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Wem fünf Sterne nicht genug sind...


Reisebericht von Herrn Hans Schindler


...und wer mit 60 Quadratmetern für eine Übernachtung nicht auskommt, kann geholfen werden. Wohnraum, Schlafzimmer, Küche, Sanitärräume und Terrasse in einem Raum und darüber Milliarden von Sternen - dies alles bietet eine Reise in eines der größten Einzelzimmer der Welt - in die Zentralsahara, genauer gesagt in den Fezzan im Süden Libyens.

Zugegeben, nichts für Pauschaltouristen, die ihren Stammliegestuhl und Sonnenschirm Nr. 3224 in der 12. Reihe am Strand haben oder Clubfreaks, die sich den ganzen Tag animieren lassen müssen. Ein Erlebnis für Reiseprofis, die sich abseits der Zivilisation, wie wir sie kennen und fern vom Alltag von den Gegebenheiten einer noch immer teilweise unberührten Natur und Kultur animieren lassen wollen.

Die Herausforderungen des täglichen Reiselebens bestehen aus eher banalen Dingen: Aufstellen des Zeltes und sicheres Verankern im Sand bei stärkerem Wind (empfohlene Alternative- im Freien schlafen!), morgendliches Verlassen des kuschelwarmen Schlafsacks bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, Aufsuchen eines nicht einsehbaren "stillen Örtchens", Katzenwäsche (nichts für Mitmenschen mit täglichem Duschzwang), tagelanges Sitzen am Boden für Mahlzeiten (sehr gesund!) und abendliches Beisammensein am unumgänglichen Lagerfeuer.

Urlauber die ihre Abende in Haubenrestaurants verbringen wollen, sind ebenfalls deplaciert. Das Essen ist einfach, bodenständig und gesund. Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, ab und zu ein Stück Kamelfleisch und natürlich keinen Tropfen Alkohol. Statt dessen das "Bier der Tuaregs"- süßer, geschäumter Tee aus Minigläsern.

Was bewegt nun eigentlich normal veranlagte Menschen dazu, ihren Urlaub - die schönste Zeit des Arbeitsjahres - auf derart "unbequeme" und noch dazu nicht gerade billige Weise zu verbringen? Was bringt so eine Reise durch die Wüste außer Hitze und Sand?

Zunächst einmal die Erkenntnis, dass man in der anscheinend extrem lebensfeindlichen Umgebung ganz gut überleben kann, wenn einige Grundvoraussetzungen vorhanden sind: Wasser, ein Fortbewegungsmittel (Kamel oder 4WD), einige Nahrungsmittel und die genaue Ortskenntnis der einheimischen Führer. Und dann natürlich ein einmaliges Naturerlebnis. Eine ständig wechselnde Umgebung, binnen Minuten kann sich das Bild der Wüste komplett ändern. Von mehreren hundert Metern hohen Sanddünen in fast undurchquerbare Steinwüsten, durch Gebirgsketten, wo ein GPS die Orientierung und Erfahrung der begleitenden Tuaragführer nicht annähernd ersetzen kann und durch kilometerlange Wadis, die erstaunlich vielfältiges pflanzliches und tierisches Leben zu bieten haben. Dazu die absolute Stille in der Sandwüste, die nur bei Wind durch das Geräusch der treibenden Sandes unterbrochen wird.

Jahrtausende Jahre alte Felszeichnungen zeugen von der frühen Besiedlung dieses Gebietes aber auch vom dramatischen Klimawandel, der aus fruchtbaren Savannen im Laufe der Zeit zunächst Steppen und schließlich Wüsten geschaffen hat. Tagelang kein fremdes Auto zu sichten, wochenlang kein Kondensstreifen am Himmel, das zunächst etwas beklemmend wirkende Fehlen unserer gewohnten Zivilisation wird bald von der Ruhe und Gelassenheit des Lebens in der Wüste abgelöst. Begriffe wie Zeitdruck, Hektik, Stress, Termine etc. gibt es nicht und kommen auch in der Sprache der einheimischen Tuareg nicht vor. Kleinste Zeiteinheit kann sein: "mumkin -inshallah- baha bukra" (Vielleicht, so Gott will, übermorgen), fast unglaublich, aber man kann sich daran gewöhnen.

Zu dem faszinierenden Outdoorerlebnis mit einem bei uns nicht mehr sichtbaren Sternenhimmel, unfassbaren Sonnenauf- und besonders Sonnenuntergängen kommen die Erzählungen der teilweise Englisch sprechenden Tuaregführer beim obligaten abendlichen Sitzen am wohlig wärmenden Lagerfeuer über die Geschichte und Lebensweise der Nomadenvölker in der Sahara.

Geschichten von alten Karawanenwegen, ehemals reichen Wüstenstädten und Handelszentren, die mit dem Umschlag von Salz, Gewürzen und auch afrikanischen Sklaven einst ein Vermögen verdient haben. Aber auch von den Sorgen um die Zukunft ihres Volkes, das sesshaft gemacht wurde und nunmehr ihren Lebensunterhalt auf andere Art bestreiten muß.

Wer einen Urlaub der etwas anderen Art sucht und sich zumindest vorübergehend von vielen zivilisatorischen Zwängen befreien will, wer manche Unbequemlichkeiten nicht scheut und sich einen Rest an Abenteurertum bewahrt hat, ist mit einer Reise in den Fezzan in eines der schönsten Gebiete und sichersten Länder des afrikanischen Kontinents, nach Libyen, bestens beraten. Reisezeit ist zwischen November und März, in der übrigen Zeit ist das Reisen in der Wüste für einen Europäer im Normalfall nicht anzuraten.

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