Gebiet der Sahara und gelten noch heute als sehr edler Stamm. Da die Möglichkeit zum Besuch eines Speiselokales in Tamanrasset gewährleistet ist, beschließen wir das erste Mal seit langem unseren Speiseplan von Dosen zu ändern. Doch nach einigen Bissen und stochern im sehr fetten Essen, kommen wir davon wieder ab.


Elefantenbulle Nun vor der Rückreise, beschließen wir noch das Hoggargebirge zu besuchen. Die berüchtigte Asekrem-Rundfahrt führt uns durch eine teilweise erodierte Rumpfgebirgslandschaft. Bei schon tief stehender Sonnen erreichen wir den "Illamenen" der von den Tuareg als schönster Berg des Hoggar bezeichnet wird.

Nach diesem faszinierenden Eindrücken, beschließen wir um unseren Zeitplan einzuhalten, unsere Reise hier abzubrechen. Da der Hoggar schon in höheren Regionen liegt, werden die Nächte hier schon unangenehm kalt. In der Dämmerung erreichen wir endlich Tamanrasset und verbringen hier unsere Nacht vor der Rückreise.

« zurück zu den Reiseberichten



Alle Reiseberichte aus dieser Region: