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DER HYÄNEN-MANN


..... eine Reise durch Äthiopien auf der historischen Route
Addis Abeba - Lalibela - Axum - Gondar - Bahar Dar - Harar


Story und Fotos von Fred Vnoucek


Unzählige Lichtpunkte in der absoluten Finsternis der afrikanischen Nacht. Die Augen der Hyänen leuchten im Dunkeln. Nach Einbruch der Dunkelheit kommen die gefährlichen Raubtiere aus den Hügeln herab in die Stadt. Aber es ist ein langer Weg bis Harar, der Wüstenstadt in Äthiopien, die bereits auf halbem Weg nach Djibouti, am Rotem Meer, liegt. Beginnen wir unsere Reise dort, wo jede Reise durch dieses Land beginnt, in der Hauptstadt Addis Abeba.

Addis Abeba liegt im Hochland, auf etwa 2400 Meter. Die Temperatur ist daher gemäßigt. Die Stadt ist eine Mischung aus alter Tradition und moderner Lebensweise. Neben Bürogebäuden ziehen Eselkarawanen entlang, elegante Häuser stehen neben Lehmhütten. Wir sind eine kleine Gruppe von 6 Personen, als wir Anfang Dezember auf dem Internationalen Flughafen landen. Rasch sind die Einreiseformalitäten erledigt und wir stehen auf äthiopischen Boden. Bereits hier stellen wir fest, dass nicht sehr viele Touristen unterwegs sind. Offensichtlich konzentriert sich der Besucheransturm auf Festtermine wie Timkat, Ostern oder Weihnachten. Das Weihnachtsfest wird hier Anfang Jänner gefeiert. Wir haben unseren Termin bewußt gewählt, um einen Eindruck dieses großen Landes zu gewinnen, ohne von Menschenmassen blockiert zu werden. Natürlich sind Festbesuche mit farbenprächtigen Zeremonien absolute Höhepunkte, das wollen wir uns für ein anderes mal aufheben.

Der Hauptstadt widmen wir nicht viel Zeit, gleich am nächsten Morgen geht es weiter nach Lalibela. Die kleine Propellermaschine ist nicht ausgebucht, im übrigen funktioniert das Flugwesen in Äthiopien ausgezeichnet. Die Kontrollen vor dem Abflug sind streng, was weniger störend als beruhigend wirkt. 2 Stunden später erreichen wir das "Achte Weltwunder", wie Lalibela genannt wird. Man kann auch mit dem Auto anreisen, wie überall in diesem Land wäre diese Fahrt sehr lang und beschwerlich. Höhepunkt sind die aus dem Vulkangestein gehauenen Kirchen. Darauf genauer einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Man sollte sich einige Tage Zeit nehmen um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in und um Lalibela zu besichtigen. Wir waren froh über die mitgebrachten Taschenlampen, da meist keine ausreichende Beleuchtung vorhanden ist. Die Gruppe ist trotz einiger Anstrengungen begeistert. Unsere Besichtigungstouren waren beeindruckend, "sensationell" war hier eines der von den Teilnehmern am meisten gebrauchten Worte.

Wieder mit dem Flugzeug setzen wir unsere Reise fort nach Axum. Wir besichtigen den Stelenpark und das kleine Museum. Genächtigt wird im Staatlichen Hotel auf einem Hügel über der Stadt. Der nächste Tag ist ein Sonntag. Noch bei Dunkelheit weckt mich am frühen Morgen mystischer Gesang. Ich stelle fest, dass hier bereits in der Nacht die religiösen Feiern beginnen. Weiss umhüllte Gestalten scharen sich um das Gotteshaus, von überall her tönt das Singen. Trotz anfänglicher phantastischer Vorstellungen und ein bißchen Angst wegen der unwirklich anmutenden Szenerie war das eines der beeindruckendsten Erlebnisse in Äthiopien. Axum war vor langer Zeit die Hauptstadt der Königin von Saba, man weiss wenig über die frühe Geschichte der Stadt.
Schloss Gondar Wieder mit dem Kleinflugzeug geht es in das ‚Afrikanische Camelot‘, in die ehemalige Hauptstadt Gondar. Gondar spielte eine führende Rolle seit dem 17. Jahrhundert und behielt sein hohes Ansehen bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die Schlösser, Burgen und Ruinen muten eher schottisch als äthiopisch an.

Unsere Weiterreise verzögert sich, der Flug nach Bahar Dar am Tana See wurde ersatzlos gestrichen. Nach kurzer Beratung entscheide ich mich für die Weiterreise im Kleinbus um nicht mehr Zeit zu verlieren. Zeitgerecht erreichen wir Bahar Dar, die Bootstour auf dem See gibt uns Zeit zum Erholen nach der anstrengenden Anreise, wobei wir auch eine der im See gelegenen Inseln besuchen. Wir wollen ausgeruht sein für den nächsten Tag, wartet doch mit dem Besuch der Wasserfälle des Blauen Nil ein weiterer Höhepunkt unserer Studienreise.

Die Fälle des Blauen Nils, Tissisat - oder "Rauch des Feuers", stürzen über die Breite von fast einem halben Kilometer 50 Meter in die Tiefe. Ehe wir dieses Schauspiel bewundern können, liegt noch ein Fußmarsch vor uns. Vom Parkplatz aus marschiert man über eine Steinbrücke aus dem 17. Jahrhundert und erreicht in einer guten halben Stunde die Wasserfälle. Etwas Vorsicht ist geboten, während man auf den teilweise feuchten und glitschigen Wegen auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht herum wandert. Die Tissisat-Fälle stehen für mich "in einer Reihe" mit Niagara oder den Victoria Fällen. Nach einem kurzen Zwischenstop in der Hauptstadt Addis, wo wir ein wenig ausruhen und unsere Ausrüstungen in Ordnung bringen, brechen wir auf zum letzten Höhepunkt dieser beeindruckenden Reise - nach Harar.

Hier liegt auch die Wahlheimat des früheren Schauspielers Böhm, der das Projekt "Menschen für Menschen" ins Leben gerufen hat. Seine Erfolge sind überall sichtbar. Darüber hinaus gibt es weitere Einrichtungen wie eine gut ausgebaute Leprastation. Da meine Gruppe vorwiegend aus Ärzten besteht, bleibt mir der Besuch selbiger nicht erspart. Trotz einem "grünen Gesicht" und einem flauen Gefühl im Bauch war es hochinteressant und erfreulich zu sehen, wie den Menschen dieses armen Landes geholfen wird.

Am besten mit dem Flugzeug zu erreichen ist die mittelalterliche Stadt Harar, befestigt mit Stadtmauern in der Wüste gelegen. Die Autofahrt von Addis hierher würde ein bis zwei Tage dauern und durch den Awash-Nationalpark führen. Harar ist beeindruckend und hochinteressant. Man sollte sich bei Wanderungen einen Führer leisten, da man sich in den verwinkelten Gassen leicht verlaufen kann. Die Stadtmauer besitzt fünf Tore, welche bei Dunkelheit geschlossen werden. Früher gab es bei jedem der Tore einen "Hyänen-Mann", heute gibt es noch ein Tor, dass die alten Traditionen aufrecht erhält und ein faszinierendes Spektakel bietet.

Nach wie vor ist es so, dass in der Nacht die Hyänen durch die Stadt streifen und dabei gleichzeitig die Abfälle beseitigen. Dazu wurden extra Schlupflöcher in der Mauer gelassen. die Hyänen von Harar

Kurz vor Sonnenuntergang fahren wir zu dem Tor und beziehen Stellung. Als es vollständig dunkel ist, steht er plötzlich vor uns – der Hyänenmann von Harar ! In der Hand einen Sack mit Fleischabfällen, setzt er sich in den Sand der Wüste und beginnt Lockrufe auszustoßen. Wir erfahren, dass er die Hyänen mit Namen ruft.

die Hyänen von Harar Plötzlich sehen wir Leuchtpunkte in der Finsternis, mehr als ein Dutzend Augenpaare kommt auf uns zu. Ohne den geringsten Schutz stehen wir den gefährlichen Raubtieren gegenüber.

Ganz ruhig bleibt unser Hyänenmann, er beginnt die Tiere mit der Hand und sogar ‚von Mund zu Mund‘ zu füttern. Die Tiere dürften das gewohnt sein und gehen sehr sachte und vorsichtig mit ihrem Gönner um. Schloss Gondar

Noch einmal wird es mulmig, als wir Touristen aufgefordert werden, nun unsererseits die Tiere zu füttern. Wir haben es alle gewagt, es war ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Raubtieren Aug‘ in Aug‘ auf Meterdistanz gegenüberzustehen. Es ist stockdunkel, Licht kommt nur vom eingeschalteten Autoscheinwerfer und von den Blitzlichtern der Fotografen. Die Stunde verging so schnell und der Eindruck war so groß, dass wir dem Spektakel noch ein weiteres Mal zugeschaut haben. Danach mussten wir uns vom Hyänenmann und von Äthiopien trennen, da der Flug nach Hause nicht mehr fern war.

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