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ÄGYPTEN


Das Geschenk des Nils

... Reisebericht und Fotos von Fred Vnoucek


In Europa wohnten die Menschen in Höhlen, als die alten Ägypter bereits Höhepunkte ihrer Zivilisation erlebten. Trotz dieser Jahrtausende an Geschichte war dieses Land Nordafrikas immer abhängig - vom Wasser des gewaltigen Nil.

Alles menschliche Leben konzentriert sich auf das grüne Niltal. Der Schlamm war das Grundmaterial der menschlichen Behausungen, die Ernten abhängig vom Wasserstand. Der Nil war und ist einer der Hauptverkehrswege des Landes. Nach wie vor ist eine der besten und komfortabelsten Reisearten eine Fahrt mit einem der zahlreichen Nilschiffe. Das wusste auch Agatha Christie, als Sie einen Ihrer berühmten Romane "Tod auf dem Nil" hierher verlegte. Wie Hercule Poirot kann man zwischen Luxor und Assuan kreuzen und dabei die Überbleibsel einer der hochstehendsten Kulturen der Menschheit besichtigen.

Ein Flugzeug der Egypt Air hat mich in einem nicht allzu langem Flug von der Hauptstadt Kairo nach Luxor gebracht. Ich habe mir vorgenommen, meine Reise hier zu beginnen, im Herzen des alten Ägypten, Hauptstadt und Sitz der Pharaonen. Am rechten Ufer des Nils liegt das moderne Luxor, die "Esplanade" ist nicht nur Uferstrasse, sondern Zentrum des täglichen Lebens. Hier liegen die Hotels und Reiseagenturen, in den hinteren Strassen dagegen der Bazar. Immer schon war diese Seite des Nils für die Lebenden, dass andere - westliche - Nilufer den Toten vorbehalten. Dort liegt das geheimnisumwitterte "Tal der Könige" , wo in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts das beinahe unberührte Grab eines Ägyptischen Herrschers gefunden wurde. Der Goldschatz ist im Nationalmuseum in Kairo zu bewundern, so er nicht auf der Welt zu einer Sonderausstellung unterwegs ist. Nach wie vor ranken sich Sagen und Legenden um dieses Grab des Pharaos Tut Ench Amun.

Bei einem Besuch des Westufers (Theben West) sollte man aber nicht vergessen, das außer diesem Tal mit seinen mehr als sechzig Gräbern noch andere Sehenswürdigkeiten warten. Das "Tal der Königinnen, der Tempel der Hatschepsut oder die Memnon-Kolosse, um nur einige zu nennen. Es benötigt einige Zeit, um die Hauptsehenswürdigkeiten von Theben zu besichtigen. Abends empfiehlt sich der Besuch der Ton- und Lichtshow beim Luxor-Tempel.

Nach der ausführlichen Besichtigung Luxors legt mein Schiff ab in Richtung Süden. Nicht nur die weiteren "Stationen" wie Kom Ombo, Edfu oder Esna sind hochinteressant, für mich ist vor allem die Fahrt beeindruckend. Langsam zieht die Landschaft vorbei, man hat Zeit das Leben auf dem "großen Fluss" zu genießen. Felukas mit weissen Segeln heben sich gegen den Hintergrund des tiefblauen Himmels ab. Nach drei Tagen und mehreren Aufenthalten bei den oben erwähnten Orten erreiche ich Assuan, südlichste Stadt Ägyptens. Im Nil liegen mehrere Inseln, die Kitchener Insel ist ein botanischer Garten und auf Elephantine findet man einen antiken Wasserstandsanzeiger. Dieser ist in unserer Zeit bedeutungslos, da durch den großen Staudamm bei Assuan der Fluß reguliert wurde. Was nicht nur Segen, sondern auch ein schlimmer Nachteil für das Land war. War doch zum Beispiel die Ernte vom unterschiedlichen Wasserstand abhängig. Nebenbei erwähnt, der Damm wurde so erbaut, dass ein Entfernen und herstellen des alten Zustandes nicht mehr möglich ist. In der Zwischenzeit erstreckt sich der Stausee in den Süden bis zur Grenze des Sudans und hat dabei so bedeutende Kulturdenkmäler wie die Tempel von Abu Simbel verschlungen. Na ja, nicht ganz, wurden doch die Bauwerke in einer einzigartigen internationalen Aktion versetzt. Somit ist lediglich der Originalstandplatz vom See bedeckt.

Abu Simbel, erreichbar per Bus oder Flugzeug, ist einer der absoluten Höhepunkte jeder Reise nach Ägypten. Auch die Tempel von Philae wurden zum Teil vom Wasser bedeckt. Am Westufer erhebt sich das Mausoleum des Aga Khan. Nach einem Besuch des unvollendeten Obelisken und einem Bummel durch den exotischen Bazar endet meine Zeit in Assuan. Ich fliege von Assuan nach Norden, in die Hauptstadt Kairo. Wieder liegt ein ausführliches Besuchsprogramm vor mir. Eine Stadtrundfahrt bringt mich zu verschiedenen Moscheen und zum Grossen Bazar, abschließend bummle ich durch den Khan el Khalili Bazar. Einer der Höhepunkte eines Kairo-Besuches ist das Nationalmuseum, mit seinen Ausstellungsstücken aus Jahrtausende alter Geschichte.

Nachdem die "Mumienkammer" mit den sterblichen Überresten der großen Pharaonen für mehr als ein Jahrzehnt geschlossen war, könnte nun wieder die Möglichkeit eines Besuches bestehen. Einzigartig die bereits erwähnte Ausstellung des Goldschatzes des Tut Ench Amun, mit der Totenmaske des jung verstorbenen Königs als eines der am meisten bewunderten Kunstwerke der Welt. Wenn der Anblick dieser Maske noch heute jeden Besucher in ihren Bann zieht, wie muss die Wirkung auf den Entdecker des Grabes, den Archäologen Howard Carter, gewesen sein? Alle Kunstwerke befinden sich hier im Museum in Kairo. Einen halben Tag sollte man für den Besuch vorsehen.

Eine Stunde oder mehr kann die Fahrt zum Vorort Gizeh dauern, je nach Verkehrssituation. Für den neu angekommenen Besucher wirkt der Straßenverkehr mehr als chaotisch, es muss jedoch ein - für mich nicht erkennbares - System geben, da sich schließlich auch der schlimmste "Knoten" auflöst. Ich habe den Eindruck, dass der wichtigste Bestandteil eines Fahrzeuges die Hupe ist. Nur Kamele haben keine, aber denen kann nicht mal der Verkehr die stoische Ruhe rauben. Schließlich treffe ich in Gizeh ein, bereits von weitem sehe ich eines der sieben Weltwunder - die Pyramiden von Gizeh! Cheops, Chephren und Mykerinos, die vom Pharao Cheops ist die größte von den dreien. Man kann das weitläufige Gelände zu Fuß, auf dem Kamel oder dem Pferd erkunden.

Am besten verlässt man sich auf die eigenen Beine, da die Vermieter von Reittieren üblicherweise horrende Preise verlangen. Bewacht werden die Pyramiden von der Sphinx, welche majestätisch in der Nähe thront. Etwas tragisch die Nase, welche offensichtlich bei Schiessübungen von den Soldaten Napoleons bereits im vorigen Jahrhundert "entfernt" wurde. Um den Knebelbart der Sphinx, welcher im Britischen Museum zu London ausgestellt war, herrschte ein Jahrzehntelanger Streit zwischen England und Ägypten. Zu viele Kunstgegenstände wurden von den ersten Entdeckern außer Landes gebracht und Ägypten möchte - wahrscheinlich nicht ganz unberechtigt - sein Kulturerbe zurück. Alle diese Diskussionen sind mir als Touristen eher gleichgültig, ich bin fasziniert und tief beeindruckt vom Land am Nil, dem ältesten Touristenziel der Welt.

Für den Besucher, der mehr als die notwendigen zehn Tage für den Besuch des "Klassischen Ägypten" aufbringen kann, gibt es eine Auswahl an Erweiterungs- bzw. Verlängerungsmöglichkeiten. Für mich war am beeindruckendsten der Besuch der Sinai - Halbinsel mit dem Katharinenkloster. Man kann die Oasen in der unendlichen Weite der Wüste besuchen, z.B. die 'singenden Wasserräder" von Fayum. Einige Tage kann man im Badeort Hurghada am Roten Meer "anhängen" , aber auch hier sind eher Taucher oder Surfer an der richtigen Stelle.

Tauchsafari am Roten Meer

Mehrfach hatte ich Gelegenheit, das "Tauchparadies am Roten Meer" zu besuchen. Am besten lernt man die interessanten Tauchplätze während einer einwöchigen "Safari" kennen. Ich hatte das Glück, mich auf der "Suzanna1" - einem der besten Schiffe am Roten Meer - einschiffen zu dürfen.

Aufgrund der ausgedehnten Fläche und der vielen interessanten Tauchplätze wird während der einwöchigen "Törns" eine eingeschränkte Region besucht. Zum Beispiel bietet das "Nördliche Rote Meer" Leckerbissen für Liebhaber alter (und neuer) Schiffswracks, allen voran die "Thistlegorm" , der "Süden" bietet tolle Riffs und Grossfische. Im zentralen Roten Meer liegen entlegene Inseln ("Brothers" ) und Riffe ("Daedalus"), hier geben sich Mantas, Hammerhaie und manchmal sogar Walhaie ein Stelldichein.

Es ist Anfang Mai, als sich über mir die Fluten des 24 Grad warmen Wassers schließen. Es ist der erste Tauchgang des Tages, am entlegenen Daedalus Riff. Einige Tage verbrachte ich bereits bei den Brother Islands, und für mich "Landratte" ist bereits die Schiffsroutine in "Fleisch und Blut" übergegangen. Frühmorgens der erste Tauchgang, danach Frühstück und etwas Ruhen oder Sonnenbaden, danach der nächste Tauchgang und dann das Mittagessen. Am Nachmittag ist wieder Sonnenbaden und Erholen angesagt, ehe der letzte Tauchgang den "Arbeitstag" beschließt. Außer man entscheidet sich noch für einen Nachttauchgang. Ein göttliches Abendessen vom "Küchenzauberer" der Suzanna1, dann noch etwas Fachsimpeln und schon geht es wieder in die Koje.

Nun jedoch sinke ich langsam tiefer in das Blau, der Tiefenmesser steht auf 25 Meter. Erst wenige Minuten sind vergangen, als ich vor mir schemenhaft einen riesigen dunklen Schatten sehe. Zu groß für einen Hammerhai, denke ich. Vielleicht ein großer Manta oder sogar ein Hochsee-Hai. Ehe es mir mulmig wird, gebe ich Gas und flosse auf den Schatten zu, der sich als noch nicht ausgewachsener, ungefähr 7 Meter großer Walhai, entpuppt. Eine Sensation für jeden Taucher - das ultimative Erlebnis. Ich komme so nahe ran dass ich sogar die Haut des Tieres berühren kann, die Sekunden dehnen sich zu Minuten während der Fisch seine Bahn zieht. Noch einige Fotos, ehe der Walhai im unendlichen Blau der Tiefe verschwindet.

Nach einer erlebnisreichen Woche legt das Schiff im Hafen an, ein 4stündiger Flug bringt uns zurück in die Heimat.


Fred Vnoucek ist Geschäftsführer der Joe Far Tours Reisen GmbH (Otto-Bauer-Gasse 18, 1060 Wien, Tel.: 01/5041386) und arbeitet eng mit den Tauchprofis von "Dive with US" (Uli Sax) zusammen. Im Internet zu finden unter www.joefartours.com und www.dive.at

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