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'Die letzten Berggorillas'


Lokalaugenschein in UGANDA und im Congo

Reisebericht und Fotos von Fred Vnoucek


Die Berggorillas, geheimnisumwitterte Tiere in bizarrem Lebensraum, stehen immer mehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Nicht erst seit dem blutigen Bürgerkrieg in Ruanda und Zaire, zwei von den drei Heimatländer der Tiere, ist es in unser Bewußtsein gerückt, wie rasch diese einzigartige Tierart von der Erde verschwinden könnte. So wurde es höchste Zeit für JOE FAR EXPEDITIONS, dieses Reiseziel 'in Angriff' zu nehmen. Mit einer kleinen Reisegruppe machte ich mich auf den Weg nach Kampala, der Hauptstadt des übrigens sehr 'Österreich-freundlichen' Uganda. Positiv überrascht waren wir von den unkomplizierten Einreiseformalitäten, auch das Hotel in Kampala war durchaus in Ordnung und akzeptabel. Die vorgeschriebene Gelbfieberimpfung wurde, zusammen mit dem Paß, tatsächlich kontrolliert!

In zwei bequem zu bewältigenden Tagesetappen erreichen wir Bwindi, wo im 'undurchdringlichen' Dschungel noch rund 300 Berggorillas leben. Zwei Familienverbände waren zu der Zeit für Touristen zugänglich. Wir wohnen in Bandas, das sind Rundhütten aus Lehm, durchaus als rustikal zu bezeichnen. Als Alternative liegt unweit davon das kostspielige Gorilla-Camp, das im Stile eines Luxuszeltlagers errichtet ist. Wir entscheiden uns für die kostengünstige Lösung und beziehen die Bandas, der nahegelegene Fluß dient als Badezimmer. Dann die erste Überraschung. Berggorilla Ich versuche mir die Zähne zu putzen und laufe beinahe in ein halbwüchsiges Gorillamännchen. Wer mehr erschrocken ist, kann ich nicht genau sagen. Wie sich herausstellt, ist eine der beiden Gruppen schon seit Tagen in unmittelbarer Umgebung des Camps anwesend. Dementsprechend gut die Stimmung, können wir doch diesen Glücksfall nutzen und auch außerhalb der beiden geplanten Besuche die Gorillas beobachten. Zumindest soweit es die immer anwesenden Ranger der Nationalparkverwaltung zulassen. Ansonsten ist die Besuchszeit auf maximal eine Stunde beschränkt und mit einem mehr oder weniger langen Anmarsch verbunden. Das mitgeführte Gepäck sollte sich auf ein Minimum beschränken, eine Trinkflasche ist unbedingt mitzubringen.

Übrigens, schon ein Schnupfen reicht aus um vom Besuch der Tiere ausgeschlossen zu werden. Wir erfreuen uns glücklicherweise bester Gesundheit und treten unser erstes offizielles Trekking an, 3 Stunden teils in schwierigem Gelände und bergauf erfordern Kondition. Dann sind sie da, die Familienmitglieder der Katendengyeri-Gruppe, bestehend aus einem Silberrückenmann, einigen Weibchen und einem halben Dutzend Jungtieren. Unser Führer versichert schmunzelnd, daß es auch vorkommen kann das man nur 1 Stunde marschieren muß, wir sind ihm für diese Information zu diesem Zeitpunkt äußerst dankbar. Beruhigend zu wissen , daß der nächste Tag erholsam wird weil die Mubare-Familie sich ja praktisch in unserer Nachbarschaft aufhält. Man kommt unerwartet nahe an die Tiere heran, ein Objektiv 28-200mm leistet beste Dienste. Blitzgeräte sind verboten. Filme ab 400 ASA sind sehr empfehlenswert. Man sollte auch an einen Regenschutz für die wertvolle Ausrüstung denken. Ein Besuch des Queen Elisabeth Nationalparks rundet unser Uganda-Programm ab. Ein Erlebnis besonderer Art ist die Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal, vorbei an hunderten Flußpferden und unzähligen Vögeln. Am Ufer kann man Büffel und Elefanten beobachten. Ein weiterer Höhepunkt sind die Bergorillas von Djomba im Congo, dem damaligen Zaire. Berggorillas Skepsis macht sich breit, als wir in Uganda unseren Kleinbus verlassen und mit Sack und Pack die Grenze zu Fuß überqueren. Beobachtet von Soldaten, die aussehen wie aus einem schlechten Hollywood-Film entsprungen, betreten wir den Grenzposten, wo wir sogleich unsere Reisepässe nebst 50 US Dollar pro Person abgeben dürfen. Der erfahrene Reisende in mir windet sich in Krämpfen, als wir die Pässe am Grenzposten zurücklassen müssen. Es hat aber schließlich alles bestens geklappt, und wir haben alle Pässe nach zwei Tagen wieder ausgehändigt bekommen. John, unser Führer, organisiert Träger und schon ziehen wir in Expeditionsformation Richtung Berg. Nach über 2 Stunden erreichen wir das Camp, wo man entweder in einer Holzhütte oder in mitgebrachten Zelten untergebracht ist. Hier gibt es keinen Fluß als 'Badezimmer', aber dafür regnet es hier öfters. Zur Säuberung reicht es aus dem Fenster oder dem Zelt zu gucken und sich mit etwas Seife über die Haut zu streichen, es geht dann fast von selber. Man empfindet das Nichtvorhandensein von Toiletten dann auch nicht mehr als Problem. Am nächsten Tag erreichen wir in weniger als einer Stunde 'unsere' Gorillas, ein Ranger und mehrere Fährtensucher bestimmten den Weg zu einer der Familien.

Meist weisen die am Morgen verlassenen Schlafnester den Weg. Manchmal ist die Fortbewegung im Dickicht des Bergregenwaldes sehr mühsam. Wegen der triefenden Feuchtigkeit der Vegetation und der Häufigkeit von Regen und Nebel ist entsprechende Ausrüstung, vor allem gutes Schuhwerk unerlässlich. Es scheint so als würden wir sofort in den Familienverband integriert. Eine Gorillafamilie besteht normalerweise aus einem 'Boß', der immer ein Silberrückenmann ist, mehreren Weibchen und einigen Jungtieren. Ein vorwitziger Junggorilla versucht sogleich an meinem Knie zu nagen während 2 weitere Jungtiere über unseren Köpfen in einen Raufhandel verwickelt sind, was mit dem Abbrechen des Astes endet, auf dem der Streit ausgetragen wird. Die vom Baum fallenden Jungtiere verfehlen zum Glück meine Reiseteilnehmer knapp, ich werde dabei etwas von den Vorgängen rund um mein Knie abgelenkt. gorilla2 Diese Tiere zeigen absolut menschliche Züge und Eigenheiten im positiven Sinne. Die Intelligenz schaut aus den kohlschwarzen Augen, die jede unserer Bewegungen beobachten. Es ist strikt verboten, die Tiere zu berühren, auch wenn sie sich auf Armeslänge nähern. Man könnte das Verteidigungsverhalten des Männchens provozieren. Den riesigen Silberrückenmann vor sich, fällt es ziemlich leicht, sich an diese Regel zu halten ...

Nachdem wir brav das in Zaire in fast jeder Situation erforderliche Extratrinkgeld gegeben haben, dürfen wir etwas über eine Stunde das Familienleben der Gorillas teilen. Diese Stunde wird jedem von uns unauslöschlich in Erinnerung bleiben. Unbeschreiblich. Vergessen sind alle Mühen, die man auf sich genommen hat. Man kann nur hoffen, das diese Tiere unserer Welt erhalten bleiben und vielleicht als Beispiel für uns dienen, wie wir unser Leben ohne Konsumzwang sinnvoller und ausgefüllter gestalten könnten.

Lebenslauf eines Berggorillas (engl.: Mountain Gorilla, lat.: Gorilla Gorilla)
0 - 3 ½ Jahre bleiben die Jungtiere bei der Mutter
3 ½ - 6 Jahre junges Weibchen, bleibt bei der Familie
3 ½ - 8 Jahre junges Männchen, bleibt bei der Familie
8 - 12 Jahre ist das Fell des Männchens schwarz, ab dann beginnen die Rückenhaare silbrig-grau zu werden, daher die Bezeichnung ‘Silberrücken’.
- ab dem 8. Jahr kann ein Weibchen Junge bekommen
- ab dem 12. Jahr kann ein Männchen eine eigene Familie gründen.
- ein Gorillababy wiegt bei der Geburt 1 ½ Kilo
- ein ausgewachsenes Weibchen wiegt bis zu 80 Kilo
- ein ausgewachsenes Männchen wiegt 120 - 200 Kilo und kann bis 45 Jahre alt werden

IN RUANDA, UGANDA UND IM CONGO GIBT ES NUR NOCH UNGEFÄHR 500 BERGGORILLAS, DAMIT ZÄHLT DIESER NAHE VERWANDTE DES MENSCHEN ZU DEN AM MEISTEN GEFÄHRDETEN TIERARTEN UND IST VOM AUSSTERBEN BEDROHT !!!

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  • 06 2018 / Uganda

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