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Danakil

die lebensfeindlichste Wüste der Welt

Ein Reisebericht von Prof. Hans Först

Die Danakil zwischen Äthiopien, Eritrea und Djibouti, Heimat der als Genitaljäger bekannten Afar, war bis vor kurzem ein weißer Fleck auf den Landkarten und nur wenigen bekannt. Nun hat sich die Sicherheitslage gebessert und die Danakil wurde von Abenteuertouristen entdeckt, zu Recht, denn sie bietet Attraktionen, die selbst erfahrene Reisende staunen lassen.

Kamelkarawane um Kamelkarawane, schwer beladen mit Salzplatten zieht im untergehenden Licht der Sonne gegen Westen, hinauf ins äthiopische Hochland. Hussein, einer der Karawanenführer, er nennt sich stolz Hadschi, weil er als einer von wenigen Afar die Pilgerreise nach Mekka unternommen hat, erzählt, dass er auf der Strecke vom Salzsee Ass Ale hinauf nach Berhile, dem wichtigsten Marktplatz für die Afar-Nomaden, 10 Monate im Jahr unterwegs ist, nur Juli und August sind selbst für ihn zu heiß.

Am Ass Ale schuften moslemische Afar und christliche Tigre aus dem Hochland zehn Monate im Jahr unter unglaublichen Bedingungen bei 50° im Schatten, den es aber nicht gibt! Ganz unten auf der sozialen Leiter die Salzheber, die „Focolo“, die mit langen Stangen große Salzplatten herausbrechen. Eine Stufe höher stehen die „Hadali Mera“, das sind immer Afar. Sie schlagen aus der unregelmäßigen Salzkruste viereckige Platten zu je 8 kg.

Zwei Tage marschiert er mit Futter hinunter zum Salzsee, wo er die Salzplatten, „Amoles“ genannt, für 5 Birr (etwa 40 Euro Cent) kauft. Gute Kamele können 20 Amoles tragen, Esel nur zehn. Zwei Tage dann wieder zurück. In Berhile bekommt er pro Salzblock nun 10 Birr. Mit seinen 10 Kamelen kann er abzüglich der Steuern einen Gewinn von 800 Birr (ca 65 Euro) machen. Nach zwei Tagen verdienter Rast für ihn und die Kamele beginnt die Reise von neuem.

Die Salzgewinnung und der Transport auf die Märkte des äthiopischen Hochlandes ist seit mehr als 2000 Jahren eine der Verdienstmöglichkeiten für die Afar. Früher galten die Amoles sogar als anerkanntes Zahlungsmittel in Äthiopien und im Sudan.

In der Danakil stoßen drei Erdplatten aufeinander. Die Senke ist Teil des sich durch ganz Afrika nach Süden hinziehenden über 6000 km langen Grabenbruches, mit 30 tätigen und schlafenden Vulkanen eine der geologisch aktivsten Zonen der Welt. Ein Großteil des Gebietes liegt bis zu 116 m unter dem Meeresspiegel. Mehrmals wurde die Senke von den Wassern des Roten Meeres überflutet. Nach dessen Verdunstung in der heißen äquatorialen Nonne entstanden dicke Salzschichten.

Die Depression, die Äquatornähe, riesige, fast schwarze Lavafelder und mangelnde Niederschläge machen die Danakil zur lebensfeindlichsten Wüste der Welt und zwingen die Afar mit ihren Kamelen, Schafen und Ziegen auf der Suche nach Futter zu wandern und die wenigen Weidegebiete gegen andere Gruppen zu verteidigen.

Dieses harte Leben unter der brennenden Sonne hat auch die etwa 500 000 Afar in Äthiopien, Eritrea und Djibouti hart, kriegerisch und allen Fremden gegenüber abweisend gemacht. Blutrache war üblich, und ein Mann musste bei der Hochzeit die abgeschnittenen Genitalien mindestens eines Feindes vorweisen können.

Erst im Jahre 1928 gelang es dem Engländer Nesbitt die Danakil mit „allen“ Körperteilen zu verlassen. Der Titels seines Reiseberichtes war übrigens „Höllenloch der Schöpfung“!

Auch heute noch gelten hier die Gesetze der Afar-Nomaden. Touristen brauchen ein Genehmigung der Afar-Verwaltung und müssen in Begleitung eines oder zweier Polizisten reisen, denn die Ugugumo („Revolution“) genannten Afar-Rebellen wollen das nach dem Sturz des äthiopischen Militärregimes Anfang der 90er Jahre an Eritrea verlorene Gebiet zurück, sie wollen alle Afar in einem Staat vereinigen. Fahrten nach Dallol und zum Ass Ale werden daher zusätzlich von vier schwer bewaffneten Soldaten aus Hamed Ela begleitet.

Vom Fortschritt haben die Afar außer Plastikwaren und Zigaretten nicht viel mitbekommen. Die äthiopische Zentralregierung in Addis hat andere Probleme. Es gibt keine Schulen, keine Wasserversorgung, kein Gesundheitssystem. Die Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren beträgt vorsichtig geschätzt 35 %.

Doch die Kalaschnikow hat bei den Afar in den letzten Jahren den traditionellen, bis zu 50 cm langen Krummdolch, den Gille, ersetzt. Die Afar sind gläubige Moslems. Fotos von Frauen sind daher sehr schwierig und nur nach langen Verhandlungen möglich, will man nicht riskieren, von Steinen getroffen zu werden.

Nach langer Fahrt durch die weiße bis graubraune, teilweise von Wasser bedeckte Salzpfanne des Ass Ale liegt Dallol über einer Erdspalte. Die vulkanische Wärme bringt das Grundwasser zum Ansteigen. Dabei werden Mineralien gelöst, die an der Oberfläche bei den blubbernden heißen Quellen und kleinen Salzgeysiren wieder abgelagert werden. Eine unglaublich bunte, nach Schwefel riechende Welt mit dem Gelb des Schwefels, dem Weiß der Salze und den Braun- und Rottönen der verschiedenen Oxide, Farben wie auf einem fremden Planeten.

Hier bauten schon die Italiener Anfang dieses Jahrhunderts Potasche für die Kunstdüngererzeugung, Magnesium, Schwefel und Salz ab und transportierten die Mineralien auf Kamelen zum Hafen von Mersa Fatma in Eritrea, ab 1928 ersetzte eine Schmalspurbahn die Kamele. Seit 2007 sind nun die Chinesen im südlichen Teil der Danakil in ihrem unstillbaren Rohstoffhunger aktiv. Ihre Straße reicht schon bis zum Salzsee von Afdera, 150 km südlich von Dallol.

Eine der größten Attraktionen einer Reise in die Danakil ist sicher der Aufstieg zum 613 m hohen Schildvulkan Erta Ale, einer der wenigen Vulkane auf der Welt mit einem permanenten Lavasee. Der Blick in den Krater ist vor allem nachts ein einzigartiges Naturschauspiel. Große graue Lavaschollen werden von gewaltigen Kräften hinuntergezogen. Die eingeschlossenen Gase dehnen sich in der heißen Lava. In unregelmäßigen Abständen zerreissen dann hell orange-glühende Lavafontänen die dünne Kruste der grauen, erstarrten Lava und ziehen feurige Spuren in die Nacht. Darunter brodelt und donnert ein Inferno. „Dort oben wohnt der Teufel“, sagen die Einheimischen. Daher quälen sich auch nur die kamerabehängten Touristen hinauf. Oben kein Zaun, keine Verbotsschilder. Man geht so nahe, wie es die Hitze und die Dämpfe zulassen.

Eine anspruchsvolle Reise in eines der unzugänglichsten Gebiete dieses Planeten, nichts für Leute, die irgendeinen Luxus beanspruchen, eine abenteuerliche Reise, bei der der Reisende jedoch für den Komfortverzicht mit unvergesslichen Eindrücken reichlich entschädigt wird.

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